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Kundenrezension

am 11. August 2013
Gleich vorweg: Ich kenne den Autor nicht persönlich. Wir haben uns über ein Autorenforum kennengelernt und beschlossen, unsere Bücher gegenseitig zu lesen und ehrlich zu rezensieren, da wir beide ein ähnliches Interessengebiet teilen.
Ich gebe dies deswegen vorab hier an, damit im Nachhinein keine Vorwürfe von wegen "Gefälligkeiten" kommen. Dies ist eine ehrliche, unvoreingenommene Kritik.

Zur erzählten Geschichte und Handlung muss und will ich nicht viel sagen. Die Kurzbeschreibung sollte genügen, um zu wissen, worum es geht. Mehr würde nur zum Spoilern führen, was ich nicht will. Soviel aber vorweg: Das Buch bleibt durchgehend spannend. Der Autor schafft es, immer genug offen zu lassen um einen dazu zu bringen "dran zu bleiben". Man will immer wissen, was als nächstes passiert und vor allem, was für ein Ende die Geschichte nehmen wird. Dabei bleibt wenig vorhersehbar und deswegen zieht einen die Geschichte stets vorwärts, man erwischt sich schnell dabei, wie man vorangetrieben wird und man merkt, man kann das Buch nicht weglegen, ohne es zu Ende lesen zu wollen, dafür sind die gestellten Fragen einfach zu interessant.

Zuerst will ich mit den negativen Eindrücken beginnen. Man merkt, dass das Buch vollständig in Eigenregie entstand und deswegen tauchen hier und da Schwächen auf, die ich nicht unkommentiert lassen kann.

- Hier und da haben sich kleinere Tipp- und Kommafehler eingeschlichen. Aber ich konnte nichts entdecken, was mich im Lesefluss "gebremst" hätte.

- Die Namen der Charaktere sind manchmal verwirrend. Da die Handlung vielen Haupt- und Nebencharakteren folgt und viele von diesen ähnliche oder selbe Namen tragen, fällt es nicht immer leicht zu wissen, von wem gerade die Rede ist. Zum Glück ist dies bei den wichtigsten Hauptcharakteren nicht so gravierend und hindert deswegen den Lesefluss nur selten. Trotzdem hatte ich manchmal das Gefühl, irgendwas zu verpassen oder etwas nicht zu verstehen, da ich nicht wusste, von wem gerade die Rede ist.

- Die Handlungsorte sind nur teilweise gut beschrieben. z.B. bekommt man einen guten Eindruck von der Größe eines Dorfes, seinen Einwohnern, den Familien, etc... aber so ganz will sich kein Bild im Kopf aufbauen. Dafür fehlt einfach ein wenig an Beschreibung was Vegetation, Natur, Klima, etc. angeht. Da hätte ich mir ein wenig mehr gewünscht, um das Bild in meinem Kopf lebendiger zu machen. Gut, ich konnte Bilder der Gegend googeln und mir so helfen, aber das hätte schöner ausgearbeitet werden können.

- Die Handlung wirkt manchmal etwas "fahrig". Der Autor springt hier und da innerhalb eines Kapitels zwischen den verschiedenen Parteien hin und her und dank der beschriebenen Namensproblematik ist es nicht immer leicht, zu folgen.

- Manche Charaktere erscheinen etwas zu "bunt" oder besser "überspitzt". Man merkt dem Autor zwar die Mühe an, neutral zu bleiben und keine der Seiten, bzw. vor allem der Religionen, als "böse" oder "gut" hinzustellen, aber dadurch erscheinen manche der Charaktere in ihren Handlungen sehr extrem. Es ist nicht immer leicht, ihren Motivationen zu folgen. z.B. schwingt eine Ehefrau von unendlich verliebt sofort zu "ich will meinen Mann töten", als ihr Zweifel an seinem Charakter kommen. Da hätte etwas moderation gut getan. Trotzdem gleitet es nie in Unrealismus ab und auch wenn man vielleicht selbst nie so handeln würde, bleibt es trotzdem immerhin nachvollziehbar.

- Mein vielleicht größter Kritikpunkt: Viel "tell", wenig "show". Es wird viel, viel beschrieben, was eigentlich Hintergrundwissen ist und die Charaktere oder der Leser in diesem Moment eigentlich nicht wissen können. z.B. bekommt man nach jeder Einführung eines neuen Charakters eine tiefgreifende Erklärung über dessen Werdegang, Geschichte und Gefühle, statt das dies aus den Handlungen und Dialogen klar wird. (Dialoge, die übrigens SEHR gut gelungen sind, meiner Meinung nach. Man hat oft das Gefühl, lebendigen Figuren zuzuhören, trotz ihrer beschriebenen Extreme)

... Das waren jetzt die Punkte, die mir beim Lesen aufgefallen sind. Aber auch hier muss ich sagen, alles war nicht so gravierend, dass es wirklich meine Lesefreude getrübt hätte. Auch wenn ich hier darauf rumreite, waren es doch insgesamt betrachtet eher kleinere Fehler, die mich nicht wirklich gestört haben.

Normalerweise hätte ich dem Buch aufgrund dessen 4 Sterne gegeben. Warum es trotzdem 5 geworden sind, will ich hier erklären:

Es ist das erste und einzige Buch das ich gefunden habe, dass sich mit der jüngeren Geschichte der Aramäer und Armenier beschäftigt. Dieses Volk war über Jahrhunderte eine Minderheit im eigenen Land und 1915 während der Wirren des ersten Weltkrieges kam es zum Eklat mit den herrschenden Muslimen, denen die einheimischen Christen wohl schon lange ein Dorn im Auge waren.
Der Autor nähert sich dem Thema fair, aber deutlich liebevoll. Es vergeht kaum ein Kapitel, in dem man dieses Volk nicht bewunder muss, für das, was sie mitmachen müssen und die Art, wie sie trotz allem ihre Würde bewahren. Für mich persönlich, der sich schon ein wenig mit der Geschichte dieses Volkes auseinandergesetzt hat, sind die Aramäer ein wenig ein vergessenes Volk. Wenig lautstark und in der Mehrheit friedlich, leben sie heute in ganz Europa verteilt in kleinen, unauffälligen Gemeinschaften und der Durchschnittsdeutsche wie ich hat kaum einen Schimmer von der Geschichte eines der ältesten Christlichen Völker unserer Zeit. Ein trauriger Zustand, der meiner Meinung nach mehr Beachtung verdient und deswegen ist es umso wertvoller, ein Buch lesen zu können, das nicht einfach nur nackte Fakten herunterrasselt, oder gar ein Fachbuch ist. Man merkt dem Autor zwar oft seinen historischen Hintergrund an, es gibt im Buch viele Informationen über die Geschichte des mittleren Ostens und damals aktuelle politische Geschehnisse, aber trotzdem bleibt das Buch bei den Gefühlen und der Welt der einfachen Menschen damals. Man kann also gleichzeitig etwas lernen und mitfühlen und so etwas ist selbst bei den besten Autoren historischer Romane (leider) selten. Das man dabei noch in eine Welt entführt wird, die hierzulande so unbekannt, aber doch eigentlich im gesamtpolitischen Kontext so wichtig ist (zumindest für unsere Identität als Europäer und Christen), war ein Geschenk für mich

Ich selbst beschäftige mich schon seit Jahren mit europäischer und nahöstlicher Geschichte seit den Römern und dachte eigentlich nicht, noch etwas finden zu können, wo ich nicht wenigstens einen rudimentäres Grundwissen mein eigen nennen könnte. Dieses Buch hat mir einmal mehr die Augen dafür geöffnet, das man auf unserer Welt immer noch etwas finden kann, was fremd und exotisch, spannend und interessant ist. Deswegen habe ich mich dann auch für die 5 Sterne entschieden und kann es nur jedem empfehlen, über die kleineren, "handwerklichen" Schwächen hinwegzusehen und etwas über die tragische Geschichte eines beinahe "vergessenen" oder fast besser "übersehenen" Volkes zu lernen!
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