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Kundenrezension

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Suddenly Seymour: Idyllische Horrorshow des Jedermann, 5. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Amerikanisches Idyll: Roman (Gebundene Ausgabe)
Er wird schon lange als Aspirant für den Literaturnobelpreis gehandelt. So fragte sich auch Iris Radisch bereits im Jahre 2004, kurz nach der damaligen Nobelpreisbekanntgabe, in der ZEIT (in dem Artikel "Die Heilige der Schlachthöfe"): "Was (...) hat sich die Schwedische Akademie dabei gedacht, als sie, an den großen Autoren der Weltliteratur - an Roth, Mayröcker, Les Murray, Pynchon, Don DeLillo, Updike, Oates, Bitow - vorbei, den bedeutendsten Literaturpreis der Welt an ..." die Österreicherin Elfriede Jelinek verlieh? Erneut und einmal mehr war er wieder mit dabei, unter den Genannten: Philip Roth, der damals 71-jährige - inzwischen sind noch ein paar Jährchen dazugekommen -, der in Newark, New Jersey, geborene.

Nathan Zuckerman, der ins Alter gekommene Schriftsteller und Philip Roths Protagonist und Erzähler - schon mehrerer seiner Romane -, ist kein anderer als Philip Roth himself. Durch ihn bringt Roth sich ein in seine Romane, macht sich zum Träger nicht unbedeutender Nebenrollen. Gerade hat Zuckerman eine Prostata-Operation überstanden und sich mehr oder weniger in ein - sein - ländliches "Amerikanisches Idyll" zurückgezogen. Zuckerman, ein alter Grübler der nicht wahrhaben will, dass nichts schneller geht als die Zeit, erfährt beim 50er Klassentreffen seines Schuljahrgangs vom Tod des Seymour Irving Levov, den alle nur den "Schweden" nannten. Levov war beliebt, eine Sportskanone, später erfolgreich - kurzum: ein Held der ganzen Schule. Für Zuckerman Anlass und Grund genug, das Auf und Ab im Leben des "Schweden" zu ergründen

Groß und blond, doch mitnichten ein Schwede, schaffte es Levov - dort in Philip Roths Newark, im jüdischen Viertel der Backstein-Stadt unweit von New York City - sich vom Vater samt jüdischem Umfeld abzukapseln, um die katholische Miss New Jersey 1949 zu heiraten. Die väterliche Handschuhfabrik führt er erfolgreich weiter. Auf ein repräsentatives Haus in Old Rimrock, ein Gebäude im großen amerikanischen Farmhausstil, folgt ein Töchterchen, ganz die blonde Schöne: Was steht dem Glück noch im Wege? Wunschtraumerfüllung nach Maß und Vorstellung. Levov gestaltet sich sein amerikanisches Idyll. "Hat ein Bild vom Paradies und lebt danach. Das schaffen nur erfolgreiche Leute. Sie sind gute Bürger. Sie fühlen sich vom Glück begünstigt. Sie fühlen sich dankbar. Gott lächelt auf sie herab."

Der Amerikanische Osten als Paradies und Idylle zugleich. Oasen im Land der Freiheit. Old Rimrock, etwa eine Fahrtsunde von Newark entfernt und schon ganz schön ländlich. "Stille Idylle schenkt Frieden im Herzen, / lindert deine seelischen Schmerzen", wie die österreichische Schriftstellerin Katharina Eisenlöffel es uns zum Besten gab.

Und Merry, das schöne liebe Töchterchen? Behütet im Hort der elterlichen Liebe. Doch Liebe ist nur ein Wort am Ort der gesellschaftlichen Spießigkeit. Wir befinden uns in den späten 60ern des vorigen Jahrhunderts. Glut und Aufbegehren gegen alles Etablierte, Vietnam und die Zeit der Unruhen in den Städten. Die Entfremdung zwischen Elternhaus und Tochter überschreitet Grenzen von Verständnis und Zusammenleben. Merrys Wut lässt sie an ihren Eltern aus - und, leider, an der Poststelle ihres Wohnörtchens. Sie legt eine Bombe. Ein Mensch kommt dabei zu Tode. Merry verschwindet im Untergrund damaliger amerikanischer Gemengelage. Dem Vater, der besonders unter der Situation und dem damit verbundenen Geschehen leidet, bricht es das Herz und zerstört sein Bild vom Paradies. Erfolg und Glück, wie gewonnen so zerronnen. Das Lächeln Gottes: steinerne Mine zum bösen Spiel. "Nichts lächelt mehr auf niemand herab. (...) Hier ist ein Mensch, der nicht darauf vorbereitet ist, dass im Leben etwas daneben geht, geschweige denn, dass etwas Unmögliches eintritt. Wer ist schon auf Tragödien und unbegreifliches Leid vorbereitet? Niemand. Die Tragödie des Menschen, der auf Tragödien nicht vorbereitet ist - das ist die Tragödie des Jedermann."

Jahre später. Nach endlosem Warten, Denken, Brüten und Sinnieren findet Seymour Levov seine Tochter wieder. Einsam und alleine, von Armut geschlagen, hat sie inzwischen Aufnahme bei einer dubiosen Sekte gefunden. Die Kontaktaufnahme zwischen Vater und Tochter gerät zum Fiasko.

Die Entwicklung des Mädchens von Niedlichkeit und Lieblichkeit zur Explosivität der Bombenlegerin vollzog sich während den Zeiten, als die US-Präsidenten Johnson und Nixon das Land regierten. Raus aus dem Pseudo-Idyll des American Dream, rein in die Subkultur der 60er. Die Weathermen lassen grüßen. Patty Hearst steht Pate für Merry Levov.

Wir leben schon lange nicht mehr im 19. Jahrhundert. New York ist in Newark (die, so nebenbei bemerkt, keine zwanzig Kilometer voneinander entfernt liegen) angekommen. Und New York und Newark sind überall. Ostküsten-Idyllen, die gab es einmal: vor langer Zeit.

Und Philip Roth? Unsentimentale Wortgewalt schafft eine traurige Geschichte. Nicht Schäferspiel, nicht Hirtengedicht. Eine ins Gegenteil verkehrte Pastorale ... - für die Philip Roth im Jahre 1998, ein Jahr nach der Veröffentlichung, den renommierten Pulitzerpreis bekam. Den Nobelpreis?, den bekommt er auch noch. Er, der Buch um Buch und Jahr für Jahr jetzt auch schon mehr und mehr ins Alter kommt, muss dafür nur lange genug am Leben bleiben.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 28.09.2014 16:49:07 GMT+02:00
Whip Coxbarn meint:
Etwas schepps,aber genauso mach ich´s auch (wie der Seiltänzer) und mal schön ausführlich.
Ich habe mir leider nur das Hörbuch reingezogen, war aber trotzdem (gerade wegen Christian Brückner als Vorleser) ziemlich angetan.Die Stimme verlieh dem Ganzen auch etwas "Apocalypse Now"-mäßiges (fragen Sie mich jetzt nicht, wie ich darauf komme - vielleicht der Epik halber...)
Zudem macht sich ein Bild des Schweden fest (bei einer möglichen Verfilmung):William Gary Busey
- und zwar aus "Firma"-Tagen.
Ich sage das deshalb, da jemand anderer vielleicht denselben Gedanken haben könnte.
Eine Art telephatische Synchronisation.

"Ja, und wo war denn der Jude in ihm?"......,Roth fragt dies schon ziemlich am Anfang des Buchs.
Man hätte vielleicht besser fragen können:"Wo war der König der Juden in ihm?"
Ihm,den Schweden,der sein Judensein "wegsokratisiert" hat, um dann, letzten Endes, sokrates-gleich, sich mit Christus im Jenseits zu vermählen(das wäre ja das logische Begehren des Sokrates-Gleichen)......:NICHT (!) mit Jesus!
Levov schaue nur auf seine Tochter.Da hätte er die Züge des „Second coming“ studieren können.

MFG

Phibes
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