Ein Foto-Band, der fast wie eine Dokumentation, ein Tagebuch wirkt, ein Patchwork-Diary, zusammengeklaubt von einigen Jet-Set-Ladies, die kurz zwischendurch Zeit fanden für das wenigstens fotografische Fixieren ihrer eiligen Zwischenstationen auf ihren erotischen Kriegszügen. Eine moderne feminine Schlachten-Malerei, manchmal mit triumphalen Momenten, am Morgen danach, in einem teuren Hotel mit Blick auf die Hafen-Anlagen von New York oder Hong-Kong, hoch über der Stadt Rio de Janeiro oder Barcelona. Aber es gibt nicht immer nur diese Siegesfeiern, fast genauso häufig finden wir die wunderschönen Frauen auf der Flucht, niedergeschlagen, nachdenklich, streitbar. In den ruhigeren, Aktions-freien, aber dafür planungsprallen Zwischenphasen zwischen Triumphen und panischen Abschieden finden sich immer wieder Aufnahmen, die ich als "Such-Bilder" bezeichnen möchte: Versteckt in riesigen, zweiseitig gedruckten Stadt-Panoramen entdeckt man plötzlich klitze-klein hinter einem Fenster oder auf einem Balkon eine fast unbekleidete Frau - kurz vor oder kurz nach einem ihrer an Risiko reichen Versuche, mit den Waffen einer Frau zu siegen. Wie die Museumskuratorin Michelle Marie Roy aus Stockholm schreibt: "Es entsteht der Eindruck, als hätte man das Kino mitten im Film betreten." Ja, exakt, und: Man will eintauchen in diese Story, will erfahren, wie es weitergeht - oder wie alles anfing. Man beginnt einen kompletten Roman um solch ein Einzel-Foto herum zu phantasieren. Ein Kunstwerk soll die Kraft der Phantasie in uns anstoßen. David Drebin schafft das in jeder seiner Kompositionen: Er hat die Schallmauer zwischen banaler Fashion-Fotografie und sublimem Kunstwerk durchbrochen.