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Kundenrezension

am 24. September 2013
Marcus Goldman, Nachwuchsstar der amerikanischen Literaturszene, hat ein Problem: Ihm fällt nichts mehr ein. Ablenkung naht, als die Leiche eines seit über dreißig Jahren vermissten Mädchens auf dem Grundstück seines Mentors Harry Quebert gefunden wird. Marcus macht sich auf, den väterlichen Freund vom Mordverdacht reinzuwaschen... und findet dabei weit mehr als nur ein Thema für seinen neuen Roman.

"Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" gehört zu den Büchern, die alleine deswegen lesenswert erscheinen, weil sie mehr als ein Genre bedienen. Krimi - ja, schließlich gibt's reichlich Leichen, Verdächtige und falsche Spuren, aber auch ein Entwicklungsroman, denn Nachwuchsstar hin oder her, erwachsen ist Marcus noch lange nicht, eine Liebesgeschichte, ein Blick in die amerikanische Kleinstadtwelt, ein Buch über das Bücherschreiben, und, besonders clever, ein schön verschachtelter Roman im Roman. Der letzte Punkt äußert sich schon in der Aufmachung (die ein guter Grund ist, sich ein altmodisches Papierexemplar und kein Ebook zuzulegen), wird konsequent bis zur Danksagung durchgehalten und durch ein wenig Schnickschnack unterstrichen - so zählen wir die Kapitel rückwärts und erfahren nebenbei von Harry Quebert selbst, wie man ein richtig gutes Buch schreibt.

Nun bestehen Bücher aber nicht nur aus Aufmachung und Ideen, sondern auch aus der Umsetzung. Schon die Ausgangssituation konnte mich nicht so recht überzeugen: Marcus Goldman, dessen erklärtes Ziel es ist, Harrys Unschuld zu beweisen, darf so ohne weiteres den zuständigen Polizeibeamten bei seinen Ermittlungen begleiten und das, was er dabei erfährt, für seinen Roman verwenden. Dabei zaubert der Autor bis zum Ende hin immer wieder ein paar Kracher aus dem Ärmel, die die Spannung hoch halten. Genauso konsequent öffnet er aber auch ständig neue Logiklöcher, die mit der Auflösung nicht kleiner werden.

Dann ist da die Sache mit Nola. Der Autor hat die schwierige Aufgabe, uns Lesern eine echte Liebesgeschichte zwischen der fünfzehnjährigen Nola und einem zwanzig Jahre älteren Mann zu verkaufen. Und das misslingt meinem Empfinden nach völlig. Weder wirkt Nola auch nur ansatzweise wie eine Fünfzehnjährige (und ich schreibe mit Absicht nicht "wie eine normale Fünfzehnjährige"), noch versteht man, was die beiden aneinander finden - außer reichlich Gelegenheit, sich mit "Meine Allerliebste" - "Mein Allerliebster" anzuschmachten.

Das größte Problem ist aber in meinen Augen der Erzählstil. Der Roman ist extrem dialoglastig, wobei man sich vorzugsweise siezt und mit Vornamen anspricht. Das mag dem französischen Original geschuldet sein, wirkt auf über 600 Seiten aber irgendwann nur noch unnatürlich. Wenn dann wirklich mal erzählt wird, geschieht das sparsam, abgehackt und ohne jede sprachliche Originalität. Echte Nähe zu den Figuren entsteht dabei kaum, einige wirken klischeehaft und nicht ausgereift, andere überzeichnet und manche schlicht unglaubwürdig. Und vieles kommt einem auch irgendwie bekannt vor: Ein Hauch "Twin Peaks", eine gute Prise "Psycho", ein Schuss "Phantom der Oper" und woher kenne ich noch die Zutat "Nola"? - ach ja, aus Woody Allens "Matchpoint". Fertig ist der Buchcocktail.

Die wirklich wahre Wahrheit über den Fall Harry Quebert? Harry Quebert sagt es selbst: "Ein gutes Buch, Marcus, ist ein Buch, bei dem man bedauert, dass man es ausgelesen hat." Nach über siebenhundert Seiten habe ich tatsächlich Bedauern gespürt. Allerdings nicht, weil ich das Buch ausgelesen hatte, sondern weil aus der tollen Idee kein besserer Roman geworden ist.
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