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Kundenrezension

am 9. Januar 2011
Ich kann sehr gut verstehen, warum dieses Buch bei den Rezensenten so ganz unterschiedlich "angekommen" ist. Doch ich kann nur allen interessierten Lesern Mut machen, die tatsächlich etwas "sperrigen" ersten zweihundert Seiten durchzuhalten; denn tatsächlich ist es nicht so, wie die Süddeutsche Zeitung behauptet hat, es ist kein im typischen Sinne spannendes Buch zum Verschlingen, dieses Buch braucht Zeit, als hörte man jemandem zu. Jemandem, der erst nach und nach sich selbst und sein Leben versteht, so ist es gemacht, das ist aber, wie man später versteht, auch gerade das außerordentlich Kunstvolle an dem Roman. Es ist schließlich, wenn man sich eingelesen hat, ein literarisch wirklich großes Buch, wirklich große Literatur. Man muss es langsam lesen, verdauen, es ist wie Schwarzbrot, man muss es lange kauen, aber es ist überaus schmackhaft, nahrhaft und unkonventionell gestaltet. Es geht in diesem Werk bei weitem nicht nur um das Leben von Amos Oz, es geht um das Menschsein, um Schuld und Verstrickung, um das Psychogramm einer ganzen nach Israel geflohenen Generation, um Familienerinnerungen, um das Verhältnis zwischen Schriftsteller und Leser, um das Verhältnis zwischen Vater und Sohn und Sohn und Mutter, um das Leben in der Diaspora und, und, und. Auch mir fiel es dabei zunächst schwer, Oz zu folgen, denn er springt recht wild hin und her in den Zeiten und in der Familiengeschichte. Er schreibt es so, wie eine Familie ihre Vergangenheit erinnert, eben nicht strikt chronologisch oder immer logisch. So, wie ein alter Mensch sein Leben resümiert und wiedergibt, so schreibt Oz - voller Anekdoten und Sprünge, voller Widersprüche, voller Wiederholungen, voller Sehnsucht und Melancholie. Und dabei entsteht dann vor allem das Bild des osteuropäischen Judentums bzw. dessen Niedergang und Zerstörung und der mühsame Neuanfang in Israel, das Bild auch eines Menschen, der den Tod der Mutter verkraften musste und der sich emanzipieren musste vom Vater und der Last der Vergangenheit. Wer ein Buch erwartet, welches das Leben von Amos Oz spiegelt und gleichzeitig die Geschichte Israels, der wird vielleicht etwas enttäuscht sein, denn nur am Rande werden die politischen Begebenheiten erwähnt, lediglich der Krieg 1947/48 wird genauer beschrieben. Und dennoch ist dieser Roman sehr lesenswert, wenn man Israel verstehen will, weil es die Psyche und die Gesellschaftsstruktur der israelischen Bevölkerung in jenen Jahren gut spiegelt. Und gleichzeitig fragt man sich, wo denn die Araber, die Palästinenser geblieben sind. Von denen ist - vor allem zu Beginn des Buches - vergleichsweise sehr wenig die Sprache, es wird in diesem Sinne auch deutlich, wie dort zwei Gesellschaften auf engstem Raum nebeneinander lebten (und leben), ohne viel voneinander zu wissen. Ich würde daher jedem, der an der Geschichte von Israel und Palästina interessiert ist, empfehlen, parallel das Buch von Sari Nusseibeh "Es war einmal ein Land" zu lesen, eine ganz andere Lebensgeschichte, obwohl die beiden fast gleichzeitig und nur wenige Meter voneinander entfernt aufgewachsen sind!
Fazit: Am Anfang habe ich mich gewundert über den Stil des Autors, ich musste mich einlesen und zur Langsamkeit zwingen. Schließlich hat mir das Konzept aber mehr und mehr gefallen und ich konnte das Buch dann irgendwann auch gar nicht mehr weglegen und am Ende möchte ich sagen, dass Oz wirklich eine sehr ungewöhnliche Biographie gelungen ist, die mich auch sehr viel über mein eigenes Erinnern hat nachdenken lassen. Am Ende möchte ich sagen: ein wirklich großer Wurf!
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