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Kundenrezension

am 21. Februar 2013
"Wehe uns wenn der Mensch sich selbst zum Gott ernennt!"
"Splice" ist der sehr ernsthafte filmische Versuch die aktuelle Diskussion um Gentechnik, Fortschritt und Wissenschaftsgläubigkeit in einen Science- Thriller zu packen.
Vincenzo Natali, der auch schon mit seinem Erstlingswerk "Cube" begeisterte hat hier ein beeindruckendes Werk geschaffen.
Cronenberg packte diese Thematik in seinen frühen Body- Horror Filmen natürlich wesentlich drastischer an, doch auch wenn sich "Splice" hier massentauglicher präsentiert, hat er doch genügend Zündstoff.
Ein Forscherpaar (hervorragend Adrien Brody, Sarah Polley) arbeitet ohne Wissen des ihnen übergeordneten Wissenschaftsinstituts heimlich an Tierhybriden gepaart mit menschlicher DNA.
Und das Unfassbare gelingt, die Erschaffung eines nur im Reagenzgefäss erzeugten Organismus.
Ein Wesen, daß uns Menschen durch seine bloße Existenz in allen moralisch- ethischen Fragen herausfordert.
Diese Grundfragen nach Verantwortung, nach blindem Forscherdrang haben sich seit Mary Shelleys "Frankenstein" nicht geändert, und stellen sich in jeder kommenden Generation neu.
Was macht uns als Menschen aus, was haben wir für ein Bild und für ein Stellenwert dem Leben gegenüber.
Dürfen wir unter der Prämisse Krankheiten, Gen-Defekte, Unwägbarkeiten des Daseins mindern zu können, das menschliche Leben quasi designen, konstruiren.
Und was macht uns selbst dann noch menschlich? Der Film warnt hier mit einem klaren Nein.
Denn die Konsequenzen sind nicht zu händeln, ähnlich wie mit dem Bau der Atombombe spielt der Wissenschaftler hier mit unüberschaubaren Faktoren die ihn komplett überfordern und ihn letzenendes grauenhaft selbst zerstören.
Adrien Brody und Saray Polly spielen Schöpfung, sind voll verantwortlich für ein fühlendes, empfindendes Geschöpf, das sie aus blankem Egoismus, Ehrgeiz, Arroganz unnatürlich erschaffen haben und das wird grausam bestraft werden.
Der angeblich so hehre Ansatz der Menschheit durch Forschung Gutes zu tun, verblasst hier ganz deutlich.
Beide Schauspieler schaffen es dies im Laufe des Films als vorgeschobenen Grund zu entlarven.
Viel zu sehr sind sie selbst fehlbar, unzulänglich.
Das hilflose Geschöpf eine beliebig zu benutzende, missbrauchbare Projektionsfläche.
Elsa (Sarah Polley ) möchte noch keine eigenen Kinder, aber kann ihre gluckenhafte Mutterliebe und ihre Altlasten aus ihrem eigenen Elternhaus nun auf dieses Geschöpf richten.
Adrien Brody, erst ablehnend doch hilflos seiner Partnerin gegenüber, entdeckt als die Vermenschlichung des weiblichen Geschöpfes fortschreitet plötzlich sexuelle Gelüste zu dem Wesen.
Die menschlichen Abgründe werden hier deutlich und die Unfähigkeit eben nicht neutral, wissenschaftlich-sachlich bleiben zu können sondern in irgendeiner Form zu dem Geschöpf in Beziehung zu treten.
Demgegenüber steht hier das aseptische, künstliche Wesen (grandios:Delphine Chaneac); bemitleidenswert unschuldig in seiner blossen, verstörenden Existenz, weder gut noch böse, ausgelieferter Spielball menschlicher Interessen.
Mit dieser Darstellung der Kreatur steht und fällt natürlich der Film.
Regisseur Vincenco Natali liefert hier grandioses Kino.
Perfekteste Tricktechnik, die aber niemals aufgesetzt oder effekthascherisch wirkt, lässt uns die Entwicklung vom noch ekelerregenden, schleimigen Fötus, bis hin zum menschlich, kindlichen, später fraulichem Körper miterleben.
Sehr differenziert schafft es Regie und die Hauptdarstellerin hier dem Wesen wirklich einen phantastischen Charakter zu verleihen, der im Zuschauer eine ganze Bandbreite von widerstreitenden Gefühlen hervorruft; von ständigem schleichendem Abscheu, grosser Faszination bis hin zu Mitleid, Sympathie und sogar lolitahafter, unschuldiger Erotik.
Von wahren Gefühlen, wenn die Kreatur vor dem Spiegel sehnsuchtsvoll mit einer Barbie- Puppe spielt und wir ihre Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit spüren bis hin aber auch zu der grossen Bedrohung die von ihr ausgeht und ihrer tierischen Bestialität.
Eine Ausweglosigkeit und Düsternis durchzieht den Film, obgleich oftmals eingetaucht in gleißendes, klinisches Neonlicht.
Das Forscherpaar hat seine verhängnisvolle Entscheidung getroffen, und das Experiment gerät ausser Kontrolle sodass ihnen jede weitere Wahlmöglichkeit genommen ist.
Gegen Ende hin verliert der Film etwas an Kraft und in den letzten Szenen spürt man das die Regie etwas hilflos agiert um ein adäquates Ende zu finden.
Das ändert aber nichts an der absoluten Empfehlung zu diesem grossartig gespielten, nachdenklich und spannenden Gen-Horrorfilm, der wahrlich keine einfachen Antworten gibt.
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