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Kundenrezension

am 7. August 2013
Unter musikdramatischen Gesichtspunkten ist Tosca vielleicht Puccinis gelungenstes Opus. Die Verquickung von persönlicher Tragödie, Puccinis melodieaffinem Melos und politischem Drama besitzt (um nur zwei Beispiele zu nennen) weder die Tendenz der Boheme zum Sentimentalen, noch die sentimentalistische und letztlch verharmlosende Sicht des Kolonialsmus der Butterfly. Tosca ist Drama sui generis, in ihrer Schonunslosigkeit an der Grenze zum Existenzialismus.

In der vorliegenden, insgesamt herausragenden Inszenierung des Royal Opera House verlässt sich Jonathan Kent weitgehend auf traditionelle Erzählmuster. Dies birgt den Vorteil, dass der Regisseur quasi hinter das Werk zurücktritt, verhindert jedoch die Schärfung gewisser Akzente. Ein weniger konventioneller Ansatz hätte die Möglichkeit geboten, die weniger vertrauten Aspekte des Werkes zu verdeutlichen. Tosca als Regietheater? Mit einem ausreichend begabten Regisseur sicherlich eine noch tiefgreifendere Erfahrung.

Doch nörgele ich hier auf sehr hohem Niveau. Musikalisch ist diese Produktion außerordentlich. Papano dirigiert stringent und kundig, wie gewohnt mit großem Theaterinstinkt. Das Orchester folgt dem Drigenten souverän und angemessen. Und die Sänger? Unter Stimmkennern wird häufig die alte Callas/deSabata Einspielung als das Maß aller Dinge angesehen. Als audivisuelles Gesamterlebniss könnte diese Produktion der alten Referenz allerdings zu Seite treten.

Angela Gheorghiu. Sie ist wieder in der Lage das Versprechen eines großen Namens einzulösen, das etwa eine medial überhypte Netrebko nur abgibt. Ein klug geführter, warmer, ausgeglichen-klangschöner Sopran, der sich dem dramatischen Ausdruck verplichtet. Nie hatte ich hier den Eindruck purer Äußerlichkeit. Gheorghiu weiß, was sie singt. Oper muss, wenn sie Kunst sein will, eben mehr bieten als süsslichen Zeitvertreib. Mit dieser Prämisse ist man bei der großen Rumänin gut aufgehoben.

Jonas Kaufmanns baritonal getöntes Timbre hat zu diversen nicht gerechtfertigte Anwürfen geführt, die zumeist auf der Verwechselung subjektiver Vorlieben mit tatsächlichen technischen Mängeln beruhen. Kaufmann ist keiner jener primär hell und effektvoll tönenden Corellis. Seine technisch weitgehend markellos geführte Stimme bietet Intensität, Ausdruck und Kraft statt purer Schauwerte. Ein Dramatiker des Singens, kein Zirkuspferd des hohen C- und somit hier völlig richtig am Platz.

Die insgesamt größte Sensation dieser Aufführung ist jedoch einmal mehr Bryn Terfel. Ein Singdarsteller von nahezu elementarer Wucht. Hier ist alles Ausdruck, ohne ein einziges Mal unmusikalisch zu werden. Terfel singt und spielt sich durch zahllose Aspekte des Bösen, durch rohe Gewalt wie durch perfide Meschenverachtung, er ist von Grund aus verlogen, gefährlich charmant, perfekt pathologisch, dann kalt brechnend, schier wiederlich geil, genial mephistofelisch, begeistert korrupt, haltlos sadistisch. Und ist dies alles ohne einen Anflug von sentimentaler Reue. Ein Abrund und ein entsetzlicher Spiegel. Hier erleben wir bei Puccini plötzlich ein expessionistisches Lehrstück, eine Studie über Verkommenheit und die entsetzliche Faszination eines vollkommenen Nihilismus, hochaktuell, heutig und doch zeitlos. Oper als schwarzer Spiegel. Es ist für mich ein Lehrstück, was gutes Musiktheater ausmacht: die Transzendierung des Stoffes bis zu einer allgemein gültigen Aussage zum Menschlichen.

Die Optik ist (zumindest auf meinem mittelgroßen TV) sehr klar, die Farben kraftvoll. Der Klang in DTS 5.1 natürlich und gut ortbar. Es liegt ein schmales Booklet mit ordentlichem mehrsprachigen Einführungstext bei, außerdem ist ein knapper Einführungsfilm enthalten. Gerade zu dem fairen Preis sicherlich eine Einpielung von essentiellem Charakter. Not to be missed.
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