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Kundenrezension

am 2. August 2012
Wenn man mit einigem zeitlichen Abstand an "Gods Of War", das 2007er Album der True Metal-Institution Manowar denkt, fallen einem spontan drei Songs ein: "King Of Kings", "Sleipnir" und "Sons Of Odin". Aufgrund einer lustig-peinlichen Anekdote aus dem Rock Hard wird insbesondere im deutschsprachigen Raum der eine oder andere vielleicht auch noch den Bonustrack "Die For Metal" in Erinnerung haben - gewidmet einem gewissen Götz K. Der fand es seinerzeit nämlich nicht so glaubwürdig, dass ein gewisser Joey D. behauptete, "notfalls für den Metal sterben" zu wollen und wurde dafür immerhin im Booklet gewürdigt.

Auch wenn (oder gerade weil?) seit der Veröffentlichung von "Gods Of War" mittlerweile einige Zeit ins Land gezogen ist, ist das Album nach wie vor nur als "durchwachsen" zu bezeichnen. Dabei sieht es optisch zunächst sehr gut aus (und mit "optisch" meine ich nicht das Cover, das mehr als alle bisherigen zum Fremdschämen einlädt...): 16 Songs, eine Spielzeit von fast 74 Minuten, Manowar-Rekord! Ähnlich umfangreich ist von allen bis dato erschienenen regulären Alben der Amis lediglich "The Triumph Of Steel" (1992, ca. 69 Minuten) ausgefallen. Das ist auch schon eine gute Überleitung, denn gerade auf jenem Album befand sich mit dem berüchtigten 28-Minüter "Achilles, Agony And Ecstasy In Eight Parts" eine Art Hörspiel, wie es "Gods Of War" auf Albumlänge bietet.

Das bedeutet im Klartext: Von 16 Stücken auf der Platte sind gerade mal acht als Songs im eigentlichen Sinne zu bezeichnen. Der Rest besteht aus Intros, Overtüren und Spoken-Word-Titeln. Nun sind solche Dinge zur Schaffung einer gewissen Atmosphäre ja durchaus geeignet, nur übertreiben es Manowar auf "Gods Of War" damit gnadenlos. Am Beginn der Platte bietet die erste Overtüre, passend betitelt mit "Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors" einen dramatischen, wagnaresken Auftakt - und ist gleichzeitig symptomatisch für das Problem der ganzen Klassik, die sich auf "Gods Of War" zwischen den anderen Liedern befindet: Zu lang, zu sperrig, zu sehr Konserve und einfach zu viel des Guten. Ich wage kaum, es zu schreiben, aber sowas bringen "kleine" Symphonic-Bands wie Rhapsody (Of Fire) besser und dramatischer zustande... Dass darauf mit "The Ascension" auch noch ein Intro folgt, strapaziert die Geduld dann schon beinahe über Gebühr. So dauert es dann insgesamt fast neun (!) Minuten, bis der erste "richtige" Song beginnt, der leider nur 4:17 Minuten dauert. Dafür ist "King Of Kings" einer der stärksten Manowar-Tracks überhaupt. Tatsächlich ist das Stück sogar so gut, dass es über den Anfangsärger locker hinwegtröstet und man auch mit dem darauf folgenden Zwischenspiel "Army Of The Dead, Part I" (langsam, bedächtig, mit Chorgesang, insgesamt gar nicht so übel) ganz gut leben kann. Danach befürchtet man in "Sleipnir" zunächst auch eine Art Intro, der gesprochene Text ist aber zum Glück "nur" knapp über eine Minute lang und leitet einen echten Hammer-Song ein. Vor allem der Refrain ist traumhaft, auch wenn er zum Schluss ein wenig zu oft wiederholt wird! Im kurzen "Loki God Of Fire" geht es dann im Midtempo ganz gut, wenn auch nicht essentiell zur Sache, bevor mit "Blood Brothers" eine typische Power-Ballade folgt, die jedoch qualitativ bei weitem nicht an andere Manowar-Großtaten dieser Kategorie heranreicht.

Die zweite Hälfte der Platte wird - standesgemäß - von einer Overtüre ("Overture To Odin") und einem äh... Intro... ("The Blood Of Odin", mit eher gelangweiltem Erzähler) eingeleitet. Wer sich das öfters anhören soll, weiß ich nicht, aber nach insgesamt rund acht Mintuen folgt mit "The Sons Of Odin" wieder ein richtiger Kracher der "Kings Of Metal" - ein schöner Stampfer mit gutem Refrain und überhaupt allem, was das Herz begehrt. Ganz im Gegensatz zu "Glory Majesty Unity", das - man ahnt es schon - eine Art Fortsetzung von "The Warriors Prayer" (auf "Kings Of Metal, 1988) darstellt. In meinen Ohren ist das überflüssig wie ein Kropf, war es auch 1988 schon, wenn man ehrlich ist. Gleich darauf hört man im Titeltrack "Gods Of War" wieder metallischere Klänge, episch angereichert durch orchestrale Begleitung. Gar nicht so schlecht, aber wohl kein zukünftiger Klassiker. Schließlich folgt noch die "Army Of The Dead, Part II" (Erinnert sich niemand mehr an "Part I" auf diesem Album? So ähnlich klingt nämlich auch dieses Stück...). Im vorletzten Song kommt dann noch Odin selbst zu Ehren, und zwar in einer guten Power-Ballade, die "Blood Brothers" locker übertrifft. Gefällt! Den Schlusspunkt des Konzepts setzt dann die "Hymn Of The Immortal Warriors", die weder ganz Klassik noch ganz Metal ist und somit zwischen den Stühlen sitzt. Halbgar, irgendwie, und auch ein bisschen symptomatisch für "Gods Of War" als Gesamtalbum. Das 16. und finale Stück gehört dann nicht mehr zum Konzept und ist - wie schon erwähnt - die Huldigung an den Rock Hard-Chef in Form von "Die For Metal", das wohl nur aufgrund der zugehörigen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten ist. Oder vielleicht auch aufgrund des geklauten "Kashmir"-Riffs (Led Zeppelin), aber das haben ja schon ganz andere Kapazunder verwendet.

Am Ende bleiben also auch nach neuerlichen Hörversuchen nur wenige Volltreffer auf der Habenseite von "Gods Of War". Vor allem "King Of Kings" und "Sleipnir" sind zwar auch im Manowar-Gesamtkontext ganz vorne einzuordnen, das reicht mir persönlich aber nicht. Joey DeMaio hat für dieses Album typische Manowar-Zutaten genommen, seiner Vorliebe für Wagner freien Lauf gelassen und den Pathos, der beidem zu Grunde liegt, auf die Spitze getrieben. Das mag sich auf den ersten Blick interessant anhören, führt aber bei mir nur dazu, dass ich alle Zwischenspiele überspringe, um die Dinge zu hören, die mir an Manowar immer gefallen haben. Denn Leidenschaft und Spielfreude ist aus den klassischen Einschüben nicht herauszuhören, wenn ich mir auch nicht herausnehme, ein großer Klassik-Spezialist zu sein. Bombast und Dramatik erkennt man schon, aber damit allein kann man eben keinen Blumentopf gewinnen, schon gar nicht, wenn alles nach Konserve, statt nach richtigem Orchester klingt. Es ist letztlich auch dieser Qualitätsunterschied, an dem das Album meiner Meinung nach scheitert. Die Metal-Songs sind großteils einfach saustark und super-eingängig, da können die klassischen Ambitionen eines Joey DeMaio einfach nicht mithalten. Wenn man keine Hörspiele mag und nur die "normalen" Songs herausnimmt, bleibt übrigens eine Spielzeit von rund 43 Minuten - was dann doch wieder im normalen Manowar-Schnitt liegt. Nicht näher beleuchten möchte ich den Umstand, dass fünf der 16 Stücke auf "Gods Of War" zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits von der EP "The Sons Of Odin" bekannt waren.

Was man "Gods Of War" allerdings zu Gute halten kann: Das Konzept wurde in sich recht stimmig und auch atmosphärisch brauchbar umgesetzt. Es ist von Track 1 bis 15 ein roter Faden zu erkennen, man kann zumindest die Vision, die dahinter steckt, erahnen. Mehr leider nicht. Damit reicht es bei mir für ganz knappe drei Sterne, drei sehr starken Stücken und der einmal mehr herausragenden Gesangsleistung von Eric Adams sei dank. Ohne ihn hätte es wesentlich düsterer ausgesehen...
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