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Kundenrezensionen

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am 23. März 2009
Der Klappentext hört sich nach sehr viel weniger an, als sich in diesem Buch findet. Ich danke herzlich den Radiomoderatoren, die den Autor in ihre Sendung eingeladen und mich dadurch auf dieses Buch aufmerksam gemacht haben.
Die Ausrichtung des Werks weist insofern Parallelen etwa zu Horkheimer / Adornos Dialektik der Aufklärung und zum Irrationalismus auf, als die reine Vernunft in ihre Schranken verwiesen wird. Es ist jedoch 1) viel einfacher zu lesen (einfach nicht im Sinne von plump), 2) mit bekannten und weniger bekannten alten Gedanken hintermauert und zugleich am Puls der Gegenwart wie kaum etwas, das ich in letzter Zeit gelesen habe und 3) lebensorientiert.
Der Gedankengang baut in großen Teilen auf Größen wie Freud, Marx und Nietzsche und wird ihnen meiner Ansicht nach stets gerecht, ohne ihnen anheimzufallen - lediglich Freud tritt etwas stark in den Vordergrund (weil ein wesentlicher Teil des Gedankenganges auf seinen Erkenntnissen aufbaut). Ich halte dieses Buch für gesellschaftlichen Zündstoff mit hohem Unterhaltungswert und hoffe, dass es von Vielen gelesen wird. Für mich war es in vielerlei Hinsicht ein Augenöffner, der einige Vorstellungen, die ich von unserer Kultur hatte, tatsächlich umgekehrt hat. Ein Beispiel: Pfaller zeigt sehr anschaulich, wie die vorherrschende Meinung, unsere "Spasskultur"-Gesellschaft sei liberal und ermögliche Freiheit, uns dazu bringt, uns in Wahrheit immer mehr von unserer Freiheit nehmen zu lassen. Der Traum von individueller Erfüllung bringt uns, Pfaller folgend, um unser Glück. Der Mensch von heute ist ein narzisstischer Asket, der für seine "Selbstverwirklichung" seine Freiheit opfert.
Unterhaltungswert erhält das Buch unter anderem durch kleine Spitzen und stellenweise Polemik, die in einer mir sympathischen Weise eingestreut sind und der Sachlichkeit des Gedankenganges keinen Abbruch tun.
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am 1. November 2013
Dieses Buch gehört mit Sicherheit zum Besten, was man über unsere postmoderne Kultur lesen kann. Pfaller analysiert messerscharf, drückt sich präzise, kreativ und konzis aus und verhilft dem Leser immer wieder zu beeindruckenden 'Aha!'-Erlebnissen.

Ein unbedingtes Muss speziell für alle, die aus der Denkrichtung Freud/Zizek/Marx kommen und die unsere Welt einmal sehen möchten, wie sie sie bisher wohl noch nicht gesehen haben. Das Buch ist ein Augenöffner!
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am 5. Oktober 2009
Robert Pfaller: Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Symptome der Gegenwartskultur

Robert Pfaller wurde 1962 in Wien geboren und ist heute Professor für Philosophie und Kulturwissenschaften in Linz.

In diesem Buch geht es im Großen und Ganzen um den zeitgenössischen Menschen und wie er sich in der heutigen Gesellschaft bewegt bzw. von den Leidenschaften und Gefühle, die ihn bewegen etwas zu tun oder nicht zu tun. Pfaller spielt mit der Idee der Gegensätze, die in der Kultur früher oder später immer ihren Platz finden werden. Wenn vorher eine Zigarette ein Statussymbol war, ein Zeichen der Offenheit, ist das Rauchen heute ein Tabuthema geworden bzw. etwas, was man in der Öffentlichkeit lieber nicht tut, weil verpönt. Es gibt viele Ambivalenzen im Menschen, die Pfaller zum Vorschein bringt. Wie ein roter Faden zieht sich der Narzissmus, die Eigenheit des Menschen heute nur auf sich selbst bezogen zu sein, von sich selbst auszugehen und nur sich selbst gelten zu lassen, durch.
Im Speziellen kommen folgende Themen und Gedankenkonstrukte zur Sprache:
1 Liebe und Sexualität: heute ekelt man sich gegen nicht monogame Liebe. Ein guter Bürger lebt asketisch und entwickelt einen Sinn gegen jede Art von Lust. Lust zu zeigen in der Öffentlichkeit ist ein Tabu, wie man sich in der Privatsphäre benimmt ist jedoch egal. Der vorbildliche Mensch in der Gesellschaft ist ein Mensch des Verzichtes, nicht nur in der Sexualität, auch in jeglicher Art der Lustempfindung. Die Deutschen zeichnen sich durch einen so genannten Analcharakter aus, im Gegensatz zu den Franzosen die Sexualität als etwas Natürliches ansehen.
2 Spiel: der Mensch als homo ludens. Menschen nehmen Spiele teilweise ernster als die Realität. Spiel als Ursprung der Kultur.
3 Freud und seine Thesen über Humor und Witz.
4 Aberglaube, Magie: früher waren die Leute abergläubisch, heute bekennen sich die Menschen zu etwas oder jemand oder zumindest ganz sich selbst zu sein. Aberglaube vs. Bekenntnis. Nicht das Denken oder Wünschen ist bei der Magie relevant, sondern das Sagen.
5 Begriff des Unheimlichen: was ist unheimlich, was erschreckt mich? Ich kann mich nur über Geister erschrecken, wenn ich meinen Glauben daran überwunden habe, d.h. wenn ich an keine Geister mehr glaube. Wenn ein Geist hier und jetzt vor mir erscheint, würde ich mich erschrecken, weil ich nicht an Geister glaube und ich bis heute keine Geister gesehen habe. In einem Märchen ist das anders. Das Märchen definiert sich gerade durch die Präsenz aller möglichen Geistergestalten: Bäume und Tiere, die sprechen können usw.
6 Der unsichtbare Beobachter in den Köpfen der Menschen ist verschwunden. Vorher bediente sich der Mensch eines imaginären Zuschauers in seiner Phantasie, wenn er sich präsentierte vor sich selbst oder vor anderen. Heute geht es um direkte Anerkennung, der Mensch will sofort wissen was man über ihn denkt.
7 Einige Seiten beschäftigen sich mit "Zorn und Zeit" von Peter Sloterdijk.
8 Merkmale des Neo-Rassismus: verschiedene Kulturen müssen heute respektiert werden, die Konsequenz ist aber, dass man sie nicht vermischen darf, indem ein Araber z.B. einen Juden heiratet und Kinder zusammen gezeugt werden.
9 Das Heilige: zeigt sich in dessen Buchstäblichkeit. Das Wort-wörtlich nehmen führt dazu, dass etwas als Heilig gesehen wird, nicht nur in der Religion. Es kommt darauf an was man tut und nicht welche Absichten man hat. Höflichkeit als Synonym für Buchstäblichkeit. Buchstäblichkeit in der Sprache.

Pfallers Vorbild schlechthin, das auch in diesem Buch oft zitiert wird, ist Slavoj Zizek, ein zeitgenössischer Philosoph aus Slowenien. Ein anderer Name der sehr oft vorkommt ist Sigmund Freud, wobei Pfaller auch kritisch auf ihn eingeht. Bei der Betrachtung verschiedenster Probleme der gegenwärtigen Gesellschaft oder besser gesagt bei der Betrachtung zeitgenössischer Erscheinungen zieht er Gedanken und Theorien von Spinoza, Pascal, Johan Huizinga, Sennett, Sloterdijk, Wittgenstein, Susan Sontag u.a. heran.
Pfaller beschäftigt sich wie Zizek, Lacan, Freud und Konsorten hauptsächlich mit Identitätsfragen, nur dass er im Unterschied zu Lacan z.B. nicht nur in die Materie des "Ich" oder "Selbst" hineintaucht, sondern eher oberflächlich bleibt, damit große Zusammenhänge im Verhalten der Individuen, Gesellschaften, Kultur sichtbar werden.
Insgesamt ein sehr interessantes Buch über uns Menschen.

Hier noch einige Buchauszüge:

Die Leute wollen plötzlich nurmehr mit jenen Illusionen zu tun haben, an die sie selbst vollständig und bekennend glauben können; alle anderen Täuschungen hingegen möchten sie am liebsten zerstören. Sie wollen ganz sie selbst sein, und nicht vielleicht anderen etwas Schönes oder Angenehmes vorspielen.

Erst im Vergleich mit anderen rituellen Verhaltensweisen der Sportfans - zum Beispiel ihren Zurufen an die Fußballer im Fernsehen - lässt sich erraten, worin die Notwendigkeit der persönlichen Gegenwart begründet ist: Mit dem Livezuschauen ist die Vorstellung der Beeinflussbarkeit des Ereignisses verbunden. Man muss live zusehen, um den Spielverlauf mitbestimmen zu können.

Die postmoderne Freiheit intimer Kulturen besteht, wie Slavoj Zizek gezeigt hat, nicht etwa in Möglichkeiten, etwas zu tun oder zu bekommen, sondern ausschließlich darin, vom Anderen nicht belästigt zu werden.

Wenn man nur das darf, was man selbst ganz will, und nichts sonst, dann darf man darum in Wahrheit sehr, sehr wenig. Das ist der Grund für die extremen asketischen Tendenzen in unserer Kultur - für den von Slavoj Zizek treffend erkannten "Non-ism", der uns entweder Bier ohne Alkohol, Sex ohne Körper, Kaffee ohne Koffein, Schlagsahne ohne Fett - oder aber totale Rauchverbote, politisch korrekte Schimpfverbote oder auch Kunstbeseitigungen im öffentlichen Raum einbringt.

Denn es wird gegenwärtig immer weniger Leuten möglich, auch nur kurze Momente des Müßiggangs, partielle Ereignisse des Nichts zuzulassen oder gar bewusst herbeizuführen, um sie lustvoll auszuleben.

... die nackte Angst vor dem Nichtstun.
Denn wenn das, was das Nichtstun verspricht, ein Glück ist, dann lässt es jenes andere bisschen Glück, das man sich für die Selbstausbeutung mühevoll einreden musste, sofort zu Nichts werden.

Das Heilige ist in der Kultur jener Bereich, in dem große Affektmengen mit Hilfe ganz bestimmter Zeichen in Bewegung gesetzt und gelenkt werden.
Ist es Wahrheit, wenn man die Dinge so beschreibt, wie sie sind, und sich nicht darum kümmert, wie der Hörer das Gesagte auffassen wird?
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TOP 1000 REZENSENTam 11. November 2014
Das "Heilige", von dem im Titel die Rede ist, ist gerade nicht dasjenige, das der brave Mann in der Kirche anbetet. Gemeint ist hier alles Nicht-Profane. Und mit der "Schmutzigkeit" bezeichnet Pfaller ungefähr das, was in Friedrich Nietzsches Frühwerk als das "dionysische" Prinzip auftaucht: die Zweideutigkeit, die Schlüpfrigkeit, die sinistre Seite des Sakralen; oder auch das, was man im englischen Sprachraum "sacred" - im Gegensatz zu "holy" nennt. Pfaller, pointierter Vertreter eines klassisch-materialistischen Epikureertums, beklagt in diesem Buch die Übergriffigkeit des rein-Vernünftigen, befördert durch den narzistischen Trieb der heutigen Gesellschaft, sich alle Dinge des Lebens bekenntnishaft anzueignen - wodurch die Dinge, mit denen ansonsten, in der Sphäre des "sacred", des schmutzig-Heiligen, ein spielerischer, genusshafter Umgang möglich wäre, als ungehörig empfunden werden und zum Gegenstand immer neuer Verbote und Restriktionen werden müssen. Wodurch, und das ist das politische Seitenstück dieser Untersuchung, nicht nur gesellschaftliche Missstände im Ergebnis zementiert werden, sondern die Individuen zusätzlich um die Möglichkeit persönlichen Genusses gebracht werden.

Das ist, grob gesagt, Gegenstand und Aussage dieses Buches. Es ist in vielen Aspekten äußerst anregend und hellsichtig, ich würde es ohne weiteres als ein Buch für freie Geister bezeichnen (womit wir wieder einmal bei Friedrich N. wären). In der Tat enthält es für eine ganze Reihe von Erscheinungen des postmodernen gesellschaftlichen und politischen Lebens plausible Erklärungen. Ganz vermag ich die Aussagen darin aber nicht zu teilen, und das liegt hauptsächlich an folgenden Gründen:

Maßgebliche Argumentationsketten in diesem Buch sind nur erschließbar durch die Lehre der Psychoanalyse. Pfaller kann, vor allem in der ersten Kapiteln, sehr gut mit einzelnen Aspekten der Psychoanalyse überzeugen; hier hat das Buch für mich seine stärksten Seiten. Je weiter er in seinem Buch und in seiner Argumentation fortschreitet, umso deutlicher wird allerdings auch, dass man seine Schlussfolgerungen am Ende nur um den Preis der ganzen Psychoanalyse bekommt, und da wird es heikel. Die wissenschaftlichen Anfechtungen gegenüber der Psychoanalyse als Lehrgebäude sind inzwischen so beträchtlich, dass sie eher als Glaubenssystem denn als Wissenschaft betrachten kann. Und ob es wirklich möglich ist, Begriffe der psychoanalytischen Lehre auf ganze Gesellschaften anstatt auf Individuen anzuwenden, halte ich für äußerst fragwürdig. Das wirft dann allerdings die Frage auf, welchen Begründungswert die Annahme einer "analen" Gesellschaft überhaupt hat.

Pfallers Untersuchung hat folgerichtig ihre Stärken dort, wo sie Erscheinungen von einigermaßen homogenen gesellschaftlichen Einzelströmungen erklärbar macht, insbesondere dort, wo eine moralisch getriebene Verzichts- und Verbotskultur herrscht,wo sauertöpfische Genussfeindlichkeit herrscht und die Ächtung eleganter, mondäner und thymotischer (ja, Peter Sloterdijk kommt auch drin vor) Formen. Als Erklärungsmodell einer postmodernen Welt im Ganzen reicht sie mir aber nicht aus, dazu sind die gesellschaftlichen Verhältnisse zu fragmentiert.

Fazit: eine äußerst anregende Lektüre. Nicht perfekt, deshalb keine fünf Sterne; aber klar besser als ganz gut.
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am 6. März 2014
Für mich hält das Buch leider nicht, was es verspricht. Mir ist es zu wissenschaftlich und schwer verständlich.
Aber manche Passagen sind für mich lesenswert, weil ich sie verstehe und ich mich dann auch am Inhalt erfreuen kann.
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am 18. Oktober 2010
Als nicht intellektueller Nicht-Philosoph war es nicht einfach zu lesen. Als Fazit frage ich mich, wer steuert diese scheinbare Entwicklung, die nach meiner Meinung ein Rückschritt von eroberten Freiheitswerten ist. Mir wird übel, wenn mir auch das perfide Vorgehen, der sogenannten "Heiligen" bewusst wird. Diese geforderte Abnahme von Selbstverantwortung und Commitment lässt Lust irgendwann zum Straftatbestand verkommen.
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