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Kundenrezensionen

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am 21. November 2012
Ich habe selten ein Buch so geliebt wie dieses: Nachdem ich anfangs mit dem Zeitenwechsel Probleme hatte (es wird von 3 Generationen einer Familie im Wechsel erzählt) hat mich das Buch in vielfacher Hinsicht fasziniert. Ich spare wieder eine Beschreibung der Inhalte, die gibt es bereits von anderen Rezensenten, ich konzentriere mich lieber auf die Besonderheiten dieses Buches. Der Erzählstil ist so dicht, die Sprache und die Ideen so umwerfend, dass ich oft pausieren musste, um manche Sätze auf mich wirken zu lassen. Hier sei auch ein Lob der Übersetzung gespendet, ich habe selten Bücher mit derart erstklassiger Sprache (und ohne Fehler) gelesen. Dazu kommt dass der "weiße" Richard Powers sich in die Empfindungen und Gedanken von Farbigen so intensiv hingearbeitet hat und deren Erleben derart nachvollziehbar ausgedrückt hat, dass ich als Leser mich in diese Welt mit ganzem Wesen einfühlen konnte. Welche Diskriminierungen und Härten die Existenz für die Farbigen in Amerika bedeut hat (und wohl noch immer bedeutet), darüber habe ich nie so intensiv nachgedacht und nachgefühlt. Dazu kommen seine Beschreibungen von Musik (da habe ich oft nur Prozente verstanden, welch eine unglaubliche Kenntnis der Musik aller Richtungen) und die Überlegungen zum Wesen der Zeit - ein derartiges Wissen so selbstverständlich verpackt, so etwas habe ich noch nirgends gelesen. Der Schreibstil ist jederzeit spannend und interessant, es gibt so gut wie keine Lücken, die nicht fesseln und beeindrucken. Die beschriebenen Personen sind absolut stimmig und in ihren Dialogen nachvollziehbar. Richard Powers weiß nicht nur viel, er hat auch viel zu sagen und ist ein absolut begnadeter Erzähler. Dieses Buch gehört für mich zum Besten, was ich in meinem ganzen Leben gelesen habe. Ich mag derzeit auch kein anderes Buch von ihm lesen, damit ich diesen Eindruck möglichst lange behalten kann.
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am 5. August 2004
Man muss sich Zeit nehmen, um das Buch "Der Klang der Zeit" zu lesen. Die Geschichte von einem weißen Mann, der Anfang der 40er Jahre eine schwarze Frau heiratet und mit ihr drei Kinder bekommt, entwickelt sich zwar stetig, aber langsam. Richard Powers' Schreibstil zwingt den Leser zum Kauen....Verschlingen kann man diese Geschichte auf über 750 Seiten definitiv nicht.
Ich habe das Lesen des Buches genossen, wenngleich mir gegen Ende ein wenig die Luft ausgegangen ist, weil ich letztlich doch ein anderes Tempo beim Lesen einer Geschichte habe als Powers beim Erzählen derselben. Dass ich die letzten hundert Seiten nicht mehr mit der anfänglichen Lust gelesen habe, lag auch daran, dass Powers den Rassismus in Amerika überwiegend intellektuell seziert und seine Figuren (die schwarzen sowie die weißen) deswegen ein bisschen "blutleer" daherkommen. Der Vater, Wissenschaftler, hat das Denken zu seinem Beruf gemacht, seine Söhne, Musiker, sind zwar hoch talentiert, aber emotional zurückgeblieben. Die Mutter, Delia, bleibt immer ein wenig hinter den Männern in dieser Geschichte verborgen; ihre Tochter hingegen scheint aus nichts anderem als Gefühlen, vorzugsweise Wut, zu bestehen. Aus meiner Sicht blieb die Geschichte solange interessant, wie alle fünf zusammen waren und versuchen mussten, mit dem Farbkontrast in der Familie sowie dem sie umgebenden Rassismus klar zu kommen. Bereits mit dem Tod von Delia bricht ein Großteil der Geschichte weg.
Mehr als die musikalischen Ausführungen, die mich am Ende dann doch ein wenig nervten, weil ich den Eindruck hatte, dass Powers nur zu gern zeigen möchte, dass er überdurchschnittlich viel Ahnung hat, haben mich die Ausführungen über Raum und Zeit und die Krümmung des Menschen dazwischen begeistert. Über manche Sätze von ihm kann man schon mal gediegen eine Woche philosophieren. Noch einmal mit der Sicht des Autoren ausgestattet über die Atombombe nachzudenken, war überaus spannend. Auf diesem Terrain scheint mir Powers sicherer zu sein als im Bereich Musik oder bei der Entwicklung einer Familiensaga à la Kunta Kinte.
Insgesamt finde ich es ein gutes und wichtiges Buch. Ich werde sicher noch mehr von Powers lesen, insbesondere wenn ich "geistige Nahrung" brauche.
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am 27. Mai 2004
Richard Powers hat mit "Der Klang der Zeit" einen Roman geschrieben, von dessen Qualität ein Jahrzehnt nur wenige hervorbringt. Das ist keine unvorsichtige These. Powers' neues, 765-seitiges Opus Magnum ist ein bravourös konzipierter, satter Dreiklang aus den Themen Musik, Physik und Rasse. Ein Dreiklang, der trotz enormer Komplexität, vollends harmonisiert und nicht überfordert.

David und Delia, Angehörige unterdrückter Minderheiten, treffen beide aus einem Fluchtreflex aufeinander. David, jüdischer Physiker aus Deutschland, flieht vor den Nazis. Delia, dunkelhäutig, entflieht ihrem vom Rassismus geprägten amerikanischen Alltag. An diesem Tag (Ostersonntag 1939) flüchten sich beide nach Washington, zum legendären Freiluftkonzert am Lincoln-Denkmal der schwarzen Altistin Marian Anderson, der aufgrund ihrer Hautfarbe ein Auftritt in der Constitution Hall verwehrt blieb. Als David nach einem Wiedersehen mit Delia fragt und sie wieder und wieder mit "unmöglich" antwortet, wäre das beinahe schon das Ende vor dem Anfang gewesen. Aber beide halten irgendeinen Schlüssel für die Zukunft in ihren Händen, der beide schließlich doch noch das tollkühne Wagnis einer schwarz-weißen Zweisamkeit eingehen lässt. David gibt ihrer gemeinsamen Zukunft, trotz der von der Zeit diktierten Rassenproblematik, mit einem jüdischen Sprichwort Zuversicht, das zum Leitmotiv des gesamten Romans wird: "Der Fisch und der Vogel können sich verlieben."

David kann die Fratze des Rassismus nicht erschrecken. Er, Inhaber des Lehrstuhls für theoretische Physik an der renomierten Columbia University, versucht Einsteins großes Erbe, die Relativitätstheorie, voranzubringen. Für David ist nicht nur die Zeit relativ. Auch Rasse stellt für ihn keine feststehende Größe dar. Also antwortet er auf die drängenden Fragen seiner drei Kinder, zu welcher Rasse sie eigentlichen gehören: "Ihr macht eure eigene Rasse auf."

Natürlich muss dieser Versuch der Kinder, jenseits aller Rassenideologie irgendwo zwischen schwarz und weiß sich selbst zu erfinden, jäh scheitern. Zwar kann die Familie von Fisch und Vogel anfangs allen Repressionen entfliehen in ein Refugium aus Musik. Doch als die Kinder so langsam das Nest verlassen, schafft es keiner der drei, "eine eigene Rasse aufzumachen". Obwohl die Kinder vom Vater David immer wieder sein Konzept von Zeit erklärt bekommen, nämlich, dass die Zeit nicht vergeht, sondern einfach "ist", dass das "Jetzt" nichts als eine "raffinierte Lüge" ist - sind alle drei zu sehr in ihrer eigenen Zeit verhaftet. Der erstgeborene Jonah, der als Tenor eine erfolgreiche Karriere einschlägt, lebt in der Zukunft. Er ignoriert schlicht und einfach die Frage nach schwarz oder weiß und wirkt realitätsfern. Die Jüngste, Ruth, verlässt als Erste den gemeinsamen Zufluchtsort Musik, bricht mit ihrem weißen Vater und schließt sich den tendenziell radikalen Black Panthers an. Sie orientiert sich zu sehr an der Vergangenheit, scheint borniert, vielleicht etwas reaktionär. Joseph schließlich, über weite Strecken der Ich-Erzähler des Romans, hat sich in der Gegenwart verfangen. Seine Bestimmung ist das Begleiten. Zuerst als Pianist an der Seite seines Bruders, dann als Lehrer an der Grundschule, die Ruth aufbaut. Joseph gelingt es nicht, etwas Eigenes aufzubauen (Jonah nennt ihn "Mule", in der Etymologie des Namens ist der zeugungsunfähige Maulesel enthalten), sein Leben ist eine Collage aus Schondagewesenem.

"Der Fisch und der Vogel können sich verlieben." War das am Ende ein Experiment, das von Anfang an utopisch sein musste? Nein, denn David und Delia teilten bei dem Konzert, als zwischen ihnen alles begann, einen Moment, in dem die Musik von Marian Anderson die Zeit zum Stillstehen brachte. In diesem Moment war alles vereint: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Über diesen Moment der eingefrorenen Zeit hinaus, teilten sie jedoch noch etwas, das beide für alles, was da kommen mag, versöhnlich stimmte. Etwas wie Schönheit. Oder Freude.
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am 23. Januar 2011
Was für ein geschriebenes Epos. Mir fällt kaum vergleichbares ein, in dem Worte wie Musik komponiert werden und in ihrer Einmaligkeit und Komplexität eine Sprache entfalten, die seinesgleichen sucht. Es gelingt Richard Powers in seinem Werk den Bogen von 1939 bis in die 80er Jahre zu spannen und in dessen Mittelpunkt eine Familie zu stellen, deren Lebensgrundlage immer wieder die Frage zu beantworten sucht: 'Der Fisch und der Vogel können sich verlieben. Doch wo bauen sie ihr Nest?'

Die Geschichte beginnt, dass sich eine schwarze Frau und ein weißer Mann verlieben und sich gegen alle Konventionen und dem Denken der herrschenden Zeit zusammenzutun um eine Familie zu gründen. Beinahe jeder Atemzug in ihrem zuhause atmet Musik und es findet sich in den abendlichen Stunden am Klavier eine neue Art von musikalischem Zitateraten, Vermischung alter und neuer Musik statt. Deliah ist eine äußerst talentierte Sängerin, die jedoch zu Gunsten ihrer Kinder daheim bleibt und diese auch zunächst daheim unterrichtet. Jonah und Joseph, ihre beiden älteren Söhne, werden von ihr in einem Atemzug liebevoll JoJo genannt. Vor allem der ältere zeigt bereits in frühesten Jahren eine begnadete Stimme und ein wahrhaft außergewöhnliches Talent.

Ihr Mann David Strom ist ein deutscher, jüdischer Physiker, der vor den Nazis geflohen ist und sich geradezu im Phänomen der Zeit verliert, das er zu erforschen sucht. Durch seine Offenheit und Bereitschaft alles ungewöhnliche als normal anzusehen, kann er viele der Ansichten aus Deliahs Familie nicht nachvollziehen. Ihre Ehe stellt zur damaligen Zeit einen Verrat am Denken von Weissen wie auch Schwarzen statt. Ihr Versuch eine neue Welt im Kleinen zu schaffen kann nicht gelingen.

Deliah und ihr Mann David entscheiden sich schweren Herzens beide Söhne auf eine Musikschule zu schicken um ihnen die Gelegenheit zu geben, ihr Talent unter professioneller Anleitung zu entfalten. Diese Schule katapultiert die zwei Jungs in eine andere Welt. Zwar spielt ihre Hautfarbe hier nicht die Hauptrolle, sondern ihr musikalischen Können, doch können sie sie auch nicht ablegen. Und so entfaltet sich Seite für Seite dieses Buches die Geschichte von Kindern, die weder der einen noch der anderen Rasse angehören und versuchen, dieser Definition durch ihr besonderes musikalisches Talent zu entgehen.

Ihr Schwester Ruth ist diejenige, die unter dem frühen Unfalltod der Mutter am meisten zu leiden hat und sich auch als erste von ihrer Familie abwendet um sich im Kampf der Schwarzen gegen die Rassentrennung engagiert. Die Familie droht auseinander zu brechen und jedes der Kinder versucht auf seine Weise damit fertig zu werden.

Die Reise auf die uns der Autor mitnimmt, springt in Zeitsprüngen von der Geschichte der Eltern zu der der Kinder. Doch niemals irritierend und immer einen Bogen schlagend um persönliche wie geschichtliche Ereignisse miteinander zu verweben. Es ist ein Genuss, sich in diesen kunstvoll gearbeiteten Sätzen zu verlieren. In diese Fülle von Wörtern einzutauchen und den beschriebenen Klang wie von Engelszungen entstehen zu hören. Nicht umsonst wurde Richard Powers bereits mit renommierten Preisen überhäuft.
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am 7. Januar 2007
Die bisherigen Rezensionen lassen sich in "genial" und "schnarch" unterteilen, und nach der Lektüre kann ich (nach einem zwanghaften 800 Seiten in 4 Tagen- Lesemarathon) beide Urteile nachvollziehen.

Dieses Buch erfordert eine Menge Geduld und die Fähigkeit, fünf gerade sein zu lassen und über Schwächen hinwegzusehen...

Richard Powers' verbindet in seinem Roman drei Themenkomplexe, über die ganze Enzyklopädien geschrieben wurden: Liebe, Rassenhass und Musik. Dann schleicht sich auch noch die Physik mit auf die Bühne, und das Ergebnis ist in etwa so sperrig wie Zwölftonmusik.

Leser, die vor allem Wert auf tempo- und actionlastige Plots legen, sollten von diesem Buch ebenso die Finger lassen wie solche, die sich nur dann von Romanfiguren in ihre Geschichte hneinziehen lassen, wenn sie glaubwürdig daherkommen. Die Relativitätstheorie verstanden zu haben, ist keine notwendige Voraussetzung, um das Werk ins Herz zu schließen; wer allerdings mit klassischer Musik nichts anfangen kann, den läßt es vermutlich erst verständnislos und dann entnervt zurück. Studierte Musiker hingegen sollten gelegenlich beide Augen zudrücken...

Powers legt keinen Wert darauf, eine Geschichte zu erzählen, die so oder ähnlich hätte passieren können.

Sämtliche Figuren, die seine Bühne betreten, bestehen aus wenig mehr als einem fleischgewordenen Charakterzug.

Da sind David Strom, der zerstreute deztsch-jüdische Physikprofessor, der sein Leben der Erforschung und Überwindung der Zeit widmet, und seine schwarze Frau Delia, die sich selbst, das Verhältnis zu ihrer Familie und ihre Karriere als Sängerin komplett der Liebe zu ihrem weißen Mann opfert: ein musikgewordenes Über-Ich.

Was die beiden eint, ist ihre Liebe zur klassischen Musik und der Wunsch, die Rassenschranken zu überwinden.

Deshalb wollen sie ihre Kinder außerhalb von Schwarz und Weiß aufwachsen lassen, stattdessen geben sie ihnen die Musik mit auf den Weg.

Schwarz und Weiß präsentieren sich jedoch als unvereinbare,von beiden Seiten unversöhnliche Gegensätze, zwischen denen die drei Strom-Kinder ein Leben lang aufgerieben werden

Jonah, der älteste Sohn, lebt nur fürs Singen. Ein Wunderkind, dessen Talent dank der Großzügigkeit des Romanciers keine Grenzen gesetzt sind, starrsinning, arrogant, egoistisch und doch innerlich zerrissen und gehetzt. Verzweifelt auf der Suche nach seinem Platz in der Welt, symbolisiert durch das Musikbusiness, jagt er durch alle Stilrichtungen der klassischen Musik, quer durch Amerika und nach Europa.

Joseph, der Ich-Erzähler, begleitet seinen Bruder nicht nur am Klavier, sonden richtet sein ganzes Leben quasi als Begleitmusik für den tonangebenden Jonah aus. Gleichzeitig ist er es, der versucht, die nach dem Todder Mutter auseinanderbrehende Familie zusammen zu halten, Gegensätze zu vereinen, nach Versöhnung zu suchen.

Ruth, die Jüngste, ist symbolisch passend das Begabteste der Kinder, wird aber mit dem Tod der Mutter (war es Unfall oder Mord?) nicht fertig, begegnet der weißen Musik und Kultur mit Verachtung, schließt sich den Black Panthers an und entfremdet sich zusehends von ihrer Familie.

Nicht nur die schwarzen und weißen Menschen in diesem Buch sind bis aufs Blut verfeindet; auch schwarze und weiße Musik werden als Gegensätze präsentiert.

Dass dieser Roman bei aller Kopflastigkeit und Länge nicht als blutleere, moralinsaure Parabel daherkommt, ist Powers' unglaublicher Wortgewalt zu verdanken, der Fähigkeit, mit Worten bewegte Bilder zu malen, Musik zum Leben zu erwecken, auch wenn man sie nicht hört, und den von der Anlage her so holzschnittartig gebauten Figuren gleich tragischen Pinocchios Leben einzuhauchen. Dabei wird er niemals "laut". Das Erzähltempo ist langsam, oft geht die eigentliche Geschichte beinahe quälend langsam voran, was die Erzählung nur um so eindringlicher macht. Oft war ich beinahe erleichtert, wenn die großen und kleinen Katastrophen endlich über die Protagonisten hereinbrachen.

Zudem sprint die Handlung immer wieder zwischen der Vergangenheit der Eltern und der Gegenwart der Kinder hin und her.

Das Buch eignet sich nicht dazu mit Joseph und seiner Familie mitzufiebern,wie es bei einem Spannungsroman der Fall wäre. Stattdessen findet man sich dabei wieder, mit ihnen mitzuleben, mitzufühlen, zu hoffen und zu leiden. Lieb gewonnen habe ich dabei jede einzelne Figur, und es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen, als es zu Ende war.

Wenn Bücher eine Persönlichkeit haben, dann ist "Der Klang der Zeit" ein verschrobener Professor: Intellektuell, anstrengend, sehr eigenwillig, bei aller Beobachtungsgabe ein wenig weltfremd....und wenn man sich auf die "Vorlesung" einlässt, voller Leidenschaft, eindringlich, liebenswert und seltsam unwiderstehlich.
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am 12. Juli 2005
Die Brüder Jonah und Joseph sind im Alter nur anderthalb Jahre auseinander und wie ihre kleine Schwester Ruth und die ganze Familie der Mutter mit überwältigendem musikalischem Talent gesegnet. Jonah ist ein begnadeter Sänger, Joey ein hervorragender Pianist.
Doch das allein ist noch kein Garant für eine glanzvolle Zukunft. Die beiden wachsen nämlich in den 50er und 60er Jahren als Mischlingskinder in den USA auf, zu einer Zeit der Rassenunruhen und Diskriminierungen. Der Vater ist ein jüdischer Physiker, der aus Deutschland geflohen ist, die Mutter eine schwarze amerikanische Arzttochter, die sich kurz nach ihrer Hochzeit von ihrer Familie entfremdet hat.
Trotzdem gehen die drei Geschwister ihren Weg - allerdings häufig unter großen Schwierigkeiten.
Das klingt jetzt nach Herzschmerz-Familiensaga, ist aber viel, viel mehr als das, ein unglaublich komplexes Bild einer Epoche der USA- bzw. Weltgeschichte voller bedeutender Umbrüche, über Rassenunterschiede und daraus resultierende Konflikte, aber auch ein Buch über die seltsamen Kapriolen der Zeit und nicht zuletzt über die Musik.
Fazit: schön, sehr umfangreich, teilweise ziemlich düster, aber auf alle Fälle lesenswert.
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VINE-PRODUKTTESTERam 27. Dezember 2005
Der Fisch und der Vogel können sich verlieben - doch wo bauen sie ihr Nest.?
Das Buch erzählt eine Familiengeschichte in Amerika von den 30er bis hinein in die 90er Jahre. Sie steht unter dem Zeichen der Musik, die durch das ganze Buch klingt. Und unter dem Zeichen der Zeit. Und nicht zu vergessen - unter dem Zeichen des Rassismus.
William und Nettie Ellen Delay haben unter anderem eine Tocher Delia. Delia heiratet den deutschen Juden, Physiker David. Aus dieser schwarz-weißen Ehe, die im Amerika der damaligen Zeit unter einem schlechten Stern steht, ihrer Zeit voraus ist und gegen viele Anfeindungen zu bestehen hat, gehen die hellhäutigen Mischlings-Kinder Jonah, Joey und Ruth hervor. Die Eltern versuchen die Kinder losgelöst von ihrer Rasse zu erziehen und ihnen andere Werte zu vermitteln, die nichts mit der Hautfarbe zu tun haben. Die ganze Familie ist höchst musikalisch. Jonah macht Karriere als Sänger und wird größtenteils von seinem Bruder Joey am Klavier begleitet, bis Jonah nach Europa geht. Joey ist immer das Anhängsel von Jonah, bis der weg geht. Dann sucht sich Joey selbst und findet sich nicht. Landet wieder bei Jonah, diesmal in Europa und arbeitet später, wieder in Amerika, eng mit Ruth zusammen.Ruth, die im Alter von 10 Jahren, die Mutter bei einem Hausbrand verliert, entdeckt das Kämpferische in sich und schliesst sich später den Black Panthers an, heiratet, bekommt Kinder, findet als Erste wieder zu den Großeltern zurück. Die Geschwister leben sich auseinander, finden sich wieder, am Ende schliesst sich der Kreis. Die Gedanken und Überlegungen des Vaters David zum Thema Zeit werden wundersam in die Entwicklungen miteingebunden.
Wer über ein höheres Mass an musikalischen und physikalische Kenntnissen verfügt, als ich es habe, wird einen weitaus höheren Genuss an diesem Buch finden. Es ist nicht immer leicht zu lesen, gerade auch aufgrund der vorgenannten fehlenden Basis, aber wirklich lesenswert und sehr zu empfehlen. Als sehr hilfreich habe ich die Zeittafel am Ende des Buches empfunden. Eingebettet in die historischen Daten der jüngsten Zeit, fand ich mich zurecht und konnte die Entwicklungen der Familiengeschichte mit der Zeittafel einordnen. Die Daten der amerikanischen Ereignisse, sind mir leider nicht immer so präsent, wie man sich das wünschen würde. Dass der Fall Rodney King in Amerika in 1992 stattfand, gerade mal vor 13 Jahren, wurde mir beim Lesen wieder deutlich gemacht. Der Rassismus ist noch gegenwärtig. Die Zukunft, von der Delia und David für ihre Kinder immer geträumt haben, ist noch nicht erreicht.
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am 21. Dezember 2006
Richard Powers Der Klang der Zeit"

Die schwarze Sängerin Delia und der jüdische Physiker David heiraten entgegen aller gesellschaftlicher Konventionen.
Aus dieser Ehe gehen drei Kinder hervor, die von den Eltern jenseits aller Vorurteile erzogen werden sollen. Macht eure eigene Rasse auf", lautet einer der zentralen Leitsätze des Buches.

Der Versuch, die Kinder jenseits aller Rassenideologie zu erziehen, scheitert. Während die Musik anfangs noch die gemeinsame Basis der Familie schafft, kann auch diese später keinen Rückhalt mehr geben.
Jonah, der älteste Sohn, startet eine Karriere als Musiker. All sein Denken liegt in der Zukunft. Er ignoriert die Rassefragen, wirkt realitätsfern.
Joseph, der immer im Schatten des Bruders steht, für ihn lebt, schafft es nie, sich ein eigenes Leben aufzubauen, treibt orientierungslos in der Welt umher.
Und schließlich Ruth, die Kleinste, die als erstes mit ihrer Familie bricht und sich den Black Panthers anschließt.

Vorteilhaft ist es sicherlich, wenn man sich ein wenig für Musik oder Physik interessiert. Weite Strecken des Buches sind eng mit diesen Themen verwoben und wer damit gar nichts anfangen kann wird sicherlich an der einen oder anderen Stelle seufzen.
Auch mir wurde das manchmal zu viel - einige Passagen könnten meiner Meinung nach stark gekürzt oder ersatzlos gestrichen werden.

Hilfreich fand ich persönlich die Zeittafel am Ende des Buches. Ich empfehle, dass man sich diese Zeittafel gleich zu Beginn ansieht. Wer sich mit der amerikanischen Geschichte der Neuzeit nicht so gut auskennt, wird daraus auf jeden Fall einen Gewinn ziehen.
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am 26. Juli 2013
Auf dem Fundament der Familiengeschichte zweier Brüder, Söhne einer hochbegabten schwarzen Sängerin und einem nicht minder musikalischem Physik-Professor jüdischer Abstammung gibt der Autor Einblick in ein Amerika der jüngeren Vergangenheit und den (damals) noch vorherrschenden Rassismus und die Entwicklung neuer Musikrichtungen. Beeindruckend das immense musiktheoretische Wissen, informativ die kulturelle Szene der 60er Jahre und berührend bis verstörend die persönliche Situation der Familie.
Ein phantastisches Buch!!!
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am 18. Februar 2013
Es ist meine Überzeugung, dass sich ein wahrhaft gutes Buch in seinem Schluss zeigt. Erst der macht einen großen Roman perfekt. Der Klang der Zeit jedenfalls hat einen der besten Schlüsse, die ich je gelesen habe, vielleicht den besten überhaupt. Und der wäre selbstverständlich nur halb so gut, wenn nicht auch auf dem ganze Weg dorthin ein Puzzleteil ins andere passte. Insgesamt ein fantastischer Roman, der Zeitgeschichte, Musik und Physik in einer packenden Familiengeschichte verquickt. Großartig konstruiert und wunderbar geschrieben.
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