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Kundenrezension

am 15. Februar 2006
Personen und Gegenstände, an die sich niemand mehr erinnert, gehen in diesem Roman als Geistwesen in das Traumland Quassinja über und leben dort gemeinsam mit diversen Ungeheuern aus den vergessenen Alpträumen der Menschen. Der verstorbene Tyrann Xexano und der Altertumsforscher Pollok bringen diese Ordnung durcheinander, als sie über einen vorchristlichen Torbogen im Berliner Pergamon-Museum in die jeweils andere Welt wechseln. Xexano stiehlt Polloks Kindern und Arbeitskollegen jede Erinnerung an den Wissenschaftler und lässt alle möglichen Objekte verschwinden, um seine eigene Existenz zu verschleiern. Das spornt die Kinder zu Recherchen an, die ins Babylon des Alten Testaments führen.
Das Konzept erinnert an Harry Potter: In einer Parallelwelt strebt ein skrupelloser Bösewicht nach der Weltherrschaft und wird von einem 14-jährigen Jungen an der Machtübernahme gehindert. Diese Welt ist voll von alten Mythen und Sagengestalten wie Einhörnern, Zentauren und geflügelten Pferden. In Quassinja kommt noch ein historisches Raritätenkabinett dazu: Napoleons Mantel, König Arthus Tisch, Albert Schweizers Arzttasche u.Ä. als personifizierte Erinnerungen.
Der Handlungsverlauf ist in beiden Welten spannend, die Schilderungen sind allerdings teilweise langatmig und die Handlungslogik darf man nicht allzu kritisch hinterfragen: Wenn Vater Pollok den entscheidenden Verdacht in seinem Tagebuch nicht ausspricht, weil er "so unglaublich" ist (S. 39), fragt man sich, wozu der Mann überhaupt ein Tagebuch führt. Wieso das Reich der Erinnerungen im 19. Jh. plötzlich abreißt und z.B. keine Grammophone oder Automobile beherbergt, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Die penible Recherche historischer Details war eine Fleißaufgabe des Autors, denn sie werden im Gewirr von Realwelt, alttestamentarischen Überlieferungen und Phantasiewelt nicht als Fakten erkannt.
Isau erzählt flüssig und wortgewandt, mit einem leichten Hang zur Gespreiztheit ("Die Nahrungsmittelspende wurde von Oliver und Jessica ihrer Zweckbestimmung zugeführt", "Mit Unterstützung der Taschenlampe", "die als belanglos liegengelassenen Gegenstände"). Seine Dialoge sind spritzig, frei von abgedroschenem Seifenoper-Jargon, aber nicht immer authentisch, denn die Kinder sprechen wie Erwachsene. 14-jährige würden im richtigen Leben wohl kaum zu ihresgleichen sagen: "deine Entschuldigung mit der momentanen kreativen Konzentrationsverschiebung" (S.14) oder "Ich bin eine Frau, Olli" (S. 16). Auch einige Anglizismen trüben das Bild ("Es hat keinen Zweck über verschüttete Milch zu klagen", S. 314, "Eleukides sicherte seinen Bart mit der Hand", S. 208). Im Bemühen um politische "Korrektheit" ("Götter und Göttinnen") wirkt Isau unfreiwillig komisch, wenn er das weibliche Geschlecht eines Kolibris betont und dann formuliert: "der Kolibri ist eine Expertin auf diesem Gebiet" (S.159).
Wenn der Autor die Auswirkungen von Gedächtnisverlust schildert, beginnt man unwillkürlich über den Wert persönlicher Erinnerungen zu sinnieren, und die Geschichte bekommt eine philosophische Dimension. Plakative Gesellschaftskritik, die in das Buch gerne hineingeheimst wird (Umschlagtext: "Roman wider das Vergessen"), kann ich hingegen keine erkennen. In Isaus Welt ist das Vergessen nämlich nicht die Folge mangelnden Geschichtsbewusstseins, sondern die Geheimwaffe eines Zauberers, gegen die die Menschen machtlos sind. Die Gegenstrategie, mit der sie erfolgreich sind, ist nicht das Sich-Erinnern, sondern Scharfsinn, Hartnäckigkeit und Teamwork. Auch die Dritte Reich-Thematik, die nebenbei angesprochen wird, ist nur ein Denkanstoß unter vielen, aber nicht das Hauptanliegen des Buches.
Mit seinem originellen Thema und der gelungenen Mischung von Abenteuer, Kriminalrätsel und Geschichtsforschung ist der Roman trotz kleiner Abstriche bei Stil und Logik eine empfehlenswerte Lektüre für Jugendliche und Erwachsene.
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