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Kundenrezension

Eigentlich können einem ja Menschen wie der Autor leicht auf die Nerven gehen. Wenn man sie z.B. auf einer Party trifft, und sie einem den ganzen Abend ihr Wissen um die Ohren hauen. Aber wenn man dann mit Interesse zuhört, lernt man oft auch was dazu, und man entdeckt dadurch den einen oder anderen neuen Autor, Maler oder wen auch immer.

Dieses Buch bietet nun genau diese Gelegenheit. In kleinen Anekdoten, die flott erzählt werden, tischt einem der Autor ein breites Spektrum an Persönlichkeiten auf, die alle zufällig in diesem Jahr 1913 kulturell unterwegs waren. Vermutlich gibt es unter den Lesern den einen oder anderen, der da überall mitreden kann, aber die meisten werden bei dieser Zeitreise auf interessante Figuren treffen, die sie bisher vielleicht mal vom Namen gehört haben. Kleiner Tip: Wer parallel schnell mal in Wikipedia nachschaut, hat mehr von der Lektüre, da sich da sowohl die Zusammenhänge erschließen, als auch die erwähnten Künstler mit ihren Werken finden lassen. Wer hat denn sofort Kokoschkas "Windsbraut" vor dem Auge, oder die expressionistischen Farben der Brücke Maler? Wer kann sofort die Gedichte von Gottfried Benn, Rilke oder Lasker-Schüler rezitieren? Wer durchschaut sofort die komplexen Liebschaften der Muse des frühen 20. Jahrhunderts, Alma Mahler/Kokoschka/Gropius/Werfel?

Ok, die Aneinanderreihung von kurzen Texten, wie sie auch in einer Zeitung stehen könnten, ist kein Roman. Aber Vergleiche mit Illustrierten oder gar der Bild Zeitung sind unfair. Der Autor schreibt für ein gehobenes Publikum. Eine gewisse Bildung wird vorausgesetzt, sonst ist man schnell im Dschungel der vielen Namen, Städten und Werke verloren. Möglicherweise mogelt er auch etwas an manchen Stellen, um einen Zusammenhang herzustellen, den es so nie gegeben hat. So deutet er eine mögliche kurze Begegnung von Hitler und Stalin im Park von Schönbrunn in Wien an, oder vermutet zwei Liebesbriefe (einer von Einstein, einer von Kafka) im selben Postsack aus Prag nach Berlin. Dies sei ihm zugestanden, denn es erhöht die atmosphärische Dichte des Buches, das kein exakter historischer Abriss ist, sondern ein kulturelles Stimmungsbuch dieser Zeit. Dabei mag mancher zu gut oder zu schlecht wegkommen, bzw. nur einzelne Facetten seiner Persönlichkeit erwähnt sehen. So taucht Hitler als asketisch lebender Kunstmaler auf, der in Wien und München täglich mehrere Aquarelle erstellt und von Milch und Brötchen lebend den Verkaufserlös der Bilder zusammenhält. Kafka als weinerlicher Pessimist, der schrecklich konfuse Briefe an seine Geliebte schreibt, in denen er sich selbst um die Ehe mit derselben bringt.

Eine andere Ebene sind die gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge vor hundert Jahren. Es ist schon erstaunlich, wie wenig die Welt damals mit einem großen Krieg rechnete. Ja, es gab sogar schlaue Bücher, die man praktisch eins zu eins in die heutige Zeit übertragen könnte, in denen von der Unmöglichkeit weiterer Kriege philosophiert wurde, da ja alle Staaten wirtschaftlich so sehr miteinander verflochten wären, das man unmöglich das alles wegen eines Krieges riskieren könnte. Die gekrönten Häupter Europas trafen sich in Berlin zu einer Hochzeit, lächelten sich zu und beschworen eine heile Welt, und überall herrschte Friede, Freude, Eierkuchen. Die Vermögen der Wohlhabenden wuchsen, ein Siegmund Freud berechnete für eine Stunde Psychotherapie den Gegenwert mehrerer Monatsgehälter seiner Hausangestellten. Auf der anderen Seite wurden viele Künstler (z.B. Rilke, Else Lasker-Schüler, Georg Trakl) von reichen Gönnern alimentiert (bei Rilke wohl zahlreiche wohlhabende Verehrerinnen). Ein Jahr später knallte es dann und nichts war mehr wie zuvor.

Fazit: Ein wirklich gut geschriebenes Buch, das Lust darauf macht, sich mit Musik, Literatur und bildender Kunst des Expressionismus näher zu beschäftigen. So man denn daran überhaupt interessiert ist. Lesenswert!
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