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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENTam 6. Januar 2010
Auch 25 Jahre nach seinem Tod bleibt Michel Foucault einer der einflussreichsten Intellektuellen weltweit. Bis heute spielen die von Foucault mitgeprägten Begriffe von der "Macht" und dem "Diskurs" eine gewichtige Rolle und werden heftig diskutiert. Der Philosoph und Soziologe untersuchte so unterschiedliche Gegenstände wie Krankenhäuser, Psychiatrien, Gefängnisse oder die menschliche Sexualität und erschloss daraus, auf welche Art und Weise das, was wir Menschen in verschiedenen historischen Epochen als Wahrheit anerkannt haben, vom herrschenden Diskurs produziert worden ist. In seiner Darstellung "Überwachen und Strafen - Die Geburt des Gefängnisses" untersucht Foucault die unterschiedlichen Praktiken des Strafens in verschiedenen Zeitaltern und wie so Wahrheiten und Machtverhältnisse produziert worden sind beziehungsweise produziert werden.

Strafen ist sicherlich einer der Konstanten in der Geschichte der Menschheit. Die Art und Weise des Strafens habe sich im Lauf der Jahrhunderte zwar gründlich geändert, so Foucault, doch eines sei immer gleich geblieben: Objekt des Strafens sei nie ausschließlich der einzelne Mensch gewesen. In den Institutionen und Praktiken des Strafens habe sich immer ein bestimmter Diskurs manifestiert, der durch das Strafen einer bestimmten Wahrheit zur Geltung verholfen habe und somit zuallererst immer ein Instrument der Macht gewesen sei: "Es formiert sich ein Wissen, das Techniken und "wissenschaftliche" Diskurse einschließt und sich mit der Praxis der Strafgewalt verflicht" (33). Dabei wehrt sich Foucault gegen die naive Annahme, dass ein bestimmtes Verhalten an sich ahnddungswürdig sei. Vielmehr sei es so, dass es an erster Stelle die Macht sei, die überhaupt erst das Wissen über das, was ahndungswürdig sei, produziert: "Eher ist wohl anzunehmen, daß die Macht Wissen hervorbringt [...]; daß es keine Machtbeziehung gibt, ohne daß sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert" (39). Hier haben wir es wieder mit der für Foucault typischen Terminologie zu tun. Die Macht, welche Wissen produziert und somit einen bestimmten Diskurs formiert, welcher den Menschen in seinem Denken und Handeln bewusst und/oder unterbewusst bestimmt. Doch was ist sie eigentlich, diese mysteriöse Macht, die dazu in der Lage ist, zu bestimmen, was der Mensch überhaupt erst denken kann? Hier gibt Foucault bezüglich seines Untersuchungsgegenstandes, dem Gefängnis, eine sehr deutliche Antwort: "In der hierarchisierten Überwachung der Disziplinen ist die Macht keine Sache, die man innehat, kein Eigentum, das man überträgt; sondern eine Maschinerie, die funktioniert. [...] In Wirklichkeit ist die Macht produktiv; und sie produziert Wirkliches. Sie produziert Gegenstandsbereiche und Wahrheitsrituale: das Individuum und seine Erkenntnis sind Ergebnisse dieser Produktion" (228f. + 250). Dahinter verbirgt sich die düstere Annahme, dass die Freiheit des Menschen nur eine Illusion ist, die uns von den Produktionsstätten der Macht vorgegaukelt wird.

Was ist nun, so Foucault, das perfekte Gefängnis, der perfekte Disziplinierungsapparat?: "Der perfekte Disziplinierungsapparat wäre derjenige, der es einem einzigen Blick ermöglicht, damit alles zu sehen" (224). Diesen perfekten Überwachungsraum bildet für Foucault das Panoptikum, eine architektonische Entwicklung aus den 1830er Jahren, die es einer Person ermöglicht, Hunderte von Gefangenen im Blick zu haben, ohne dass diese in der Lage sind herauszufinden, ob sie gerade überwacht werden oder nicht. Doch das Prinzip des Panoptikums beschränkt sich nicht nur auf die Organisation von Gefängnissen, es umfasst das gesamte gesellschaftliche Leben: "Das Panoptikum hingegen hat verstärkend und steigernd zu wirken; nicht um der Macht willen und nicht, um einer bedrohten Gesellschaft das Leben zu retten, organisiert es die Macht und macht sie ökonomischer und wirksamer: es geht darum, die Gesellschaftskräfte zu steigern - die Produktion zu erhöhen, die Wirtschaft zu entwickeln, die Bildung auszudehnen, das Niveau der öffentlichen Moral zu heben; zu Wachstum und Mehrung beizutragen" (267). Das panoptische Prinzip der absoluten Kontrolle und Überwachung finde sich also in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch und vor allem in den Schulen, wo die kommenden Generationen überwachter Individuen herangezogen werden.

Fazit: Was ist die Essenz aus Foucault Denken, was bleibt von ihm übrig? Kein Denker vor und nach ihm hat so präzise und mit solch einer eingehenden Terminologie die gesellschaftlichen Mechanismen analysiert, die den Menschen in seinem Alltag, seinem Denken, in seiner Existenz bestimmen. Von Kindergarten, über Schule, bis zum Arbeitsplatz und zu den zahlreichen Ämtern, die unseren Alltag bestimmen; die panoptisch allumfassende Macht ist überall und es gibt kein Entkommen, nur ein Arrangement. Wer an einer grundlegenden Diskussion von den Konzepten Macht, Diskurs und Wahrheit interessiert ist, dem sei Foucaults Die Ordnung der Dinge wärmstens empfohlen.
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