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5.0 von 5 Sternen Vielleicht der Roman des Jahrzehnts, 15. September 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Freedom (Taschenbuch)
Mit Superlativen muss man vorsichtig sein. Geschmack ist etwas subjektives. Niemand kann den gesamten, schon national unüberschaubaren Büchermarkt überblicken. Daher kann es das beste Buch gar nicht geben. Und trotzdem muss man als Rezensent auch mal Farbe bekennen und sich aus dem Fenster lehnen: "Freedom" ist zumindest ein großes Buch, ein unglaublich guter Roman.

Die Begründung fällt gar nicht so leicht. Aber es hat sicherlich auch damit zu tun, dass die Charaktere eine ungekannte Tiefe aufweisen. Patty, Walter, Joey (der vielleicht etwas schablonenhafte Rockstar Richard Kautz gehört nicht ganz in diese Reihe) - das sind Figuren, an die man sich als Leser noch in zehn Jahren erinnern wird, die das Potential haben, Teil der Literaturgeschichte zu werden. Wo andere Autoren die prägenden Erlebnisse ihre Figuren nur andeuten, macht sich Jonathan Franzen mit geradezu militärisch anmutender Disziplin die Mühe, alles auzuerzählen, was die Protagonisten zu den Menschen macht, die sie sind. Wenn Franzen Konflikte zwischen zwei Figuren offenlegen will, dann lässt er sie eben ein seitenlanges Streitgespräch führen. Um es konkreter zu machen: Die Figur Patty hat ein schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern. In anderen Roman wäre das einfach so. Der Leser erfährt dann nicht oder nur andeutungsweise, warum das so ist. Nicht so bei Franzen: Er erzählt, wie Pattys Eltern damit umgegangen sind, als die jugendliche Patty vergewaltigt wurde. Er erzählt, wie kleine, süffisante und etwas abfällige Bemerkungen ihres Vaters die junge, unsichere Patty massiv kränkten. Er erzählt, wie Patty als Studentin eine verheißungsvolle Basketballkarriere begann und ihre Eltern davon keine Notiz nahmen, noch nicht einmal ihre Spiele besuchten. All das sind Kleinigkeiten, von denen man sich als Leser normalerweise eher fragen würde, ob man sie wirklich in allen Details erzählt bekommen will. Doch auch das ist bei "Freedom" anders: Da jeder noch so kleine Faden nicht versandet, sondern irgendwann wieder aufgenommen wird, da jedes kleine Detail ein Mosaiksteinchen ist, das zu einem unheimlich vielschichtigen, stimmigen Gesamtbild beiträgt, da Franzen einen geradezu schmerzhaft genauen Blick für die eigentlich banalen, aber eben manchmal doch unüberwindbaren Alltagsprobleme hat, ist man als Leser geradezu zu süchtig nach diesen alltäglichen Episoden. Natürlich kann man das alles auch als Soap-Opera bezeichnen, denn thematisch geht es ja unter anderem um Liebesgeschichten, Affären, Intrigen, Eifersucht - aber dann sind auch die Buddenbrooks eine Soap-Opera. Mir ist jedenfalls in keiner der bekannten Vorabendserien schon einmal so eine in allen Details glaubwürdige, lebendige und menschliche Figur wie in "Freedom" begegnet. Ja, es sind vor allem die Charaktere, die dafür sorgen, dass "Freedom" nicht nur ein sehr guter Familienroman ist, sondern der vielleicht beste des Jahrzehnts.

In Rezensionen wird Jonathan Franzen gerne als gesellschaftlich besonders relevanter Autor hervorgehoben. Er sei jemand, der das Amerika der Gegenwart besonders durchleuchte. Diese Einordnung ist nicht falsch - aber sie verwirrt trotzdem. Franzen schreibt nicht über einschneidende politische Ereignisse in den USA wie 9/11, Guantanamo oder den Irak-Krieg. Er lässt die amerikanische Mediengesellschaft unkommentiert, porträtiert die USA nicht als kulturellen Schmelztiegel, schießt sich weder auf Fast Food noch auf das liberale Waffenrecht ein. Franzen ist nicht der Michael Moore der fiktionalen Literatur (Gott sei Dank). Man könnte sogar behaupten, dass es eine gewisse Leistung darstellt, auf 600 Seiten das Themenfeld der Politik derart elegant und beharrlich zu umschiffen. Wie kommt es dennoch dazu, dass Franzen immer wieder eine besondere gesellschaftliche Beobachtungsgabe attestiert wird? Die Antwort ist profan: Franzen zeigt anhand eines familiären Mikrokosmos' die Besonderheiten und Schwierigkeiten des Lebens in der Gegenwart auf. "Freedom" ist kein Themenroman, der lediglich der fiktionalen Aufarbeitung eines aktuell diskutierten Schlagworts dient. Stattdessen erhebt das Buch den Anspruch, der Familienroman des Jahrzehnts zu sein. Hier kommt auch die Bedeutung des zunächst unbestimmten und wenig greifbaren Titels ins Spiel: "Freiheit" - das ist das, nach dem alle streben, das unveräußerliche Gut, die Verheißung einer aufgeklärten Gesellschaft. Jonathan Franzen legt den Finger in die Wunde und lässt die Seifenblase von der ach so verheißungsvollen Freiheit genussvoll platzen. Er stattet die von ihm porträtierte Familie, die Berglunds, mit allen Freiheiten aus, die man sich nur wünschen kann: Materieller Wohlstand, beste universitäre Bildung, Gesundheit und alle Möglichkeiten, den Lebenswandel, die politische Haltung und Religion nach eigenem Gusto frei zu wählen. "Freedom" zeigt, dass man trotz allen Freiheiten scheitern kann - an vergleichsweise profanen Dingen. Dass man, obwohl alles angerichtet ist, trotzdem auf sein Leben zurückblickt und am liebsten alles anders gemacht hätte. Dass man trotz oder gerade wegen des Fehlens äußerer Zwänge sich ungewollt zum Sklaven seiner selbst degradiert.

Ist dieser inhaltlich so substanzielle Roman denn auch sprachlich eine ähnliche Gewalt? Kurze Antwort: Nein. Und das ist gut so. Im Gegensatz zu vielen deutschen Schriftsteller-Kollegen widersteht Franzen der Versuchung, sich mit pseudo-intellektuellem Gewäsch an das Grüppchen der nickelbebrillten Feuilleton-Redakteure anzubiedern. Alles andere wäre auf 600 Seiten Länge auch kaum auszuhalten. Franzen codiert seine Botschaft nicht, sondern vertraut auf die erzählerische Kraft seiner Geschichte. Trotz aller Lobeshymnen bewegt sich "Freedom" sprachlich auf dem Niveau eines guten Unterhaltungsromans (und als solchen kann man "Freedom" durchaus auch ansehen). Mit dem Sprachstil eines Romans verhält es sich ohnehin wie mit einem Fußball-Schiedsrichter: Er ist dann am besten, wenn er gar nicht auffällt.

Man könnte noch einiges zu diesem großen Roman sagen. Doch egal, wie ausführlich man wird, diesem so substanziellen 600-Seiten-Brett würde man doch nicht gerecht werden. Die Gefahr, es kaputt zu quatschen, ist jedenfalls größer. Es kann daher nur bei der Empfehlung bleiben, diesen gleichermaßen unterhaltsamen wie bewegenden und erkenntnisreichen Roman zu lesen.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.09.2014, 15:42:34 GMT+2
selma meint:
Aber 9/11 und Irak werden in "Freedom" doch ausgiebig thematisiert und beeinflussen sogar maßgeblich das Leben einer der Hauptfiguren. Ebenso geht es um George W., um den Kohlebergbau, um Umweltschutz, um Big Business, Korruption und Schacherei, um das Platzen der Immobilienblase, um nur ein paar relevante Themen herauszugreifen.
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