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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENTam 28. Dezember 2013
Seit 2004 richtet Eric Clapton alle drei Jahre sein groß angelegtes "Crossroads Guitar Festival" aus; zum vierten male also im April 2013, und erstmals im legendären Madison Square Garden, New York. Alle Jahre waren es musikalische Gipfeltreffen. Von Urvätern des Blues und wahren Göttern, über Chartstürmer und Stadion-Bespieler bis hin zu vielversprechenden Newcomern, denen Clapton auf diese Weise (schon oftmals erfolgreich) Aufmerksamkeit vor einem großen Publikum jenseits des Mainstreams bescheren und die Karriere so etwas anschieben will, war jedes mal alles dabei, was eine Gitarre halten und bedienen kann.

Das Konzept funktioniert prächtig; die Leute kommen, um meinetwegen B.B. King, ZZ Top, Robert Cray, Sheryl Crow oder Clapton selbst zu erleben, im Einzelauftritt oder meist mal der eine mit dem andern und letztlich gefühlt irgendwie mal jeder mit jedem, auch zu dritt, zu viert oder wie viel Gitarristen eben geradeso auf die Bühne passen, und gehen nachhause mit ein paar neuen Namen im Kopf. Vor dreien Jahren zählte z.B. Gary Clark jr. Zu den jungen Unbekannten und legte einen grandiosen Auftritt mit seinem magnetisch stampfenden Blues-Rock "Bright lights" hin - sein Debüt-Album "Blak & blu" (sic!) im Jahr darauf erreichte Platz 6 in den Billboardcharts! Clark jr. ist in den USA heute kein Geheimtipp mehr und war nun 2013 schon ein ersehntes Highlight beim vierten "Crossroads Guitar Festival".

Von allen vier mehrtägigen Events erschienen prall gefüllte Doppel-DVDs und konservierten jeweils gut fünf Stunden brillante Musik von Gitarrenverrückten für Gitarrenbekloppte aller Coleur; Blues in allen Spielarten, Outlaw-Country, Rock, Jazz, zum Welthit gewordene Klassiker, Blues-Standards, Experimente, frische neue Songs - Herz was willst du mehr?!

Eigentlich nichts, nur das ganze als CD wäre auch nett, dachte ich mir jedenfalls 2004, 2007 und 2010. Denn so großartig die jeweiligen DVDs auch sind: wie oft hat man Zeit und Muße gleichzeitig, sich fünf Stunden am Stück diesem musikalischen Großereignis mit voller Konzentration hinzugeben; ihm nicht nur Ohren, sondern auch Augen zu leihen?

Nun, ich hab Eric angerufen und ihm gesagt... - Stimmt leider nicht.
Es muss entweder telepathisch geklappt haben oder ein paar Leute mehr hegten den Wunsch und haben die Plattenfirma mit Mails überschüttet. Vom diesjährigen Festival-Live-Album liegt nun erstmals auch eine Doppel-CD vor - und was für eine!

Die Tracklist wurde notgedrungen von 45 Songs auf der DVD auf nun 29 zusammengestrichen, auch Moderationen und extra eingestreute Interview-Sequenzen der DVD-Version wurden hier natürlich weggelassen, so dass zwei randvolle CDs mit 150 Minuten erlesenen Gitarren-Songs herauskamen - pure Musik, das gesamte stilistische Spektrum der beiden Tage im April abbildend.

So jagt ein Highlight das nächste. Clapton eröffnet ganz still mit "Tears in heaven", das zu einem leichten Reggae mutiert und geht über in eine herrlich zurückgelehnte Interpretation von "Lay down Sally" - da ist das erste Gitarren-Duett schon passiert, denn schon im zweiten Song gesellt sich Vince Gill mit seinem Instrument dazu.
Ob dann das über sieben minütige "Green onions", das Booker T. mit gleich fünf Gitarristen (u.a. Keb' Mo' und Albert Lee) öffentlich niederbrennt; oder später die Explosionen im Zusammentreffen von Doyle Bramhall II, mal mit John Mayer und mal mit dem bereits erwähnten Gary Clark jr.; oder Sonny Landreth, der seiner Slide-Guitar komplett außerirdische Klänge entlockt; oder auch und gerade die hauchzarten Beiträge von Earl Klugh - in allen Frequenzbereichen und Lautstärken der sehr unterschiedlichen Stücke ist das Album ein absolut audiophiler Genuss! Klar, dynamisch, transparent; man meint die Instrumente atmen zu hören. Alle Instrumente wurden offenbar perfekt abgenommen und im Studio mit viel Seele gemastert. Für ein Live-Album, bei dessen Aufnahme ständig Künstler und Instrumente auf der Bühne wechselten, ein geradezu außergewöhnliches Klangergebnis und -erlebnis.

Auch wenn sich Clapton stets unprätentiös gibt, betont alle Beteiligten hervorhebt und sich selbst eher als Sideman verdingt, gehören die besonderen Momente doch irgendwie ihm. "Key to the highway" gegen Ende gemeinsam mit Keith Richards ist zweifellos so ein schon fast musikhistorischer Moment. Ein Standard, sicher, und schon tausend mal gehört, aber die beiden Dinosaurier, die beide reichlich Seiten im dicken Buch der Musikgeschichte vollgeschrieben haben, machen nochmal was unerhört besonderes daraus.
Schön auch, dass Clapton "Got to get better on a little while" auch hier gespielt und den Song mit aufs Album genommen hat. Jene Vorabsingle des dann doch nie fertiggestellten und nie veröffentlichten zweiten Derek and the Dominos Albums aus 1971, hat Clapton offenbar die letzten Monate wieder für sich entdeckt und spielt die Nummer mit einer sagenhaften Freude in einem sehr coolen neuen Arrangement bei jeder Gelegenheit in den letzten zwölf Monaten. Erstmals beim 12-12-12 All-Star-Charity-Concert zugunsten der Opfer des Hurrikans Sandy (damals auch im Madison Square Garden), bei allen Konzerten seiner Tournee 2013 und als vorletzten Song auch hier auf seinem Festival. Gut so, der Song war schon 1971 gut, doch das neue Arrangement brennt regelrecht!

Kurz: die Doppel-CD mit der Essenz der Doppel-DVD ist eine wunderbare Maßnahme; zumal für einen guten Zweck, denn der Erlös von Festival und Tonträger-Verkauf gehen an die von Clapton über die Crossroads-Foundation finanzierte Entzugsklinik in Antigua. Warum gab es eine CD-Ausgabe nur nicht auch schon beim ersten, zweiten und dritten mal? Könnte man das nachreichen? Ich werde Eric mal anrufen und ihm sagen...
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