"Zur Lebensart gehört, daß man auch gegen sich höflich sei," bemerkte der Literat Jean Paul. Mondrian aber malte manisch aus Angst gegen die Ungeordnetheit der Welt, täglich, zwanghaft. Obwohl es ihn nicht ernährte, konnte er nicht von dieser Tätigkeit lassen, arbeitete besessen weiter, hexte sich im kalten New Yorker Winter [drei Tage non-stop im ungeheizten Atelier schuftend] eine Lungenentzündung an den Hals und starb bevor er sein "victory broadway-boogie-woogie"-Bild beenden konnte. Eine Hommage an New York, das ihn andererseits fast verhungern ließ - zumindest reichte das Geld nicht zum Heizen. Und dennoch, eine Hommage an eine pulsierende, dynamische, voller Rhythmen steckende Stadt, voller Jazz, Tanz und Boogie Woogie. Aufgebrochen aus der Öde der holländischen Landschaft, hineingerettet ins lebendigere Paris, vor den Nazis geflüchtet wie viele andere Künstler Richtung USA. Während jedoch Maler wie Max Beckmann in New York eine Professur angeboten bekamen, wurde Mondrian dieses Glück nicht zuteil. Umso erstaunlicher, mit welch optimistischer Farbenfreude es ihm gelang, die reale Tristesse zu kompensieren. Sein letztes Werk, der Broadway Boogie Woogie - es wirkt fast wie eine City Map: senkrecht die Avenues, waagerecht die durchnummerierten Straßen - es fehlt einzig der Schrägstrich des aus diesem Raster ausbrechenden Broadway. Zuweilen ist man bestürzt, aus welchem Leiden Kunst erwächst. Mondrian mag zwangsneurotisch veranlagt gewesen sein - aber wenn er dieser Hölle solch harmonische Werke entgegensetzen konnte - fasziniert nicht dann die Beschäftigung mit ihm, seinem Leben, seinen Kompositionen gegen die Ungeordnetheit der Welt?