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Kundenrezension

VINE-PRODUKTTESTERam 21. Juni 2010
Nach dem fantastischen Erfolg des Debütalbums BAD COMPANY hatte sich das Quartett 1975 mit STRAIGHT SHOOTER auf hohem Niveau stabilisiert (Platz 4 in den USA und Platz 5 in England), so dass die Band selbstbewusst ins Studio gehen konnte, um ihre dritte Scheibe einzuspielen. Das Ergebnis hieß RUN WITH THE PACK, enthielt zehn Songs und wurde am 28. Januar 1976 weltweit veröffentlicht. Das stimmungsvolle Foto auf dem Innencover zeigt die Band ganz entspannt bei ein paar Bierchen in einem Hotelzimmer, während auf dem Bildschirm des Fernsehers gerade Bugs Bunny sein Unwesen treibt.

Der Opener "Live for the Music" von Gitarrist Mick Ralphs war genau so ein simpler Riff-Rocker wie ihr großer Hit "Can't Get Enough" vom ersten Album. Warum die Nummer nicht als Single ausgekoppelt wurde, bleibt das Geheimnis der Plattenfirma.

"Simple Man", eine melodische Halbballade, brachte Paul Rodgers' wunderbare Stimme voll zum Tragen. "Honey Child" rockte wieder unbeschwert los; ein Ohrwurm, der sich als zweite Single aus dem Album allerdings nur ganz unten in den US-Charts platzieren konnte.

Mit "Love Me Somebody" folgte dann die erste richtige Ballade. Zu diesem schleppenden, leicht country-fizierten Titel schien Rodgers' Stimme irgendwie nicht die ganz große Beziehung aufbauen zu können. Wahrscheinlich versuchte er, das wackelige Timbre jenes Schuljungen zu imitieren, um den es im Text geht, und der sich so sehr nach dem Mädchen seines Herzens verzehrt. Insgesamt ein recht dürftiges Liedlein, das wohl letztlich dem Zweck diente, die Hörer vor dem großen Höhepunkt der ersten Plattenseite ein wenig einzulullen.

Harte Anschläge auf Klaviertasten, gefolgt von einer harschen Gitarre und schließlich von Simon Kirkes deftigem Schlagzeugeinsatz, bevor Paul Rodgers dann endlich voller Aggression in das Geschehen eingreift: "You never give me my money, you only give me your sympathy, cause I keep on running, there is no way to catch up with me / I'm leaving you, don't make no fuss, you won't even see me, oh no, for dust / I'm running with the pack".

Die Rede ist natürlich von "Run With the Pack", dem grandiosen Titelstück des Albums: ein Kracher, ein Rock-Epos, ein wunderbares Monster. Nach dem beeindruckenden Einstieg entwickelt sich der Song immer weiter, bis er schließlich in ein furioses orchestrales Finale mündet, das mir bis heute stets eine Gänsehaut den Rücken hinunter jagt und das Wasser in die Augen treibt.

1975 hatten Led Zeppelin auf ihrem Doppelalbum PHYSICAL GRAFFITI mit "Kashmir" einen Klassiker abgeliefert, der umgehend auch andere Bands dazu inspirierte, Stücke mit ähnlich dramatischen, fast symphonischen Steigerungen zu konzipieren. Das berühmteste Beispiel dafür lieferten Rainbow mit dem unglaublichen "Stargazer" auf ihrem 76er-Meisterwerk RISING, doch "Run With the Pack" stand ihm da kaum nach.

Der erste Song von Seite 2 bot mit dem harmonisch dahinfließenden Ohrwurm "Silver, Blue & Gold" ein wenig Erholung. Hätte ein Hit werden können, wurde jedoch nicht als Single veröffentlicht; im Gegensatz zu "Young Blood" (Platz 34 in den USA), geschrieben von dem legendären amerikanischen Komponistenduo Jerry Leiber/Mike Stoller und bereits 1957 ein Riesenhit für das schwarze Quartett The Coasters. Mick Ralphs machte sich hier einen Spaß daraus, ein sehr ähnliches Gitarrenriff zu verwenden wie 1972 Marc Bolan in der T.Rex-Nummer "Thunderwing", das Bolan wahrscheinlich wiederum von irgendeiner Rock'n'Roll-Nummer aus den 50ern geklaut hatte.

Auf dem sanften "Do Right by Your Woman" bediente sich dafür Paul Rodgers ganz unverblümt bei sich selbst, denn der Song wies ... nun ja ... gewisse Ähnlichkeiten mit "Seagull" vom Debütalbum auf. "Sweet Lil' Sister" von Mick Ralphs rockte dann noch einmal hart und trocken los, bevor mit dem wunderbar melancholischen "Fade Away" der perfekte Abschluss einer Platte folgte, die von den sechs Alben der Originalformation von Bad Company meine absolute Nummer 1 darstellt (nach dem Ausstieg von 'The Voice' Paul Rodgers in den frühen 80ern und dem folgenden Einstieg eines gewissen Brian Howe konnte man die Band dann vergessen).

In den USA und in England stieg RUN WITH THE PACK jeweils bis auf Platz 3, während es in Deutschland, im Gegensatz zu den beiden wenigstens mäßig erfolgreichen Vorgängern, nicht einmal zum Einstieg in die Charts reichte. Wahrscheinlich hatte diese sträfliche Missachtung damit zu tun, dass man Bad Company nicht in eine musikalische Schublade stecken konnte. Sie waren keine Bluesrockband (obwohl sie auch Bluesrock spielten), sie waren keine Hardrockband (obwohl sie auch Hardrock spielten) und sie waren keine Balladenband (obwohl sie auch Balladen spielten). Heute, viele Jahre später, bezeichnet man ihre Musik schlicht als Classic Rock, aber dieser Begriff war damals noch gar nicht erfunden bzw. hatte eine ganz andere Bedeutung.

Ich habe diese Platte jedenfalls schon damals geliebt und liebe sie heute noch immer. Und sie ist eine späte Entdeckung allemal wert.
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