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Kundenrezension

am 16. März 2012
Was waren das für furchtbare Momente? Ich saß vorm Fernseher und sah mir das erste Mal das Video von "Geboren um zu leben" an. Dieses Lied fand ich zugegebenermaßen entsetzlich belanglos, das Album "Große Freiheit" gefiel mir letztlich dennoch ganz gut, eben weil es größtenteils besser war als der Vorbote war und sich in der Musik nicht allzu viel gegenüber früheren Werken geändert hatte.
Für mich war Unheilig schon immer, bis auf einige Ausnahmen, seichte Unterhaltungsmusik, wenn man von den meisten Texten absieht, "Große Freiheit" war eben noch ein bisschen seichter als das vorige Material und hatte meiner Meinung nach mit "Geboren um zu leben", "Unter deiner Flagge" und dem Titelstück drei absolute Ausfälle.
"Wozu nun dieser Blick in die Vergangenheit?", mag man sich berechtigterweise fragen. Ich will lediglich klarstellen, dass ich das Album weder als Hassprediger, der alle Unheilig-Veröffentlichungen seit 2010 als Verrat an der "Szene" (als wäre die so homogen, dass man sie ernsthaft so nennen könnte) anklagt, noch als Hurra-Fan, der im Grafen einen Übermusiker sieht und sich durch dessen Musik stets im tiefsten Herzen berührt fühlt, betrachte. Außerdem bewerte ich eben nur das neue Album und werde mich nicht weiter über die Veröffentlichungsflut, all diese Fernsehauftritte oder die "Winterland-Affäre" aufregen.

Beim letzten Album gefielen mir die härteren Stücke wesentlich besser als die sanften, die nach dem hochklassigen "An deiner Seite" von "Puppenspiel" plötzlich nur noch in seltenen Fällen nicht uninteressant waren. Erwartet hatte ich, dass meine Meinung zu "Lichter der Stadt" ähnlich ausfallen würde.
Da tun sich aber drei Problem auf: Erstens gibt es kaum Lieder, die ich für Unheilig-Verhältnisse als hart bezeichnen würde, zum zweiten scheinen dem Grafen die vielfältigen synthetischen Klänge ausgegangen zu sein. Sie wurden durch ein unangenehm ordinäres Popgerüst ersetzt. Als dritten Knackpunkt sehe ich die Texte, die im Wesentlichen in der absoluten Bedeutungslosigkeit angekommen sind.

Im Folgenden werde ich meine Meinung zu den einzelnen Liedern präsentieren, obwohl die Scheibe eine solche Arbeit eigentlich gar nicht verdient hätte.

1. Das Licht (-/10)
Als erstes erwartet uns ein Intro im Stile des Pendants auf dem Vorgängeralbum, bei dem elektronische Töne im Vordergrund stehen und das das Werk stimmig einleitet.

2. Herzwerk (8/10)
Das eigentliche Eröffnungsstück klingt zugegebenermaßen wie aus dem Standardwerk der "Neuen Deutschen Härte". Einfache, druckvolle Gitarren dominieren die Strophen, der Graf hält sich mit Wortspielen nicht zurück und im Refrain wird das Ganze ebenso keyboardlastig wie eingängig. Anfangs wirkt der Song vielleicht auch ein wenig belanglos, er wächst aber nach mehrmaligem Hören und ragt über das meiste, was noch folgen wird, bei weitem heraus.

3. So wie du warst (6/10)
Ja, das Lied hört sich fast wie ein zweites "Geboren um zu leben" an und der Text ist so vorhersehbar für die Tränendrüse gemacht, das jegliche Intensität, die meines Erachtens bei Balladen von entscheidender Wichtigkeit ist, sofort im Keim erstickt wird. Aber die immer wieder auftauchenden Chöre find ich überraschend passend, außerdem freut mich die Abwandlung des Refrains gegen Ende, weil durch diese etwas unerwartete Abwechslung reinkommt. Da hat die Platte wirklich schlimmeres zu bieten.

4. Tage wie Gold (5/10)
Dominiert wird der Titel von einer simplen, aber effektiven Melodie, dazu kommt ein Klangbrei im Hintergrund, der sich genauso wie in "So wie du warst" anhört. Also handelt es sich lediglich um ein Poplied, das unauffällig an mir vorbei rauscht. Der Text schließt sich dem an; er ist so durchschaubar, dass schon seine Erwähnung überflüssig ist.

5. Wie wir waren (4/10)
Das dritte Popstück in Folge wandert mir ins Ohr und nervt noch ein wenig mehr als die vorigen, weil Andreas Bourani mitsingt. Wenn ich den hören will, kauf ich mir seine Platten, bei Unheilig hat er mit seiner Allerweltspopstimme meines Erachtens nichts verloren. Der Text ist übrigens nicht besser als die "Tage wie Gold". Diesen Titel braucht niemand.

6. Unsterblich (3/10)
Die zweite richtige Ballade steht an, das Klavier begleitet den Grafen zu den Worten: "Du bist mein Glück, tust mir gut, wenn du bei mir bist", und ich schalt ab. Langsam verlier ich wirklich die Lust am Album. Gegen Ende wird der Song noch etwas "härter" und klingt dabei wie schon tausendmal gehört. Die Krone der Aufdringlichkeit setzt der Unsterblichkeit dieses "Mhhhhhmhhhh" auf, das beim Refrain ununterbrochen zu hören ist.

7. Feuerland (8/10)
Diesen Track hab ich mir schöngehört. Er erinnert an "Herzwerk", ist aber stärker vom Synthesizer geprägt. Erst mal läuft er, wie auf "Lichter der Stadt" üblich, an mir vorbei. Nach ein paar Durchgängen ist das Lied jedoch zu meinem Favoriten geworden. Von der Stimmung her lässt mich das Feuerland an "Puppenspieler" zurückdenken. Deshalb empfehle ich allen enttäuschten "Altfans", sich diesem Song etwas intensiver zu widmen. Hier erkennt man noch deutlich das, was Unheilig einst ausgezeichnet hat.

8. Lichter der Stadt (5/10)
Das Titellied ist ein langweiliges Pop-Rock-Stück mit Gute-Laune-Kehrreim. Lyrisch ist es nicht ganz so schmalzig und trotzdem irrelevant ausgefallen.

9. Ein guter Weg (6/10)
Zur Abwechslung gibt's mal wieder eine Ballade, die als Klavierstück losgeht und später etwas lauter wird. Der Text ist wahrscheinlich ernstgemeint, aber so oft wie hier "Drück mich fest an dich" gesungen wird, find ich ihn ziemlich witzig.
Eine Katastrophe ist der gute Weg nicht, wenn ich ihn jedoch mit "Sternenschiff", "Sei mein Licht" oder anderen ruhigen Unheilig-Titeln der fernen Vergangenheit vergleiche, frage ich mich ernsthaft, ob der Graf immer noch die Musik schreibt, die ihm wirklich gefällt, so wie er es stets behauptet.

10. Ein großes Leben (5/10)
Die nächste Ballade folgt auf dem Fuße. Zum Glück verabschiedet sie sich nach dreieinhalb Minuten schon wieder, in denen ich aufpassen musste nicht einzuschlafen, denn Text und Musik gaben mir reichlich Grund dazu.

11. Brenne auf (7/10)
...hat mich positiv überrascht, denn der "Popklangbrei", der mich bei den meisten anderen Liedern der Platte extrem stört, lässt hier in Verbindung mit den im Hintergrund gehaltenen Gitarrenriffs was ganz interessantes aus dem recht flotten Lied entstehen. Bei einer etwas anderen Instrumentierung hätte der Spaß allerdings ganz gut zu Jürgen Drews gepasst.

12.Zeitreise (2/10)
Nun sind wir am Tiefpunkt der Platte angekommen. Zur Musik gibt es nicht mehr viel zu berichten. Es ist halt eine Popballade, wie es tausende andere gibt. Den Todesstoß versetzt der Zeitreise aber Berufsmessias Xavier Naidoo, der rumjault, wie man es von ihm gewohnt ist und mir damit extrem die Stimmung vermiest. Sowohl wegen seines Gesangs, als auch wegen seiner Einstellungen, die er in manchen Interviews preisgab, hätte ich mir nie freiwillig die Musik von Mannheims trällerndem Sohn angehört. Jetzt hab ich mir was mit seiner Stimme gekauft, das lässt selbst mich bei der Bewertung unsachlich werden. Lieber Graf, diesen Angriff auf meinen Verdauungsapparat verzeihe ich dir nie!
Einzig positiv an dem Lied finde ich, dass der Text trotz des Gasts nicht von der Apokalypse handelt.

13. Das Leben ist schön (6/10)
...enttäuscht mich von allen Titeln am meisten, denn der Anfang klingt eigentlich ganz vielversprechend, weil man merkt, dass Unheilig mit Synthesizern mehr als den "Popbrei" kochen können. Der Chorus ist dann aber wieder ziemlich zudringlich, weshalb am Ende doch nur Durchschnitt rauskommt. Kommentare zum Text verkneif ich mir.

14. Eisenmann (5/10)
So gitarrenlastig wie hier war die Musik von Unheilig fast noch nie, dazu brummt der Graf wie in besten Zeiten und dennoch überzeugt mich der Eisenmann nicht. Das liegt daran, dass er keine Kraft auszustrahlen weiß und nichtssagend im Midtempo vor sich her dümpelt. Der fehlerhafte Imperativ von "brechen", dessen sich im Refrain bedient wird, macht's auch nicht besser.

15. Vergessen (8/10)
Moment mal, dem Sacharias gefällt eines der zarten Lieder? Ja, "Vergessen" finde ich nicht zum Vergessen (der war schlecht, ich weiß), sondern sehr gut. Der Track ist abwechslungsreich und lässt am Ende sogar den "Popbrei" hinter sich. Textlich hab ich zwar schon tiefsinnigeres von Unheilig gehört aber auch schon wesentlich flacheres, vor allem auf "Lichter der Stadt". Somit bleibt ein versöhnlicher Abschluss, der mich wegen der vorausgegangenen Enttäuschungen etwas deprimiert zurücklässt.

16. Die Stadt (-/10)
Wie gewohnt nimmt das Outro die Melodie des Einführungsstückes wieder auf. Der Graf schweigt, so kann man sich wenigstens nicht am Text stören. Meines Erachtens steht "'Die Stadt"' früheren Instrumentals wie "Moderne Zeiten" oder "Zelluloid" in nichts nach.

Wer Unheilig neu für sich entdecken will, oder wem '"Große Freiheit"' immer noch zu hart war, kann mit "Lichter der Stadt" sicher schnell den Zugang finden. Denen, die schon den Vorgänger zu angepasst fanden, empfehle ich, das neue Album nur zusammen mit einem Leidensgenossen zu hören, denn wie heißt es schon in "Ein guter Weg": "Es hat so oft geholfen, wenn man zusammen weint".
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