flip flip Hier klicken Jetzt informieren Xmas Shop 2017 Cloud Drive Photos Learn More TDZ Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusic Fußball wint17

Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
6
5,0 von 5 Sternen
Blick vom Turm: Roman
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern

am 7. April 2012
Ich bin Wessi und als solcher ist mein Interesse an DDR-Nostalgie begrenzt.
Dieser Roman ist allerdings etwas ganz anderes. Es ist keine plumpe Nostalgie, es ist ein feixend, differenzierter Blick auf Machtsysteme, Erwachsenwerden und Familiengeschichten.
Von provinziell bis weltphilosophisch ist alles auf dem höchsten Niveau, das die deutsche Sprache zu bieten hat. Ich habe mich köstlich amüsiert und bin dennoch auch nachdenklich geworden, wie wir Menschen uns immer wieder in unsere ganz individuelle Konstruktion der Welt und damit in die seltsamsten Geschichten verstricken. Die Protagonisten passen ebenso gut in eine kapitalistische Konzernspionage-Parodie, wie in das Ende der 60-er in der DDR.
Das es Immo Sennewald gelingt, all diese Fassetten in einen Roman zu packen, der niemandem etwas vorwirft, dem Leser nicht das Denken abnimmt und dennoch einfach auch sehr gute Unterhaltung ist, spricht für ein Meisterwerk.
Ich freue mich sehr auf Babels Berg, den zweiten Teil der Trilogie!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. Januar 2012
>Gustav Horbel fliegt wieder<, und er versucht auch diesmal sein Glück. Doch im provinziellen Lauterbach hat es der Glücksucher schwer. Nicht nur, dass es hier, bis auf einen sagenumwitterten Turm, bestenfalls ein paar belanglose Dorfskandale zu entdecken gibt, auch die häusliche Sphäre lastet schwer auf ihm. Vor allem die ewig qualmende, nörgelnde und von Gustavs Erzeuger zeitig verlassene Mutter bringt alles mit, dem sensiblen Jüngling die eben wachsenden Hörner zu stutzen. So wird Horbel zum stürmenden Stolperer, der ständig ins Straucheln kommt. Die große Welt, die schönen Frauen - er ist immer ganz nah dran, bevor ihm das Schicksal die Türe vor der Nase zuschlägt.

Doch ist der >Blick vom Turm< mehr als eine mal melancholisch-poetische, mal witzig erzählte Geschichte einer Jugend, es ist auch eine Erzählung über die DDR der sechziger Jahre. Wie in dem Nachfolgeroman >Babelsberg<, in dem ein simpler Porzellanteller für unvorstellbaren Aufruhr in der Republik sorgt, ist es diesmal ein Gewehr, an dem die Geschichte der Überwachungsgesellschaft aufgerollt wird. Von einem Vorfahren Gustavs entwickelt und in jenem geheimnisvollen Turm versteckt, versetzt dieses Gewehr all jene, die davon erfahren, in eine Art Goldgräberstimmung. Sie alle wollen das große Glück mit ihm machen, und das, obwohl keiner so recht weiß, was es eigentlich damit auf sich hat. Am Ende sucht, schleicht, horcht, jagt und spitzelt das halbe Land, und es kommt zu einem >Mummenschanz der wildesten Art<, der endlich in der Explosion des Turms kulminiert.

Auch diesmal bin ich Gustav Horbels Höhenflügen ebenso gerne gefolgt wie seinen Abstürzen - es ist ein wunderbares Buch und ein uneingeschränktes Lesevergnügen.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. Januar 2009
Schon lange habe ich nicht mehr ein Buch gelesen von einem aktuellen Autor, das sich einer solch ergreifenden Sprache bedient. Auch wenn Sennewald sich an wenigen Stellen unnötig kompliziert ausdrückt, so zeichnet sich diese Geschichte um den heranreifenden Horbel und sein Umfeld gerade durch seine Plastizität und Präzision aus. Diese Sprache ist mal reine Poesie, mal nüchterne Betrachtung, aber immer reich und voller Überraschungen: zieht einen mit übers Land, nimmt einen an die Hand dieser verschrobenen Charaktere und lässt einen in Untiefen wühlen, ohne melancholisch zu machen. Eine seltene Leichtigkeit liegt über diesen wirklich fürchterlichen Dramen: Man weint nicht, man schmachtet nicht- man verliert sich einfach in diesem Buch, ohne künstliches Sentiment. Wenn man das Werk dann beiseite legen muss,(man kann ja leider nicht ununterbrochen lesen...) sind sie unterschwellig immer anwesend, diese Menschen, um die sich die Geschichte dreht. Sie begleiten einen, ohne einen zu bedrängen. Und ganz nebenbei erfährt man viel über diese hinterhältige, schreckliche Struktur der DDR und über die Abgründe, die in jedem Wesen schlummern. Der Autor weiß, wovon er spricht: Er muss ein Mensch sein, der nicht nur durchdrungen ist von Wortgewalt und Gefühl, sondern der auch über ein Wissen verfügt, das weit über eine gehobene Allgemeinbildung hinausgeht.
Ein Buch das kein Geheimtipp bleiben sollte, sondern danach schreit, die Welt zu bereichern.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Januar 2009
Vor drei Tagen hab ich dieses Buch fertig gelesen und bin supertraurig dass es zu Ende ist. Das passiert mir nur bei TOP Büchern. Immo Sennewald ist da ein ganz grosser Wurf gelungen. Er ist ungeheuer sprachgewaltig und hat eine Formulierungskunst, die man heute nur noch selten bei Autoren trifft. Sein Roman ist ein richtig grosser Allende-Geisterhaus-Generationenroman, der ausserdem Thomas Mannsche Zauberbergelemente enthält mit philosophisch-politisch-kosmologischen Gesprächen, John Irvingschen Irrsinn mit einem gekochten Bein und kalter-Krieg-Spionageroman-Thrill-Elemente bei Episodenfilm-Aufbau. Und dann hat er eine extrem ausgefeilte Taktfrequenz, die Szenenschnitte werden nach hinten immer schneller und man kriegt richtig Herzklopfen, wie im Kino. Das Buch schreit eigentlich nach Verfilmung. Es hat einen absoluten Spitzenplatz auf den Bestsellerlisten verdient. Schon lange habe ich nicht mehr ein so spannendes Buch gelesen!
Maja Storch
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Januar 2009
Gleich die ersten Zeilen im Buch haben mir gefallen: Gustav Horbel fliegt wieder. Das Land wölbt sich seinem nackten Körper entgegen..........., und dann flutet Erinnerung in sein Hirn. Der Anfang an einem Buch ist für mich sehr wichtig, und mit diesen poetischen Zeilen konnte ich beim Lesen auch gleich "mitfliegen", abdriften, abschweifen- in eine mir teils völlig fremde Welt, die damalige DDR-Welt, aus der Sicht von Gustav. Der Kontrast des Alltags dort mit dem mir vertrauten Alltag im Westen zu derselben Zeit war für mich sehr spannend.
Die Gliederung in nicht allzu lange Kapitel finde ich sehr gut, da man auf diese Weise das Buch "häppchenweise" genießen kann, denn es handelt sich nicht um einen leicht verdaulichen "Reißer", den man sich mal so schnell "reinziehen" kann, sondern um eine eher anspruchsvolle Literatur.
Mir gefällt der Schreibstil in diesem Buch, w i e etwas darsgestellt und ausgedrückt wird, und das ist hier hervorragend gelungen.
Ich finde, daß dieses Buch eine Bereicherung für jeden Leser ist.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. Dezember 2008
Der Blick vom Turm" ist ein Buch, das Mut macht, mit den eigenen Schwächen, Sünden und Unzulänglichkeiten zu leben. Der Protagonist ist gerade achtzehn und wohnt in einem Kaff in Thüringen mitten im härtesten Ulbricht - Sozialismus. Die kleinen Leute und großen Stars, die im Roman bildreich und vielschichtig charakterisiert werden, müssen sich mit den gleichen Fragen nach Loyalität, Misstrauen, Schuld und der Angst vor Verrat herum schlagen.
Was mir gefällt, sind die verschollenen Worte. Begriffe, die ich seit Jahren nicht mehr hörte oder las. Wahrscheinlich werde ich sie raus sammeln aus dem Buch, damit sie auch außerhalb überleben.
Was mir noch gefällt, ist die Enge und Weitherzigkeit und Angst und Naivität und Verbohrtheit und Freundschaft und das Plumpsklo.

Der Blick vom Turm" ist kein DDR - Nostalgie Roman. Vielmehr ist er tatsächlich ein Blick vom Turm - nämlich der nach meiner Ansicht gelungene Versuch, die Welt weiniger wertend, freundlicher und konstruktiver zu betrachten, als es einem möglich ist, wenn die Weitsicht im Alltagstrubel unter geht.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden


Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken