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Kundenrezension

9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schau Mal Mama, ich bin ein Ire!, 7. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Winners & Boozers (Audio CD)
Was passieren kann, wenn man sich zu sehr in eine kulturelle Affinität hineinsteigert, das zeigt einem das Phänomen Fiddlers Green mit schonungsloser Konsequenz: Die Combo stammt aus Erlangen, d.h. Deutschland, d.h. einem Kulturkreis, der traditionell eher wenig mit Pub, Dudelsack und grünen Auen zu tun hat – wenn man aber der Band und ihren Songs über Trinker, Eckkneipen, Soldaten und Seeräubern Glauben schenken will, dann haben sie ihr Guinness schon mit der Muttermilch eingesogen. Fiddlers Green sind irischer als irisch, und 16 Songs lang schreien sie es von den Dächern. Sämtliche Zweifel werden bereits im ersten Song, in der ersten Textzeile ausgeräumt: "A Night in Dublin, a Night in Cork, we're on the way to Connemara, we are leaving for New York" – deutlicher kann man wohl nicht machen, dass man irischen und nichts als irischen Folkpunk spielt.

Warum kauft man der Band – aller musikalischen Professionalität zum Trotz- ihren Habitus nicht ab? Ganz einfach - von der ersten bis zur letzten Minute wirkt Band und Album kalkuliert, überzogen, unnatürlich in ihrer guten Laune. Die Songs und Refrains sind so anbiedernd-penetrant auf Stimmungsmache, Schunkeln und Bierzelt ausgerichtet, dass einem spätestens nach drei Songs die Partylaune vergeht.
Was die großen Vorbilder aus dem Ärmel schüttelten, scheint bei Fiddlers Green das Ergebnis einer maschinellen Kalkulation. Dudelsack + E-Gitarre + Schiebermütze + Trinklyrik ergibt aber eben nicht automatisch ein CelticPunk-Album, wenn es an Charme und Esprit mangelt. Richtig witzig wird es dann, wenn man mal das Booklet aufschlägt - denn wogegen zumindest die Murphys einen echten, ruppigen Arbeitercharme zelebrieren (und nebenher auch gewerkschaftsnahe Stiftungen unterstützen) blicken einen von den Bandfotos sechs wohlmeinende Lehramt-Refrendars-Typen an, von denen gleich zwei sogar noch modische Börsenmakler-Brillen tragen.

Der Eindruck , dass hier Kinder der deutschen Mittelschicht versuchen, harte, markige Typen zu mimen, schlägt sich auch in den Texten nieder: von dem FM-typischen augenzwinkerndem Trinkerhumor keine Spur, es dominieren schale, abgegriffene Durchhalte-Sprüche (das Wortpaar "Never Hide" fällt in dem gleichnamigen Song dank des sehr eingängigen Refrains so oft, dass man meint, der Song dauere 10 Minuten), auf "raise your voice" folgt das unvermeidliche "make some noise" und wenn Fiddlers Green mal ihre grüblerische, melancholische Seite zeigen, dann wird uns eine minutenlange Gegenüberstellung von Selbstverständlichkeiten als große Lebensweisheit verkauft: "Sometimes it's better and sometimes it's worse, sometimes its simple and sometimes it hurts (...) sometimes you're happy and sometimes you cry, once it's your birthday and once (*Trommelwirbel*, na Leute, wollt ihr's wirklich hören, sollen wir's wirklich bringen? Na, na - was kommt wohl als nächstes, na? na? Steht auf, put your hands in the air, und ruft es alle im Chor:) YOU MUST DIE!" Was für Einsichten, was für Tiefsinn. Und ich dachte der Wandkalender, den mir die AOK zur 20jährigen Mitgliedschaft geschenkt hat, wäre inspirierend.

Für mich, der von Irish/Celtic-Punk kaum genug kriegen kann, war Fiddlers Green ein hoffnungsvoller Spontangriff, aber es wurde ein Griff in die Kloschüssel – sechs Erlanger, die sich kleiden wie Zeitungsjungen aus den 20er Jahren, ein bisschen irisches NameDropping betreiben und meinen, damit als Inselbewohner durchzugehen - nee, das zündet nicht. Ich vergebe hier zwei Sterne für einen minimalen Stimmungsfaktor, aber neben DKM und FM wirken Fiddlers Green wie der uncoole Nachbarsjunge, der unbedingt mit den Großen spielen will. Möglich, dass die Band auf anderen Alben etwas ehrlicher und reifer rüberkommt – ich habe aber nicht die geringste Lust, mich selbst davon überzeugen und werde jetzt erstmal The Warrior's Code einlegen, um mir diese übereifrige Betriebsfaschings-Mucke durch echten, stinkenden Straßenpunk wieder aus den Gehörgängen zu spülen.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.02.2014 13:00:07 GMT+01:00
mexx meint:
so sieht es aus!
ich muss zugeben, dass mir dieses album wieder etwas besser gefallen hat, als die letzten beiden. es ist zwar immer noch 100%ig durchkalkuliert, jedoch ist die stimmungsmache nicht mehr ganz so penedrant wie auf den letzen beiden. dort hat man mit jachuzern, chören und geschrei sämtliche musik erstickt. das hat mich wahnsinnig gestört, weshalb dem neuen album etwas wohlgesinnter bin, obwohl es wenig mit musik im ursprünglichen sinn zu tun hat. wer sich wirklich für musik interssiert, kann diese band tatsächlich abschreiben.
aber, sie sollten fiddlers green nicht unbedingt komplett abschreiben. bis 2006 hat ein mitglied alleine sämtliche songs und texte geschrieben. nachdem dieser ausgestiegen ist, hat sich die band leider sehr stark genau zu dem hin gewandelt, was sie beschreiben. aber auch davor gab es von 1990 bis 2004 bereits 7 studioalben, die teilweise durchaus sehr empfehlenswert sind. von dieser gekünstelten irischen aufmachung ist auf diesen alben nichts zu spüren, die musik ist ehrlicher, deutlich abwechslungsreicher und auch ein gutes stück weit anspruchsvoller, soweit diese kategorisierung auf diese art von musik anwendbar ist. im laufe ihrer karriere hat die band dabei relative viele stile angekratzt und wie ich finde das meiste äußerst gelungen umgesetzt. das begann 1990 mit eher seichtem akustischem irish-folk und streifte im laufe der jahre auch den Pop (Spin Around, 1999) sowie düstere Gefilde mit leichtem Gothic-Hauch (Another Sky, 2000). diese musik empfand ich immer als ehrlich und aus dem herzen kommend und nicht als durchkalkuliert.
super texte hat fiddlers green noch nie geschrieben, aber gar so platt wie auf den neuen alben ist die geschichte nicht. zumindest sind den meisten songs auf älteren alben eindeutige themen statt platter allgemeinplätze die nur um des GEsangs wegen existieren, zuzuordnen.
ich habe diesen rat schon anderen leuten gegeben, die fidderls green alben aus diesem grund schlecht bewerten. ich finde es nämlich schade, das vorwerk dieser band vor dieser entwicklung (für die sich im prinzip komplett andere songwriter verantwortlich zeichnen) zu ignorieren bzw. zu verteufeln, weil sich die band für eine oktoberfestkarriere entschieden hat.

Veröffentlicht am 23.05.2015 14:45:24 GMT+02:00
Friend2014 meint:
eine etwas überzogene Meinung....
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