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Kundenrezension

TOP 1000 REZENSENTam 10. Januar 2013
Leider kann ich die Begeisterung anderer Rezensenten über Goethes "Stella" nicht teilen.

Es fällt schwer, Stella zu lesen und dabei nicht entweder unernst zu werden oder aus der Haut zu fahren. Kein anderes Schauspiel von Goethe schlingert so hart am Abgrund des Klamauks entlang wie Stella.

Eine verarmte Dame - Cäcilie - dient ihre Tochter Lucie der Baronesse - Stella - als Gesellschafterin an. Cäcilie und die Baronesse teilen das Schicksal, von einem Ehemann respektive Geliebten verlassen worden zu sein, dem sie inständig nachtrauern. Cäcilie erkennt den entwichenen Gemahl und Vater ihrer Tochter auf einem Bildnis, das ihr die Baronesse als ebenfalls entwichenen Geliebten vorstellt. Zugleich fährt ein junger braungebrannter Offizier namens Fernando vor, den die Tochter als den Jüngling auf dem Bilde erkennt. Baronesse Stella ist verzückt, die verlassene Cäcile erschüttert bis in die Grundfesten. Damit enden die ersten zwei Akte.

Im folgenden beginnt Fernando ein wankelmütiges und larmoyantes Lavieren zwischen Weib und Geliebter und ringt sich schließlich zur Rückkehr in die eheliche Pflicht durch. Stella verkraftet das nicht und greift zum Gift. Fernando erschießt sich neben der Sterbenden.

Wo fängt man an, die Löcher im Gewebe dieses Dramas zu beklagen? Vielleicht mit dem Geburtsfehler, der ganz am Anfang stand. In Goethes Urversion war das kein Trauerspiel, sondern ein Lustspiel. Der Grundgedanke zur "Stella" war die historisch verbürgte Geschichte des Ritters von Gleichen, der von einem Kreuzzug eine orientalische Zweitfrau mit nach Hause brachte. Für die Ehe zu dritt soll es einen besonderen vatikanischen Dispens gegeben haben. Tatsächlich existieren Bildnisse, die den wackeren Rittersmann mit zwei Frauen darstellen. In Goethes Urversion machen Stella und Cäcilie ebenfalls das beste aus der Lage und teilen sich Fernando in einer ménage a trois für den Rest des Lebens. Das wurde den Sittenwächtern damals dann doch zu bunt - und Goethe schrieb das Ende flugs zu einer Tragödie um. Nur: an der Entwicklung der Geschichte war eigentlich gar nichts tragisch, es gibt kein Unheil, keine Verstrickung, die unerbittlich ihren Lauf nehmen, insbesondere gibt es keinen schuldlos ins Verderben geratenen Helden, dafür aber eine Anhäufung unglaubhafter, geradezu schwankhafter Zufälle. Mit solchen Verbiegungen kann man in der Tat ein Lustspiel konstruieren, in einem Trauerspiel wirken sie lächerlich. Gar nicht auszudenken, wie "Stella" erst ausgesehen hätte, wenn nicht Friedrich Schiller die ärgsten Schwülstigkeiten mit eisernem Besen zu beheben geholfen hätte.

Mit den Personen ist es ebenfalls ein Elend. Ein Fernando bringt es fertig, nacheinander Frau mit Kind und Geliebte grußlos sitzen zu lassen, kämpft nach jahrelanger Abwesenheit einen kurzen Kampf zwischen Liebe und Pflicht aus, entscheidet sich für die Pflicht und erschießt sich endlich aus Liebe: wer soll das glauben? Die weiblichen Hauptfiguren spiegeln bekannte Klischees wieder, sie sind der Liebe völlig ergeben, und sei es zu einem haltlosen Hallodri. Nicht einmal gegeneinander sind sie zu einer lebensnahen Haltung in der Lage. Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Transformation des Lustspiels zu einem Trauerspiel auch die Personen verdorben hat.

Es ist ganz und gar kein Zufall, wenn Stella so oft für die gute Spielbarkeit gelobt wird. Das trifft wohl zu und ist einer der Gründe, weshalb Stella immer wieder in vielen Spielplänen auftaucht. Als Qualitätsausweis taugt das nicht.
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