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Kundenrezension

„In einer abnormen Situation darf man sich nicht normal benehmen. Man muss sich anpassen.“
Worte sind eine starke Kraft, und Sätze wie dieser können Leben retten. Zum Beispiel das Leben der Jüdin Marie Jalowicz Simon. Sie hat die Naziherrschaft überlebt, weil sie in Berlin untergetaucht war.

Marie Simon hat sich der abnormen Situation angepasst, und sie brachte die nötigen Charaktereigenschaften mit, um brenzlige Begegnungen mit der Ordnungsmacht und das Leben in der Illegalität zu überstehen.
Dazu gehörten Überlebenswillen, Kampfgeist und die Bereitschaft, unmoralisch zu handeln.
„Moralische Bedenken hatte ich nicht. Ich wollte leben, und das ging nun mal nicht anders.“

Die wichtigste Eigenschaft jedoch war schlicht und ergreifend Frechheit.
Die Frechheit, den gelben Stern einfach nicht zu tragen. Die Frechheit, denjenigen gegenüber, vor denen sie eigentlich Angst haben sollte, selbstbewusst aufzutreten. Die Frechheit, Polizisten die Unsinnigkeit der zahlreichen Verordnungen, die den Alltag der Juden reglementierten, vor Augen zu führen. Die Frechheit, sich als Nachbarin auszugeben und zu behaupten, die gesuchte Marie Simon sei schon deportiert worden. Die Frechheit, falsche Papiere zu besitzen. Die Frechheit, sich nicht umbringen zu lassen.

Nur nicht auffallen, war die Devise. Wie? Zum Beispiel, indem man die Stürmerkarikaturen mit ihren Merkmalen, anhand derer die Leute meinten, Juden sofort erkennen zu können, für sich nutzte.
„Wenn eine Person alle diese Merkmale hat, denkt man sofort: Ach, ein Jude. Wenn ein Jude nur eins von diesen zehn charakteristischen Merkmalen hat, fällt er in einer Gruppe mit neun germanischen Typen aber gar nicht auf. Erst wenn zehn Juden mit je einem solchen Merkmal zusammen sitzen, sind sie unverkennbar eine jüdische Gruppe.“
Das machte den Kontakt zu jüdischen Gruppen gefährlich, und Marie Simon hat sich daher für einen anderen Weg entschieden.

Dabei war es hilfreich, dass Marie Simon zwar über einen hohen Bildungsgrad verfügte, sich gleichzeitig aber auch mühelos in anderen gesellschaftlichen Schichten bewegen konnte.
Diese Anpassungsfähigkeit kam ihr oft zugute, denn die meisten Menschen, die ihr geholfen haben, kamen aus der Arbeiterschicht.

Allerdings war das für Marie Simon nicht gerade einfach. Denn sie identifizierte sich sehr stark mit ihrem bürgerlichen Elternhaus und war stolz auf ihre höhere Bildung. Über die Angehörigen der Arbeiterklasse machte sie sich lustig; sie sah auf sie herab .

„Wieder einmal haderte ich mit meiner Entscheidung, auf der Seite der Armseligen, der Ausgebeuteten, der Unterdrückten oder, christlich gesprochen, der Mühseligen und Beladenen zu stehen. Diese Milieu gefiel mir einfach nicht.“

Marie Simon machte kein Hehl aus ihren Abneigungen.
Zum Beispiel gegen ein Kind, das sie nicht leiden konnte, weil so „viele jüdische Kinder ermordet wurden“ - als ob dieses kleine Kind dafür verantwortlich war.
Besonders belastet war ausgerechnet Maries Verhältnis zu der Frau, die am meisten für sie getan hatte.
„Sie wollte mich armselig, abhängig und leidend haben, um mich dann tröstend streicheln zu können.“
Diese Vorbehalte und abfälligen Gedanken machten mir Marie Simon nicht besonders sympathisch.

Genau das sehe ich als die besondere Stärke dieses Buches.
Nur allzu oft sind die Protagonisten solcher Überlebensgeschichten allzu einseitig positiv gezeichnet und werden zu Heldinnen und Helden stilisiert, die immer nur gut, gerecht und moralisch einwandfrei handeln. Allzu oft sind sie verklärt weichgezeichnet.
Dass ein Opfer per se gut ist und keine negativen Eigenschaften haben darf, ist positive Diskriminierung und genauso realitätsfern wie die Annahme, dass Täter per se schlecht sind.
In Wirklichkeit ist kein Mensch immer nur gut oder nur schlecht. Wir alle haben unsere dunklen und unsympathischen Seiten, die gerade in Notsituationen zutage treten. Wir alle haben aber auch gute Seiten, die manchmal unvermutet zum Vorschein kommen.

Durch diese differenzierte Darstellung und den Mut, auch die unsympathischen Eigenschaften der Protagonistin zu zeigen, hebt sich dieses Buch positiv von ähnlichen Werken ab.
Und es übermittelt eine wichtige Botschaft, die heute immer noch genauso aktuell ist wie damals.

„Es lohnt, nicht im Takt mitzumarschieren. Es hat sich auch gelohnt, all die Ängste und Widrigkeiten auf mich zu nehmen. Denn das Leben ist schön.“
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