Fashion Sale Hier klicken Jetzt informieren reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16
Kundenrezension

52 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich wurde erwachsen und alt, 7. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Zu viel Glück: Zehn Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Glück ist eine sehr verletzliche Sache. Und "Zu viel Glück" besonders. So bewegen sich auch die unvergleichlich schönen Erzählungen der kanadischen Schriftstellerin Alice Munro auf einem sehr schmalen Grad zwischen dem, was Glück ist und irgendwann das Gegenteil davon. Nachzuprüfen in dem neuen Buch von Alice Munro: "Zu viel Glück".

Das Zimmermädchen Doree in der Erzählung "Dimensionen" musste es erfahren. Regelmäßig besucht sie ihren Mann in einer psychiatrischen Anstalt. Ist es Liebe, die sie zu langen Busfahrten veranlasst oder Fürsorge für ihren Mann...? Plötzlich aber kippt die Geschichte. Ihr Ehemann ist der Mörder ihrer drei gemeinsamen Kinder. Und die Besuche eine beinahe krankhafte psychische Abhängigkeit. Erst als Doree ein junges Unfallopfer wiederbelebt, kann sie sich aus dieser Abhängigkeit befreien.

Alice Munro, sie wird am 10. Juli 80 Jahre alt und regelmäßig als Nobelpreisanwärterin gehandelt, hat die Kunst der Story zu höchster Vollendung getrieben. Sie gilt als die beste Erzählerin weltweit. Dieses Attribut hat sie sich durch viele Erzählungen, viele Bücher erschrieben. Erzählungen, die ín einem oft lakonischen, unauffälligen Duktus daherkommen. Und die Story gerade und ohne Umwege auf den Punkt bringen.

Alice Munro erzählt fast teilnahmslos und ohne zu moralisieren von der jungen Frau, die sich dazu hergibt, einem alten Lustgreis nackt englische Gedichte vorzulesen. Auch diese junge Frau ist wie die vielen Frauen in Munros Erzählungen "auf dem Weg zu Taten, deren sie sich bisher nicht für fähig gehalten hätte".

Die Erzählung "Manche Frauen" beginnt mit dem dem Satz "Es verwundert mich mnachmal, wie alt ich bin". Und sie endet mit dem erstaunlichen Satz: "Ich wurde erwachsen und alt." Zwischen diesen beiden Sätzen erzählt sich die Geschichte auf sehr subtile und psychologisch raffinierte Weise: von der Aushilfspflegerin eines leukämiekranken Mannes und einer Masseurin, die dessen alte Mutter betreut und sich gleichzeitig dem Kranken auf seltsame Weise annähert. Die Munro konzentriert sich auf eine einzelne Episode und erfasst doch gleichzeitig einen ganzen Kosmos menschlicher Befindlichkeiten.

Es sind die Fragen nach der Vergänglichkeit der Zeit, es sind Lebensfragen, die von der Munro - letztlich aber vom Leser beantwortet werden müssen. Und das macht die Stories von Alice Munro so spannende und aufregend.

Nicht ganz glücklich wird der Leser mit der Titelgeschichte "Zu viel Glück". Sie spielt im Gegensatz zu allen anderen Erzählungen nicht in Kanada, sondern in Europa; und nicht im 20. Jahrhundert, sondern im 19. Jahrhundert. Auch handelt es sich um einen historischen Stoff, um die Geschichte einer russischen Mathematikerin und Schriftstellerin, die als erste Frau eine Professur erhält. Zu viel Glück - an dem sie scheitert. Dieser Erzählung fehlt etwas der typisch Munro'sche Ton und der ihr eigenen Fähigkeit zur Verknappung.

Trotz dieser kleinen kritischen Einschränkung sind diese Erzählungen durchweg zu loben - und zu empfehlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
  [Abbrechen]

Kommentare

Kommentare per E-Mail verfolgen
Von 1 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.07.2011 11:58:55 GMT+02:00
G. Latz meint:
Zu viel Glück: Zehn Erzählungen

Frage, haben Sie die englische Originalfassung - oder eine der vielen Geschichten - gelesen oder immer die Übersetzungen. Wie sind die Übersetzungen der Dame die immer dabei genannt wird? Oft geht ja viel verloren durch Übersetzungen wie ist vielleicht Ihre Erfahrung in dem Fall? GüLa aus Köln

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2011 11:39:34 GMT+02:00
Ich habe sowohl die eine und andere Erzählung auf Englisch, die meisten aber auf Deutsch gelesen. Frau Zerning als Übersetzerin hat nach meiner Aufassung ene hervorragende Leistung erbracht. Ihre Übersetzung ist so nah, wie eiine Übersetzung überhaupt sein kann, am Original.
Beste Grüße für GüLa und viel Vergnügen an der Munro.
H.

Veröffentlicht am 04.09.2011 18:25:03 GMT+02:00
euripides50 meint:
Was ihre Anmerkung zur Titelgeschichte des Erzählbandes betrifft: hundertprozentige Zustimmung.
Auch ansonsten Respekt für ihre kundige Rezension
Ludwig Witzani

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.09.2011 08:44:39 GMT+02:00
Herzlichen Dank für Ihren freundlichen Kommentar. Freue mich, das Ihnen wohl auch das Buch gefallen hat. Um nichts weniger ging es mir, als zu begründen, warum dieses Buch so lesenswert ist.
Beste Grüße
H.

Veröffentlicht am 12.01.2012 17:12:37 GMT+01:00
Ich halte Ihre Rezension ebenfalls für gelungen - wenngleich ich Ihr Urteil nicht teilen kann: ich habe meine Schwierigkeiten mit Munros "teilnahmslosem" Stil, dem jede Poesie und sprachliche Feinheit abgeht, und der für mich oft fehlenden Struktur ihrer Texte. Warum die Autorin so hoch gehandelt wird, bleibt mir nach der Lektüre von mindestens drei ihrer Bücher verborgen. Dennoch versuche ich sie immer wieder zu lesen - und die positive Resonanz auf ihre Texte zu begreifen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.01.2012 17:53:11 GMT+01:00
G. Latz meint:
Ja, ich habe mich auch z.T. schwer getan. Diese trockne Schreibe ... oaky, aber die sehr gute bildhafte Schreibform haben schon Klasse.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.01.2012 12:33:42 GMT+01:00
Lieber Herr Janacs, man muss doch nicht immer einer Meinung sein. Sie wissen es sicher selbst sehr gut, von welchen Faktoren die Einschätzung eines Leseerlebnisses manchmal beeinflusst werden kann.
Es bleibt allerdings dabei: Die Munroe ist eine schon hervorragenden Autorin, was nicht heißt, dass ihre Bücher jedem Leser gefallen müssen.
MfG
GN

Veröffentlicht am 11.10.2013 16:03:18 GMT+02:00
A. Escherle meint:
Zu meinem Leidwesen muss ich "Herodot" Recht geben, die Erzählung der Lebensgeschichte der Sofia Kovalevskaya ist nicht ganz gelungen.
Diese Kritik ist aber aus zwei Gründen zu relativieren. Zum einen gebührt Munro höchster Respekt dafür, diese Ausnahmefrau aus dem Vergessen herausgeholt zu haben. Sie war eine der größten Mathematikerinnen überhaupt, und im 19.Jahrhundert wohl die nennenswerteste überhaupt.
Der nicht mathematisch vorgebildete Leser weiß nicht, wer Weierstraß war, der sie als Studentin annahm, und er kann sich unter den in der Erzählung (es ist eigentlich eher eine Novelle) genannten mathematischen Aufgabenstellungen und Gebieten absolut nichts vorstellen. Der Versuch, diesem "normalen" Leser etwas von der Höhe der geistigen Leistung der Kovalevskaya zu vermitteln, kann Munro unmöglich gelingen, und das ist ihr insofern nicht vorzuwerfen.
Hätte sie wegen dieser Schwierigkeit das Thema Kovalevskaya, nachdem sie erst einmal darauf gestoßen war, sein lassen sollen? Ich denke nein.
Was ich an "too much happiness" zu kritisieren hätte, ist eher, dass Munro vor lauter Verehrung für die Heldin ihr Fabuliertalent vergräbt, und sich zu genau an die Fakten hält.
‹ Zurück 1 Weiter ›