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Kundenrezension

am 4. Februar 2007
Zugegeben: Bei der Beurteilung dieser Einspielung gänzlich objektiv zu sein, fällt mir nicht leicht, denn mit der Fernsehausstrahlung dieser von der Unitel und dem Bayerischen Rundfunk produzierten Aufzeichnung Anfang der 80er Jahre in der ARD begann meine bis heute anhaltende Begeisterung für die Musik Richard Wagners. Das Nostalgiesternchen zusätzlich möge man mir daher verzeihen...

Bei der vorliegenden Aufzeichnung handelt es sich um Aufnahmen der von 1976 bis 1980 mit großem Erfolg gespielten Inszenierung, die der französische Theater- und Filmregisseur Patrice Chéreau anlässlich der Einhundertjahrfeier der Bayreuther Festspiele 1976 inszeniert hat. Götterdämmerung wurde 1979 (noch mit analogem Ton) und die restlichen drei Opern 1980 (digital) im Bayreuther Festspielhaus aktweise ohne Publikum aufgezeichnet.

Was bleibt gut 25 Jahre später von dieser bei ihrer Premiere hochumstrittenenen und später fast ausnahmslos gefeierten Inszenierung übrig? Boulez' Dirigat gehört neben dem von Karl Böhm (1966/67) zu den schnellsten, die bis heute gespielt worden sind. Definitiv ein Pluspunkt, da es zu keinem Zeitpunkt unpassend wirkt, sondern an den richtigen Stellen die Dynamik der Handlung hervorhebt. Als Beispiel sei der Botenbetricht der Waltraute genannt (Götterdämmerung, 1. Aufzug, 3. Szene): Dass die Botin abgehetzt und ihre Nachricht dringlich ist, wird von vielen Dirigenten (am schlimmsten bei Knappertsbusch) zu Lasten einer überdimensionierten Entfaltung der Waltraute-Partie schlichtweg ignoriert. Dieser Gefahr erliegt Boulez zu keinem Zeitpunkt. Die Besetzung der Gesangspartien ist nicht durchgängig von herausragender Qualität. Zwar gibt es keine Totalausfälle, doch gehört Donald McIntyre rein stimmlich sicherlich nicht in die allererste Liga der Bayreuther Wotan-Interpreten. Er bringt die Verzweiflung und Zerrissenheit Wotans insbesondere in der Walküre zwar hervorragend zur Geltung, insgesamt ist die Stimme jedoch einfach zu schwach, und auch in seinen späten Bayreuth-Jahren litten seine Darbietungen zu sehr unter seinem starken englischen Akzent. Manfred Jungs Siegfried ist ebenfalls keine Offenbarung: Sein Vortrag ist von inbrünstiger Intensität, aber letzlich muss auch ein Heldentenor mehr als nur laut und kraftvoll sein. Auf der Plusseite zu verbuchen sind auf jeden Fall der damals am Anfang seiner Karriere stehende Siegfried Jerusalem, der Frohs in diesem Fall leider viel zu kleine Partie mit glasklarer Stimme intoniert. Peter Hofmann stand Anfang der 80er im Zenit seiner (leider viel zu kurzen) Karriere als Wagner-Tenor: Sein Siegmund gehört ebenfalls zu den Glanzlichtern der Aufnahme und wird durch Jeannine Altmeyers großartige Sieglinde und Matti Salminens perfekten Hunding kongenial ergänzt, was insbesondere den ersten Aufzug der Walküre zum Höhepunkt der Aufnahme macht. Herausragend ist aber vor allem Heinz Zednik in seiner Paraderolle als Mime im Siegfried und als wohl bester Loge, der jemals den Weg auf einen Bild- bzw. Tonträger gefunden hat. Seine Interpretation des Feuergottes als mephistophelischer Schalk ist bis heute unübertroffen. Hier zeigt sich die Stärke dieses Rings in der Kombination von Bild UND Musik ganz besonders deutlich: Wie kaum ein anderer war er als MusikTHEATER konzipiert, will sagen: Auf die schauspielerischen Leistungen aller Mitwirkenden wurde von Chereau großen Wert gelegt, und sie sind größtenteils hervorragend. Selbst die durchschnittlichen Gesangsdarbietungen von McIntyre oder Gwyneth Jones (Brünnhilde) werden dadurch deutlich aufgewertet.

Die Making-Of-DVD wirkt an manchen Stellen zwar wie ein PR-Film für Bayreuth und Wolfgang Wagner, bietet aber darüber hinaus viele interessante Informationen rund um die Entstehung der Inszenierung und kann insgesamt als gelungene Abrundung dieser Box betrachtet werden.

Technisch hält Box leider nicht, was der Inhalt verspricht. Der Ton ist 5.1 remastered worden und macht damit selbst der CD-Aufnahme Konkurrenz, aber die Bildqualität ist schlichtweg unterirdisch. Als ich einmal einen amerikanischen Kollegen fragte, was eigentlich die Abkürzung NTSC bedeute, antwortete er mir mit gequältem Lächeln: Never The Same Color! Wie recht er hatte...! Obwohl die Aufnahmen von der Unitel damals in PAL durchgeführt wurden, hat man sich später im Interesse einer weltweiten Vermarktbarkeit für die Konvertierung in NTSC entschieden und diesem Ring damit unnötigerweise viel von seinem Glanz geraubt. Schade!

Fazit: Abgesehen von seiner Bedeutung als musikhistorischem Dokument einer der bedeutendsten Wagner-Inszenierungen überhaupt ist dieser Ring der beste, den man auf DVD kaufen kann. Weder die musikalisch indiskutable Stuttgarter Inszenierung noch der altbackene MET-Ring von Schenk/Levine können dem Gespann Chereau, Boulez und Bühnenbildner Richard Peduzzi auch nur annähernd das Wasser reichen. Wer also diesen Ring in Gänze genießen möchte und sich zwischen CD und DVD entscheiden will, sollte ein paar Euro mehr investieren und unbedingt zu den DVDs greifen!
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