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Kundenrezension

am 20. August 2008
Was haben wir uns gefreut! Der zwischenzeitliche Buchhalter Matt Barlow, mittlerweile mit schnittiger Kurzhaarfrisur ausgestattet, ersetzt erneut den irgendwie vom Pech verfolgten Ripper Tim Owens am Mikro der Power-Metal-Helden von Iced Earth. War ihm der Bürojob dann auf die lange Sicht doch zu langweilig. Ob sich dieser Austausch der Fronter wirklich gelohnt hat, wird sich erst in Zukunft zeigen, doch erste Auftritte mit dem neuen alten Sänger haben durchaus positive Eindrücke hinterlassen. Ob Barlow schlussendlich besser ist als Owens vermag ich nicht zu beurteilen, denn jeder hat seine eigenen Stärken, die absolut zur Band passen. Und um diese Frage geht es hier auch nicht, denn bei dieser Rezension geht es nämlich um den neuesten Longplayer der US-Metaller mit Namen The crucible of man.

Bei diesem Album handelt es sich um die Fortsetzung der Konzept-Geschichte, die mit dem Vorgänger-Album 'Framing armageddon- ihren Anfang gefunden hatte. Zu allererst war diese vertonte Story ja als Doppel-CD gedacht, doch Jon Schaffer meinte, dass die Fans damit wohl überfordert sein dürften und somit entschloss er sich, zwei selbständige Alben daraus zu machen. Ob diese Entscheidung aus finanziellen Gründen gefällt wurde, sei dabei dahin gestellt.

Nachdem mir der erste Teil Framing armageddon nicht unbedingt gefallen hatte, da mir das Ganze irgendwie zu wenig durchgedacht und musikalisch einfach nicht überzeugend war, war ich wirklich gespannt auf die neue Platte und hoffte natürlich auf eine gewisse Verbesserung. Nach Hören der vollständigen Promo-Version muss ich aber leider sagen, dass mich The crucible of man eher noch ein wenig mehr enttäuscht.

Das 15-Songs-starke Konzept-Album beginnt mit dem eher unnötigen Intro In sacred flames. Ein choraler Einsteiger, der mit weiblichen Chören und dramatisch anmutenden Gitarren und Geigen aufwartet. Nichts Besonderes, aber natürlich ein Muss einem Konzeptalbum.

5/10

Richtig startet das Album erst mit dem ersten wirklichen Song namens Behold the wicked child. Der Titel startet mit dem altbekannten, melancholischen Roman Barlows und bringt etwas Dramatisches mit sich. Ein typischer Iced Earth-Song, der aber ganz ohne das typische Stakkato-Riffing auskommt und dem Hörer einen traurigen Refrain bietet.

6/10

Minions of the watch ist ein knapper 2-Minuten-Song, bei dem ich mich nicht wirklich entscheiden kann, ob es sich hierbei um ein Interlude oder um einen richtigen Song handeln soll. Auf alle Fälle bietet dieser Titel nicht mehr, als zwei Minuten totale Langeweile, denn die Melodie und auch die Gitarrenlinien gehen überhaupt nicht ins Ohr und somit bleibt bei diesem Track ein eindeutig fahler Nachgeschmack zurück.

3/10

Weiter geht es mit The revealing. Ein weiterer kurzer Song, der zwar besser, weil härter, rüber kommt als noch Minions of the watch, aber auch hier tut sich für mich kein wirklicher roter Faden auf. Selbe Melodie, langatmiges Geriffe im Mittelteil und auch textlich nicht gerade ein Überflieger.

4/10

Nach vier Songs stellte sich bei mir schon eine gewisse Ernüchterung ein und ich wollte die Platte schon weglegen, doch dann habe ich mich aufgerafft und mir auch die weiteren Stücke angehört. Mit A gift or a curse bieten Iced Earth den ersten ruhigen Song des Albums. Die Hälfte des Songs lebt von spärlichen Gitarrenlinien und dem endlich wirklich überzeugenden Gesang von Matt Barlow, der meines Erachtens zum ersten Mal auf dieser Platte klingt wie früher. Wenn im Mittelteil dann die wirklichen Gitarren eingreifen, packt einen dieser Song richtig und lässt einen sehnsüchtig an die Something wicked comes this way-Zeiten zurückdenken. Ein wirklich guter Song'

9/10

Mit Crown of the fallen geht es weiter und Jon Schaffer und Co. können nach enttäuschendem Einstieg in die Platte zumindest einmal zwei starke Songs nacheinander abliefern. Barlow klingt hier zwar teilweise, wie sein Vorgänger bzw. Nachfolger und auch hier sucht man vergeblich nach dem typischen Stakkato-Riff. Schaffer scheint diesen Trademark wirklich ad acta gelegt zu haben.

8/10

The dimension gauntlet bietet ein Double-Bass-Gewitter und einen Power-Metal-Song der amerikanischen Art. Chöre, Sprechgesang und wieder einmal ein dramatisch anmutender Hauptriff, der leider die Eingängigkeit auf der Strecke lässt. Das sinnlose Geriffe im Mittelteil hätte man mit Sicherheit weglassen können. Klingt für mich eher wie ein Interlude.

4/10

Den Mittelpunkt des Albums stellt die Vorab-Single I walk alone dar. Wahrscheinlich einer der härtesten Songs der Platte, der mit seinem hymnischen Refrain zu den besten der gesamten Wicked-Reihe zählt. Ein wahrlich guter Song, der die richtige Stimmung transportiert und Barlows Stimme noch zusätzlich hervorhebt. I walk alone dürfte eigentlich den meisten schon bekannt sein.

9/10

Nach dem kurzen Höhenflug wird man aber wieder irgendwie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, denn Harbinger of fate kann zwar mit einem überzeugenden Text aufwarten und auch der dramatische Refrain weiß irgendwie zu gefallen, doch so richtig geht der Song nicht in die Gehörgänge, was eigentlich schade ist.

6/10

Mit Crucify the king nähert sich die Story textlich langsam dem Höhepunkt. Musikalisch gesehen leider nicht unbedingt. Der Song ist sicherlich einer der härtesten des Albums, doch mit Härte allein gewinnt man noch lange keine Fans. Wiederum fehlt mir ein gewisser Grad an Eingängigkeit, der immer Markenzeichen von Iced Earth war. Irgendwie plätschert das gesamte Album vor sich hin, ohne wirkliche Akzente setzen zu können.

5/10

Sacrificial kingdoms erinnert ein wenig an die Glorious burden-Scheibe zurück, denn Barlow wechselt ab und zu in etwas höhere Gesangslagen, so wie anno dazumal der Ripper. Der Refrain geht gleich ins Ohr und auch sonst handelt es sich hierbei um einen relativ überzeugenden Speed-Metal-Song.

7/10

Das Kranke ist immer mehr im Vormarsch und mit The wicked Part 3 erreicht es seinen vorläufigen Höhepunkt. Die Menschheit versinkt im Sumpf des Bösen und muss sich langsam zur Feuertaufe begeben. Zum ersten Mal wird das typische Stakkato-Riffing angewendet und durch die Unterstützung des (ich nehme zumindest an) Konserven-Chores klingt das Ganze gar nicht mal so schlecht.

7/10

Divide and devour legt dann wieder einen Gang zu. Harte Melodielinien erinnern an alte Trash-Zeiten, da hilft auch die prinzipiell überzeugende Gesangsleistung Barlow's nichts, denn dieser Song passt einfach nicht wirklich auf die Platte. Auch hier vermisse ich wieder den roten Faden, der für ein Konzept-Album einfach das Wichtigste ist.

4/10

Mit Come whatever may nimmt die Feuertaufe also langsam sein Ende und irgendwie bin ich sogar froh darüber, denn so wirklich kann ich mich mit dieser Platte einfach nicht anfreunden. Der 7-Minuten-Track passt ganz gut als vorletzter Song, denn irgendwie nimmt die Story somit ein offenes Ende an. Die stilistischen Einflüsse in diesem Song sind weit reichend, d.h., dass Iced Earth es noch einmal schaffen, ihr ganzes potentielles Können in einen Song zu packen. Nicht der Überhammer, aber ein würdiger Abschluss der Platte.

8/10

Epilogue stellt dann abschließend das Outro dar. Genauso wie Song 1 handelt es sich auch hierbei um nichts Besonderes. Ein reines Instrumental, das ein wenig orientalisch anmutet, aber nicht wirklich überzeugend daher kommt. Sicher nicht schlecht gespielt, aber einfach nur überflüssig.

3/10

So, das war's. Platte durchgehört und was soll man sagen. Hier bleibt ein eindeutig fahler Nachgeschmack zurück. Natürlich werden die Konzept-Alben-Freaks jetzt wieder lauthals schreien, dass man bei einer solchen Platte nicht die Songs einzeln bewerten darf und kann, sondern das Album als Gesamtes sehen muss. Da haben sie natürlich recht, doch da mir der lineare Erzählstrang auf dieser CD doch ein wenig abgegangen ist, habe ich mich dazu entschieden, auf jeden Titel einzeln einzugehen. Das Album als Gesamtes ist für mich nicht mehr als Durchschnitts-Kost, die sich mir nicht wirklich erschließen will. Die Idee hinter den beiden letzten Iced-Earth-Platten war wirklich gut, doch die musikalische Umsetzung lässt meiner Meinung nach doch zu Wünschen übrig.

The crucible of man ist für mich eines der schwächeren Alben der Iced Earth-Diskographie. Es hat einige Höhepunkte vorzuweisen (zB I walk alone), doch die vielen Durchhänger können dadurch einfach nicht wettgemacht werden. Wenn man sich Alben von anderen Künstlern dieses Genres ansieht, muss man einfach neidlos anerkennen, dass Jon Schaffer am Zenit seiner Kreativität angekommen ist. Schade, aber mehr als wirklich ganz knappe 3 Sterne hat The crucible of man einfach nicht verdient'

PS: Ich wollte zuerst nur 2 Sterne vergeben, doch die geniale Story dahinter, hat mich dann doch noch zu einem zusätzlichen Stern bewogen!
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