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Kundenrezension

54 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mogelpackung voller Fehler, 15. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mythos Determinismus: Wieviel erklärt uns die Hirnforschung? (Gebundene Ausgabe)
Ich muss zugeben: Zunächst, dh. über die ersten 30 Seiten, war ich sehr angetan von dem Buch. Doch dann merkte ich, was auch ein anderer Rezensent schon schrieb. Der Text geizt nicht mit Wiederholungen. Offenbar handelt es sich um ein Vorlesungsskript, das in Buchform gebracht worden ist. Weiter merkt man dem Autor an, dass er in einigen klassischen philosophischen Theorien zu Hause ist - etwa Kant - aber in anderen nicht oder zumindest deutlich weniger, etwa Spinoza. Und je aktueller die Philosophen, desto weniger kommt von Falkenburg. Wittgenstein und Heidegger kommen fast gar nicht, Quine, Searle oder Penrose überhaupt nicht vor. Wichtige Forscher im Bereich des Bewußtseins wie Ryle oder Dennett werden allenfalls am Rande erwähnt.

Nun kann man einwenden, Falkenburg ginge es nicht ums Bewußtsein, sondern nur um den Determinismus und der Untertitel diene nur der Auflagenhöhe. Aber gerade darin liegt dann wirklich die eigentlich Schwäche des Buches: Seine Beschränktheit auf diesen kleinen Aspekt. Dabei wird eine strikt deterministische - oder auch funktionale - Sichtweise in der heutigen Diskussion des Zusammenhangs von Geist und Materie praktisch nicht mehr vertreten. Falkenburg schießt also im gewissen Sinne auf Pappkameraden. Entsprechend zitiert sie aus dem "Manifest" einiger Hirnforscher von 2004 nur sehr einseitig, dh. genau einen Autor, der tatsächlich sagt, es gäbe keine Freiheit der Entscheidung, sondern alles wäre determiniert, lässt die anderen, vorsichtigen Stimmen aber außen vor. Falkenburg zielt eben nur auf den Determinismus, sozusagen die schwächste Bastion der Hirnforschung.

Und dann geht dieser Angriff auch noch richtig nach hinten los. Denn Sätze wie: "Deterministische Naturgesetze beschreiben umkehrbare oder reversible Vorgänge." Solch ein Satz ist schlicht falsch. Determinismus bedeutet Bestimmtheit oder auch "etwas arbeitet funktional", dh. gleiche Ausgangsbedingungen führen zu gleichen Ergebnissen. Das kann man in jedem Buch zB. zur deterministischen Turing-Maschine nachlesen. Aber die Umkehrung muss überhaupt nicht gelten. Ich kann die Turing-Maschine nicht rückwärts laufen lassen und komme an einen eindeutigen Anfang. Dafür müsste die Rückrichtung ebenfalls eindeutig bestimmt, dh. deterministisch sein. Die meisten Naturgesetze sind zwar in beiden zeitlichen Richtungen deterministisch. Aber das ist eben nicht schon im Begriff Determinismus enthalten. Was aber habe ich von einem Buch über den Determinismus zu halten, in dem nicht einmal der titelgebende Begriff korrekt erklärt ist?

Ebenso problematisch ist der Text dann ausgerechnet bei einem Thema, das die Autorin besser kennen sollte, weil sie promovierte Physikerin im Bereich Teilchenphysik ist: Bei der Quantenmechanik. Hier spricht sie fortwährend von Quantenprozessen, wo es eigentlich Quantensystem heißen muss. Damit meint sie die einzelne Messung, deren Ergebnis bekanntlich nicht vorhergesagt werden kann. Richtig, dass spricht gegen deterministische Erklärungen. Aber dass Quantensysteme als ganzes betrachtet werden müssen und dann sehr wohl determiniert sind, ficht die Autorin nicht an. Auch nicht, dass Hawking genau aus diesem Grund die Quantenmechanik determinstisch nennt. Offenbar hat Frau Falkenburg keine Ahnung. Damit wird dann auch deutlich, warum Penrose oder auch Bohm bei ihr praktisch nicht vorkommen. Beide Autoren sind wichtige Denker auf diesem Feld und dem Bereich Geist und Bewußtsein und definitiv keine Deterministen. Sie werden auf Seite 282 in einem Halbsatz "keine Ignoranzdeutung mit verborgenen Parametern oder vielen Welten kann hier nach meiner Auffassung den Determinismus retten" abgefertigt. Der polemische Ton verrät, dass Falkenburg hier die Argumente ausgegangen sind, und sie nur noch eine Auffassung vertritt, die sie aber nicht mehr begründet. Dass es unter anderem Einstein war, der diese verborgenen Parameter vermutete, sei nur am Rande erwähnt. Und auch, dass es mit Experimenten gelang, das Nicht-Vorhandensein dieser Parameter zu beweisen. Auch davon weiß Falkenburg nichts.

Kurz: Falkenburg widerlegt einen theoretischen Ansatz, den so kaum einer ernsthaft vertritt. Dabei geht sie zwar immer wieder als rhetorische Siegerin vom Platz. Nur ist das für die aktuelle Diskussion vollkommen belanglos. Da ihre Verwendung der beiden Grundbegriffen Determinismus und Quantenmechanik zudem mit groben Fehlern gespickt sind, kann man vor dem Buch eigentlich nur warnen. Da fallen die zahllosen Rechtschreibfehler kaum noch ins Gewicht.

Peinlich, Peinlich.
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1-10 von 15 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.10.2013, 18:41:20 GMT+2
Zuletzt vom Autor geändert am 11.12.2013, 17:44:57 GMT+1
Fabian B. meint:
Lieber Ceebulon,

ich finde, ihre Rezension wird dem Anspruch der Autorin nicht gerecht. Falkenburg nimmt mit ihrer Arbeit die universalen und
völlig überzogenen Geltungsansprüche, die manche Protagonisten der Humanwissenschaften anstellen, ins Visier. Und das macht
sie argumentativ m.A. überzeugend. Es ist nur gerechtfertigt, dass Falkenburg eine deutlich kritische Position in Bezug auf radikal naturalistische Erklärungsansätze für das Leib-Seele Problem einnimmt, da die umgekehrte Seite dies genauso tut. Sie schreiben, dass der "strikt deterministische Ansatz" heute kaum noch vertreten wird. Wenn dem so ist, wäre das gut. Es mag
sein, dass einige überzeugte Naturalisten in Folge von Kritik und mangels Stichhaltigkeit von dieser Position abgerückt sind. Eine Kritik an überzogenen Ansprüchen mancher Humanwissenschaften ist trotzdem gerechtfertigt und sogar absolut notwendig. Eine stichhaltige Kritik des Kausalgedankens gibt es auch von Nancy Cartwright unter dem Namen "How the Laws of Physics Lie".

Veröffentlicht am 20.04.2014, 16:08:19 GMT+2
Zuletzt vom Autor geändert am 20.04.2014, 16:10:10 GMT+2
Andre Wagner meint:
- "Denn Sätze wie: "Deterministische Naturgesetze beschreiben umkehrbare oder reversible Vorgänge." Solch ein Satz ist schlicht falsch."

Was ist an diesem Satz falsch? Was da in einem Buch zur Turing-Maschine steht, oder was Sie sonst noch für Vorstellungen zum Wort "Determinismus" haben, spielt überhaupt keine Rolle für diesen Satz, der sich auf die Physik bezieht. Und dort ist ein deterministisches Naturgesetz die Beschreibung eines umkehrbaren, reversiblen Vorganges.

Zur Quantenmechanik: was Sie schreiben funktioniert nur mit der spekulativen "Quantenkosmologie". Ob und wie die Quantentheorie auf das Universum anwendbar ist, ist derzeit unklar. So eine Theorie gibt es noch gar nicht. Mögliche Kandidaten sind die LQG (Loop-QuantumTheorie bzw. auf Deutsch: Schleifenquantengravitation.) Und die verschiedenen Versionen der String-Theorie (der nun aber andere Namen trägt).

Und Hawking, Penrose und Bohm spielen keine wirkliche Rolle in der Wissenschaftstheorie der Physik. Auf die braucht die Autorin ebenso wenig einzugehen wie auf Searle, Dennett etc. Es gibt bereits mehr als genügend andere Arbeiten über dieses Autoren. Diese Autoren mögen für sie interessant sein, aber das bedeutet nicht, dass sie in den gegenwärtigen Diskursen wichtig sind.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.04.2014, 17:08:38 GMT+2
Ceebulon meint:
Werter Herr Wagner,

ich machs mal kurz. Der Wiki-Beitrag zum Begriff Determinismus beginnt: "Der Determinismus (lat. determinare „abgrenzen“, „bestimmen“) ist die Auffassung, dass alle – insbesondere auch zukünftige – Ereignisse durch Vorbedingungen eindeutig festgelegt sind." Determinismus ist also gleichbedeutend mit "funktional" und nicht, wie die Autorin behauptet, umgekehrt funktional bzw. "invers". Im übrigens hätte die Autorin den Unterschied der Definitionen wenigstens zu erwähnen, was sie aber unterlässt.

Dass ein Quantensystem als ganzes durch einen determinierten Prozess beschrieben wird, gehört eigentlich zum Grundwissen aller Quantenmechaniker; vgl. zB. Peres. Das Ergebnis der Einzelmessung ist zufällig, aber das nicht beobachtete System durchläuft streng determiniert seinen Phasenraum. Das sind die Drehungen im Komplexen. Ok?

Dass Hawking, Penrose oder Bohm in der Wissenschaftstheorie keine Bedeutung spielen, lasse ich mal als reichlich mutige und in meinen Augen schlicht falsche Behauptung stehen. Sonst kommen wir hier von Hütchen auf Stöckchen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.04.2014, 21:56:26 GMT+2
Zuletzt vom Autor geändert am 20.04.2014, 22:17:44 GMT+2
Andre Wagner meint:
Was meinen Sie damit, dass ein Quantensystem als Ganzes betrachtet werden muss? Meinen Sie ein Quantensystem bestehend aus Messobjekt und Messystem? Das Universum als Quantensystem? Ein von der Umwelt weitgehend isoliertes System entwickelt sich deterministisch, ja, aber ob das auch für das Universum selbst gilt oder komplexere Systeme, die sich von der Umwelt nicht derart isolieren lassen, ist eine andere Frage. So eine Theorie gibt es bisher nicht, nur äußerst interessante Ansätze, wie eben die Schleifenquantengravitation.

Das all dies auch mit einer bestimmten Interpretation der Quantenphysik bzw. der Physik allgemein verbunden ist, sollte auch klar sein. Eine kurze Recherche vor dem Kauf des Buches hätte Ihnen gezeigt welcher Tradition die Autorin angehört.

Ich kann auch Ihre Forderung, dass Personen wie Dennett und Searle vorkommen sollten, nicht verstehen. Dann müsste ebenso Ernst Cassirer vorkommen (wenn von Heidegger die Rede ist), bzw. dessen Buch "Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik), Band 19 der Werkausgabe. Und Dennett und Searle muss man mindestens jemanden wie Hilary Putnam gegenüberstellen.

Dass Sie selbst ganz andere Ansichten haben als die Autorin bzw. gewisse Grundannahmen, die zu ihrer Position gehören, nicht akzeptieren, ist ok. Aber deswegen handelt es sich bei diesem Werk nicht gleich um eine Mogelpackung voller Fehler.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.04.2014, 06:35:53 GMT+2
Ceebulon meint:
Ja, ich meine Messobjekt und Messung als Ganzes. Dann verschwindet der Zufall bzw. es wird ein determinierter Zufall. In einem Buch über Quantenrechner gibts ein schönes Bild dafür: Beim einem Münzwurf als Zufallsexperiment wirft man eine faire Münze und sie fällt 50:50 Kopf. Wirft man sie noch einmal, fällt sie wieder 50:50 Kopf. Bei einem Quantensystem fällt sie beim ersten und zweiten Wurf ebenfalls 50:50 Kopf - falls ich nach dem ersten Wurf messe. Messe ich nicht, fällt sie mit 1.0 Kopf bzw. Zahl. Jetzt etwas klarer? Dafür muss ich auch nicht gleich das ganze Universum bemühen ;-)

Nein, diese Sache ist nicht mit einer der verschiedenen Interpretation der Quantenmechanik verbunden. That's quantum mechanic - um Feynman zu zitieren. Die ganze Matrizenmechanik basiert auf diesem Ansatz. Andernfalls hätten wir es nicht mit Drehungen zu tun.

Sorry, aber eine Theorie des Bewußtseins - und darum geht es der Autorin, wie der Untertitel verrät, eben dann auch - ohne Searle und Dennett ist wohl kaum auf dem neuesten Stand. Und nur weil ich erwähne, dass man Dennett in einem Buch über Determinismus und Hirnforschung erwähnen sollte, können Sie mir nicht zum Vorwurf machen, dass die Autorin zudem Cassierer nicht erwähnt. Der übrigens Determinismus mit Funktionalität verknüpft.

Zu meiner Formulierungsweise: Für mich ist die seltsame Verwendung des Determinismusbegriffs ein Fehler bzw. grob oberflächlich. Sie meint reversibel und nicht determiniert. Weiter lässt die Autorin wesentliche Aspekte weg und landet damit bei einer ziemlich flachen Kritik, die weit hinter dem aktuellen Stand der Diskussionen zurückbleibt. Penrose etwa bringt die Quantenmechanik für die Betrachtungen der Hirntätigkeiten ins Spiel, ausdrücklich mit dem Hinweis, einen nicht-deterministischen Ansatz zu verfolgen. Wie kann man das komplett weglassen in einem Buch über die Hirnforschung? Die Autorin baut sich da Pappkameraden auf - die es ja auch gibt, vgl. den unsäglichen G.Roth -, die aber eben nur einen Teil der Forschung ausmachen. Da hatte ich mir deutlich mehr versprochen und im Vorwort klingt die Autorin auch so, als könne sie das leisten. Tatsächlich schreibt sie dann nur eine brave Semesterarbeit.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.06.2014, 14:39:24 GMT+2
Zuletzt vom Autor geändert am 23.06.2014, 16:11:25 GMT+2
Andre Wagner meint:
Mir ist nicht klar, warum man sich auf Searle und Dennett beziehen sollte? Auf Ernst Cassirer habe ich deswegen verwiesen, weil man auch den Standpunkt einnehmen kann, dass bereits sein Werk über die Arbeiten von Dennett hinaus geht. Dort finden sich die gleichen Argumente gegen Dennett und Searle, die auch heute noch erhoben werden, etwa von Putnam. (Mal davon abgesehen dass sie Bennett & Hacker kennt und zitiert...).
Daran kann man bereits erkennen, dass die Philosophie sich - im Gegensatz zur Naturwissenschaft bzw. der Wissenschaft - über die Zeit nicht zwangsweise weiterentwickelt. Das ist leider auch zu früheren Zeiten bereits so gewesen. Teilweise liegt es auch daran, dass einzelnen Philosophen bestimmte Werke oder ganze "Denktraditionen" nicht vertraut sind. Wer sich nur mit analytischer Philosophie befasst, kann die "kontinentale Philosophie" leicht übersehen. Und genau dieser ist die Autorin am ehesten zuzurechnen. Sie spricht auch ganz direkt von der Phänomenologie.

Damit sage ich nicht, dass ich ihr in irgendeinem Punkt zustimme, aber solche Details sollte man beachten.

PS: Ich bin mit Quantenmechanik (vor allem der zugrunde liegenden Mathematik...) durch mein Studium vertraut. Um ob man bei der Quantenmechanik von Determinismus spricht oder nicht ist sehr wohl eine Frage der Interpretation. Die ganze Debatte um die Interpretation der Quantenmechanik beginnt bei der Frage, wovon die Physik handelt... worauf sich die "Wellenfunktion" bezieht.
Sie erwähnen Hawkings... ich bin mir sehr sicher - seine Werke kenne ich nicht - dass er im Zusammenhang mit diesem Thema von einer "Wellenfunktion des Universums" spricht. Das findet sich so fast bei jedem, der diese Theorie realistisch interpretiert. Das hat den einfachen Grund, dass nur dann der "Indeterminismus" beim Messprozess verschwindet.

Etwas noch kurz so am Rande. Hier habe ich eine Rezension des Buches von G. Roth gefunden: http://www.tagesspiegel.de/wissen/neurobiologie-der-geist-aus-der-maschine/6907160.html

"Es mag sein, dass es Neurobiologen oder Neurotheoretiker gibt, die so denken, aber die meisten Neurobiologen sind hier eher zurückhaltend." - Da mag er recht haben, aber ich kann mich noch gut an das Manifest von 2004 erinnen, was da er und Singer von sich gegeben haben (die Ausgabe habe ich auch noch) und nicht nur dort. Selbst wenn die überwiegende Mehrheit der Forscher zurückhaltend ist (und in den Fachbüchern, die ich kenne, ist sie das tatsächlich), so sind es (bis auf Ausnahmen) leider nicht diejenigen, die sich dazu berufen fühlen, Sachbücher für ein großes Publikum zu schreiben.

Interessant ist das: "Geistige Zustände mögen höchst eigenartig sein, aber sie unterliegen physikalischen Gesetzmäßigkeiten."

Genau das ist ja ungeklärt. Wobei, was meint er mit "Geistiger Zustand"? Das Problem seiner Aussage ist letztendlich, dass dann auch der Inhalt des Denkens physikalischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt... z.B. die Mathematik. Und genau dieses Argument wurde auch schon vor 100 Jahren vorgebracht. Witzig.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.06.2014, 20:36:09 GMT+2
Ceebulon meint:
Ich hoffe, Sie sind mir nicht böse, wenn ich bei Ihrer Antwort nicht erkennen kann, wo es um was geht ;-)

Ihren unausgesprochenen Vorwurf, ich kennte mich nur mit der analytischen Philosophie aus, konter ich mal mit einem hübschen Bild von Husserl, dem Vater der Phänomenologie und dem vielleicht bedeutensten Denker des letzten Jahrhunderts: "Eine Rechenmaschine arbeitet nach den Gesetzen der Mechanik, aber trotzdem kann man mit ihr nicht die Gesetze der Arithmetik erklären."

Zur Quantenmechanik: Sie ist einerseits bei der Einzelmessung propabilistisch, aber andererseits über Quantensysteme deterministisch. Die Wahrscheinlichkeit kann ja vorhergesagt werden. Das habe ich mit dem Bild im vorhergehenden Beitrag bereits beschrieben.

Nun zum Kern, nämlich zu dem Buch, über das wir hier reden: Meine Hauptkritik ist, dass die Autorin ihren zentralen Begriff - "Determinismus" - entweder nicht verstanden hat oder schlicht falsch gebraucht. Bei einem für das Buch weniger wichtigen Begriff, wäre das zwar auch ein Problem - aber das Buch handelt exakt von diesem Begriff. Determinismus ist aber eben nicht Reversibilität - auch nicht in der Physik! Zusammen mit den Kommentaren zB. zur Theorie der parallelen Welten oder zu Penrose beweist das eine bemerkenswerte Unkenntnis der Details, die das Buch eben fachlich komplett diskreditiert.

Grüße

Veröffentlicht am 09.12.2015, 09:29:51 GMT+1
lempel meint:
Eben Frau Falkenburg im philosophischen Radio gehört und dort genauso über ihre Erläuterungen zum Determinismus und zur Quantenmenchanik gestolpert. Selbst Physiker, habe ich mich schon etwas gewundert, wie unsauber die Begriffe zu einer Argumentationslinie zusammengeworfen werden. Von einer promovierten und habilitierten Physikerin hätte ich mehr erwartet. Obwohl im Durschnitt gut bewertet, hat mich diese Rezension überzeugt das Buch nicht zu kaufen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.12.2015, 11:21:31 GMT+1
Andre Wagner meint:
@lempel

Haben Sie Beispiele? Etwas zu behaupten und anzumerken, man wäre Physiker... so muss jeder Vertrauen in ihr Urteil haben, obwohl die Grundlage für dieses Vertrauen fehlt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.12.2015, 15:00:27 GMT+1
Ceebulon meint:
Und nun werde ich mein Exemplar sicherlich nicht mal mehr bei e-bay los ;-)
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