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Kunden diskutieren > Forum: Peter Camenzind

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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.08.2012 21:20:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.08.2012 22:34:46 GMT+02:00
kpoac meint:
Der Leser wurde Buch; und Sommernacht war wie das bewusste Sein des Buchs." (Wallence Stevens),

"Vorwärts, Wanderer! Es sind noch viele Meere und Länder für
dich übrig: wer weiß, w e m Alles du noch begegnen mußt?"
(Friedrich Nietzsche)

Wie viele Bedeutungen hat Literatur? Was vor den Augen des Lesers geschieht, ist Ereignis und ist Zeichen. Die Bedeutung zu setzen, ist Aufgabe des Lesers; der Autor hat zu schweigen, wenn der Leser autonom wird. Der Text bleibt und wirkt als Gefüge anderer Zeiten und doch mit dem Leser in den Kairos seiner Zeit.

Mit Hesses Peter Camenzind zu wandern, heißt die Natur im langsamen Takt zu durchschreiten; Berge, Höhen, Bäche, Schnee und Sonne im aufmerksamen Blick zu sehen und allmählich wird man entrissen des eigenen Alltags und irgendwie merkwürdig berührt. Eine Spannung fehlt, die der moderne Alltag aufrecht erhält und jede Ablenkung garantiert und es entsteht vielleicht jene berühmte Langeweile, die wir von Büchner kennen, wenn sein Lenz durch die Wälder geht. Da sieht oder geht einer in seiner Heimat, einer jener vielen Camenzinds aus einem kleinen Dorf mit festen Regeln und Abläufen und besticht dadurch, dass er gegen die Geschwindigkeitszwänge der Zivilisation, gegen das Tempo der Großstädte lebt und doch sich angezogen fühlt, jenes zu erleben, um im Wissen darum, sich neu zu bestimmen. Hesse verbirgt nicht Nietzsches Auftrag zum Finden des eigenen Weges, lesen wir kurz Nietzsche: "Es giebt in der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann, außer dir: wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn!"

Der Leser liegt wie einst Werther oder Droste Hülshoff mit Peter Cammenzind im Gras und erfährt von den Möglichkeiten dieser Welt, von den Schrecken, den Gefahren und den Lauten. Heute noch bestimmen die kleinen und winzigen Dinge des jungen Menschen Leben, die kleinen Blicke auf mögliche Liebschaften, die zarten Wünsche und die begehrende Jugend liegen zwischen Ich und Welt, noch nicht wissend, dass in diesem Schicksal der Weg zu sich selbst liegt, sein Weg der Erkenntnis seiner und der Welt wahren Beschaffenheit.

So muss Peter Cammenzind seine Heimat verlassen, wohl wissend, dass sein Vater mit dem Tode seiner Mutter alleine ist. Doch es ist Zeit für den Aufbruch. Und dieser Aufbruch ist mehr als ein Gehen, es ist die vehemente Öffnung seiner Selbst in eine andere noch unbekannte Welt. Und dieser Weg in die Stadt ist der Weg in eine zweite Welt, in der Wahrheit, Liebe, Lust und Glück zu suchen und zu finden ist. Er wird zum Kind des Lichts, wie es immer die Menschen waren, die unbedacht in Apfelkörbe liefen. Wie Hoffmanns Anselmus verliert Camenzind auf dem Weg seine Erinnerung und geht dem neuen, unbestimmten, den neuen Spiegeln dieser Welt entgegen, um über sich zu lernen.

Nicht mehr allein die Natur wird sein Führer. Er entdeckt, dass es Menschen sein müssen, die Neues ermöglichen; er erlebt, wie lohnend es ist, "statt einer abstrakten Menschheit Einzelne zu kennen und zu studieren"; er lernt, dass es Liebe gibt zu Menschen und das Liebe in der höchsten Form ohne Vollzug eine wahre sein kann; er lernt, dass in den Büchern dieser Welt soviel Erweiterndes zu lesen und zu empfinden ist; er lernt dadurch, in seiner Legitimation neue Welten sein eigen zu nennen, durch die er geht und denkt. Alles funktioniert in ihm selbst, ihm wird das Ich zur Welt und die Welt zum Ich. Seine Erfahrungen werden erweitert durch Erkenntnisse, seine Naturempfindung erweitert im Diskurs und Erleben mit Mensch und Buch.

Ihm schwebt vor, wie Franz von Assisi alle Menschen und Tiere zu lieben auf einer höheren Ebene, er probiert es in Wirklichkeit und wie der Heilige Franz sich durch die Stigmata in eine Imitatio Christi verwandelt, so scheint auch Hesses Camenzind sich anzulehnen an seine Vorbilder, gar so sein zu wollen bis zur vollständigen Hingabe. In der Tat mutet es an, als wenn Hesse seinen Camenzind verwandelt durch Aufgabe seiner Selbst in diesen Erlebnissen von Menschen, Reisen und städtischem Gehabe. Und doch scheint dieser Weg ein notwendiger gewesen sein, damit der Herzschlag der Erde hörbar, das Leben als Ganzes erfahrbar und die Erkenntnis reift, Kind der der Erde und des kosmischen Ganzen zu sein.

Der Herkunft und der Zeit der Erfahrung folgt die Rückkehr. Peter Camenzind ist naturverbunden, menschennah und neu erfahren durch seine Zeit außerhalb seiner Heimat. Was bleibt, ist das Wissen, dass die Welt, egal wo man ist, dem selben Gesetz gehorcht. Nirgendwo geht die Welt in eine andere über. Nur, und das wird deutlich, der Mensch kann seine innere Welt verändern. Novalis spricht von der "Sonne der Nacht". Diese ist nicht im Weltall, sie gehört nicht der Vernunft. Sie leuchtet in der Seele und da trifft sie auf Hermann Hesse (1877 - 1962), der mit seinem Erstling den Prozess des aufrechten Gangs als eigene Schöpfung erneuert. Er zeigt, dass im Prozess zur Identität sowohl Natur wie Menschen notwendig sind, letztere sogar in den Ausprägungen von Liebe, Lust und deren Verweigerung. Im Scheitern zu lernen, ist nicht leicht, aber es bietet die Chancen, das "inneren Universum" (Novalis) gewahr zu werden. Hesses Botschaft, geprägt in allen Werken, heißt: "Sei Du selbst". Dass er diese Erneuerung so nah an die Natur anlehnt, heißt, so meint der Rezensent, auch: Werde wesentlich. Die Natur entspricht ihrem Wesen, was fehlt dem Menschen dazu?

"Einer, / der darin lebte, neuen Aufgaben sich zuzuwenden"; dieses ist eine Zeile aus einem Gedicht von Robert Frost. Hesse wie Peter Camenzind sind auf dem Wege, Dichter zu werden. Dieses ist ein ausgeprägter Wunsch Hesses im Jahre 1903 und dieser Wunsch wird transferiert auf Camenzind. Diese Erzählung in der Perspektive der Zeile aus dem Gedicht von Frost bedeutet auch, dass sowohl Hesse wie Camenzind leben wollen für alles, insbesondere für Gedichte und Erzählungen, wie auch für Romane, die noch geschrieben werden wollen.

Denn hier lesen wir den Anfang von Hesses Erzählkunst, Vieles folgt, sogar Nobelpreis und sonstige Auszeichnungen. Und tief, sehr tief in Hesses Thema um Natur, Leben und Selbstbestimmung steckt - mit Robert Frost gesagt -, eine Herausforderung: gewünscht "Sei nicht die eigene Liebe als Kopie zurück, / Sondern Gegenliebe, echte Resonanz".

Heute vor fünfzig Jahren starb Hermann Hesse. Verdient hat er eine Würdigung, wie es diese Besprechung eine sein soll.
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Erster Beitrag:  08.08.2012
Jüngster Beitrag:  08.08.2012

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