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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENTam 9. Dezember 2013
Dear Life, das "nackte Leben", also das Leben in seiner Quintessenz, ist im Original nicht nur der Titel der vierzehnten und letzten Kurzgeschichte, sondern auch das Leitmotiv des ganzen Buches. Es ist ein Leben, geprägt von den Entbehrungen der kanadischen Provinz in der Zeit während und nach dem zweiten Weltkrieg, in einem aus heutiger Sicht unerträglich miefigen religiös-konservativ-patriarchalischen Milieu (wobei ihre eigene Familie diesem Schema nicht entsprach).

Die Übersetzung des Titels mit "Liebes Leben" mag dem Wortspiel geschuldet sein: Es wird tatsächlich geliebt, in dem Maße, in dem es die Umstände der Zeit zuließen, aber das ist es nicht, was die Geschichten verbindet. Es ist vielmehr der Kampf jedes einzelnen der Charaktere - fast immer Frauen - das Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten, was in den meisten Fällen eigentlich nichts weiter heißt als die Offerten des Zufalls zu nutzen, oft rücksichtslos und egoistisch, aber gerade deshalb zutiefst menschlich.

Es sind Geschichten mit meist offenem Ende, bei denen man trotzdem stets das Gefühl hat, dass nichts mehr zu erzählen ist. Was folgen könnte, wäre wohl zu banal und alltäglich, wie eben meistens im Leben. Das ist das schöne, ballastfreie an Kurzgeschichten: Es wird sich auf das Wesentliche konzentriert.

Die Sammlung ist in zwei Teile gegliedert. Die ersten zehn Geschichten sind Fiktion, in der sich die Qualitäten zeigen, die Alice Munro wohl den Nobelpreis eingetragen haben. Hier gelingt es ihr, von Beginn an eine extrem dichte Atmosphäre zu entwickeln. Der Leser wird mitgenommen und schlüpft unweigerlich in die Rolle der Protagonisten, seien es Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, auch im manchmal sehr fremden Milieu von alleinherrschenden Familienvorständen und unterwürfigen Ehefrauen. Und man ahnt auch, mit welch unbändiger Energie sich Alice Munro am eigenen Schopf aus dem heimatlichen Provinzsumpf gezogen haben muss.

Dagegen fallen, wie ich finde, die vier letzten Geschichten deutlich ab, das gilt vor allem für die letzte, ausgerechnet "Liebes Leben". Es sind Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit, und es ist nach ihrem Bekunden das Erste und Letzte - und Persönlichste - was sie über ihr eigenes Leben zu sagen hat. Vielleicht hat sich zwischen den Zeilen manches verborgen, aber ich hatte das Gefühl, in den ersten zehn Geschichten viel mehr über die Alice Munro erfahren zu haben, und über das Land und die Zeit, die sie geprägt haben.
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