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Kundenrezension

am 6. August 2010
Franz Liszts Klavierkompositionen wurde und wird häufig vorgeworfen, dass sie mehr der virtuosen Effekthascherei als wahrer Kunst verpflichtet seien. In Wirklichkeit aber sind vor allem seine 19 ungarischen Rhapsodien in ihrer Vielfalt wahre Kleinodien an Kunst und Majestät.
Sein ganzes Leben fühlte sich Liszt seinem Heimatland Ungarn verbunden. Und so verarbeitete er das typisch Ungarische und zigeunerhafte Elemente in diesen Rhapsodien. Dabei verfolgt er in der Regel das gleiche Schema zur Gestaltung, nämlich einen langsamen, schwermütigen ersten Teil (Lassan) und einen frischen, feurigen zweiten (Friska). Vom Umfang her variieren die einzelnen Rhapsodien stark untereinander von drei Minuten bis zu einer vierteln Stunde.

Die typische Klangsprache offenbart sich beispielsweise gleich in der ersten Rhapsodie, denn die eröffnenden getragenen Passagen konzipiert der Tonsetzer als Rezitative. Zwischenzeitlich baut er eine Episode ein, die er mit dem Zusatz "quasi improvvisato" versieht. Und gerade das erfordert besonderes künstlerisches Geschick, so zu komponieren, dass es improvisiert wirkt.
Berühmt geworden ist seine zweite Rhapsodie. Das liegt vor allem am tiefsinnigen Lassan, in dem sich kapriziöse Passagen mit zutiefst traurigen abwechseln. Besonders heroisch und packend ist dann das wie aus dem Nichts hervorschnellende Finale, das den Hörer beinahe vom Hocker reißt.

Die dritte und die vierte Rhapsodie sind leichter gestrickt, verzichten auf umfangreiche Variationen. Besonderes Augenmerk gilt aber der fünften Rhapsodie, der sogenannten "Héroïde élégiaque", denn dieses Stück ist durchgängig langsam und leise, entbehrt also des Friska Teils. Dabei handelt es sich freilich um einen der besten langsamen Sätze Liszts.

In der sechsten Rhapsodie setzt der Komponist auf das Schema schnell - langsam - schnell, um dann in der siebten wieder zum Alten zurück zu kehren. Hier verweist er im Lassan ausdrücklich auf den "trotzigen, tiefsinnigen Zigeunerstil".
Auch die achte Rhapsodie ist von tiefer Melancholie geprägt, wendet sich aber im Finale zum verspielt Humorigen.

Besonders beliebt ist die neunte Rhapsodie mit dem Beinamen "Pester Karneval". Dadurch, dass der Anfangsteil nicht wirklich langsam ist und Liszt die ganze Farbpalette für teils skurrile Effekte nutzt, scheint dieses cognomen für dieses feurige Werk durchaus gerechtfertigt.
Dahingegen sind das zehnte und das elfte Stück wesentlich konformer, wobei besonders das letztere von berührendem Tiefsinn gekennzeichnet ist.

Die bekannte zwölfte Rhapsodie vertraut wieder auf eine schwermütige, getragene Einleitung, die aber schnell in einen wilden Freudentaumel gewandelt wird. Durch eine Stretta zum Ende des Stückes erreicht Liszt kühne Effekte, die ebenso packen wie berühren.
Die Nummer 13 dagegen setzt da eher auf Tiefsinn und Leidenschaft.

Seiner umfangreichen 14. Rhapsodie stellt der Komponist einen schweren Trauermarsch voran. Es folgt ein Allegro eroico, das immer wieder von zahlreichen schwerfälligeren Episoden gehemmt wird, um dann in strahlendem Jubel zu enden.
Der 15. Teil der Sammlungen, der sogenannte Rákóczy Marsch", verzichtet auf den Lassan Teil und kommt ohne Umschweife zur Sache.

Die letzten vier Rhapsodien sind Spätwerke und wie in vielen Kompositionen dieser Schaffensphase wird die Formanlage schlichter und die Aussage dichter. In den Nummern 17 bis 19 folgt auf das kurze Lassan unmittelbar das Finale. Außerdem werden die Stücke kürzer: Mit Ausnahme der letzten, umfangreichen Rhapsodie hält sich die Spieldauer auf drei bis fünf Minuten beschränkt. Dabei werden diese Stücke aber rein interpretatorisch wesentlich schwieriger zu durchdringen.

Eine willkommene Zugabe ist die Rhapsody espagnole. In diesem herrlichen Stück greift Liszt auf den Variationstypus der Folies d'espagne zurück. Nach zahlreichen Tempowechseln kommt der Komponist zu einem überwältigenden Finale.

Pianist der Aufnahme ist der recht unbekannte Roberto Szidon, der eine Referenzeinspielung abliefert. Zupackend, energisch, leidenschaftlich, mitreißend, tiefsinnig, empathisch, ekstatisch sind nur einige der Adjektive, mit denen sein perfektes Spiel beschrieben werden kann. Sein Anschlag ist zwingend und nuancenreich. Er setzt scharfe Akzente und ist immer voll präsent. Die Aufnahmequalität ist wunderbar.

Fazit: Unverzichtbare Kompositionen in einer unverzichtbaren Einspielung!
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