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Kundenrezension

am 22. Dezember 2010
Das sensationelle Interviewbuch des regierenden Heiligen Vaters Benedikt XVI. hält nicht nur das, was es verspricht ("der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit"), nein, es übertrifft jedenfalls meine Erwartungen. Wer dieses Buch von Peter Seewald ganz liest, lernt nicht nur die Motivationslage des jetzigen Petrusnachfolgers besser kennen, nein, er versteht auch viel besser, um was es der Kirche weltweit geht und immer gehen wird müssen. Dabei betont der Papst selbst, daß er damit nichts Unfehlbares produzieren wolle (vgl. S. 22). "Der Papst kann selbstverständlich verkehrte Privatmeinungen haben." (S. 23) Sogar zum ersten Band seines Jesusbuches hält er fest: "Es ist eben kein Buch des Lehramtes, kein Buch, das ich in meiner päpstlichen Vollmacht geschrieben habe" (S. 198) So lernt der Uninformierte auch den wahren Gehalt der päpstlichen Unfehlbarkeit kennen. Manche Leser werden sich trotzdem schwertun mit der Darstellung des Papstes, daß es sich bei der Rücknahme der Exkommunikationen gegenüber den "Piusbischöfen" um einen ganz normalen rechtlichen Vorgang gehandelt habe (vgl. S. 39 und vor allem S. 148 ff.) Glaubwürdig bekennt der Papst an anderer Stelle: "Deshalb war es für mich klar - auch hier in voller Kontinuität mit Papst Johannes Paul II. - daß dieses neue, liebende, verstehende Ineinander von Israel und Kirche im jeweiligen Respekt für das Sein des anderen und seine eigene Sendung wesentlich sein muß für meine Verkündigung des christlichen Glaubens." (S. 106) Der Papst "ist an das Zweite Vatikanum [= 21. Ökumenisches Konzil der Katholischen Kirche] gebunden." (S. 121) Die ganze Argumentation des Papstes ist somit absolut nachvollziehbar und sachlich richtig, und ebenso klar benennt er unter dem Kapitel "Der Skandal des Mißbrauchs" die seit 1960 erfolgte Vernachlässigung des Kirchenrechtes und darin des Strafrechtes zum Schaden des kirchlichen Gemeinwohles: "Und zur Wahrheit gehört auch, daß ich denjenigen strafen muß, der gegen die wirkliche Liebe gesündigt hat." (S. 43)

Wie Erzbischof Rino Fisichella, der Präsident des neuen Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, richtig bemerkt hat, öffnet Benedikt XV. mit diesem Interview tatsächlich sein Herz, "was sein tägliches Leben betrifft, so wie er mit der nötigen Offenheit die Probleme anspricht, die sich im Verlauf der Geschichte dieser Jahre" seines Pontifikates ergeben haben. Dies alles erfolgt in radikaler Ehrlichkeit: "Für mich jedenfalls war es eine Überraschung, daß der Mißbrauch auch in Deutschland in dieser Größenordnung existierte." (S. 44) "Alles, was Lüge und Verheimlichung ist, darf nicht sein." (S. 58) "Personalentscheidungen sind schwierig, weil niemand in das Herz des anderen hineinschauen kann und niemand vor Täuschungen sicher ist." (S. 108) Seewald frägt zum Teil provokativ, manchmal auch etwas langatmig, aber diese Fragestellungen scheinen dem Papst ganz gut zu gefallen und auch dem Höchstmaß seines Auffassungsvermögens zu entsprechen. Jedenfalls liegt es nicht nur an Seewald, daß der Papst sehr stark die Realitäten der Sünde sieht und auch darauf eingeht, nicht nur mit der von vielen unabsichtlich oder ganz bewußt mißverstandenen Kondom-Passage (S. 146 f.), sondern auch mit dem Beispiel des Priesters, der schon länger mit einer Frau illegitim zusammenlebt und eine gute Ehe bilden könnte: "Wenn dem so ist, müssen sie diesen Weg gehen." (S. 58)

Offen bleibt für mich, wie sich die wiederholte Argumentation des Papstes, daß die Glaubens- und Sittenlehre neu übersetzt und offenbar besser verkündet werden müsse, konkret auswirken müßte: "Oft wurde dieser Kommende [Jesus Christus] zwar einerseits in wahren, zugleich aber auch in abgestandenen Formeln vorgetragen. Sie sprechen nicht mehr in unseren Lebenszusammenhang hinein und sind oft für uns nicht mehr verständlich." (S. 84, vgl. vor allem auch S. 163 f. und S. 175) Was ist mit der besseren Übersetzung gemeint, wenn doch die wesentlichen Inhalte der katholischen Lehre absolut unveränderlich sind, wie es auch aus der (zum hier besprochenen Buch für immer dazugehörenden) "Note der Kongregation für die Glaubenslehre" (vom 21. Dezember 2010) gegen die heutige Banalisierung der Sexualität hervorgeht. Diese relativ spät publizierte Note zum richtigen Verständnis einiger Passagen des Papstinterviews ist aber im Grunde nur für die gemeint, die das Buch nicht ganz gelesen haben oder es bewußt für ihre ideologischen Zwecke mißbrauchen wollen. Daß aber dieser Papst durch und durch katholisch ist, ergibt sich schon alleine aus der klaren Ansage auf S. 71: "Wenn man beispielsweise im Namen der Nichtdiskriminierung die Katholische Kirche zwingen will, ihre Position zur Homosexualität oder zur Frauenordination zu ändern, dann heißt das, daß sie nicht mehr ihre eigene Identität leben darf, und daß man stattdessen eine abstrakte Negativreligion zu einem tyrannischen Maßstab machte, dem jeder folgen muß. Das ist dann anscheinend die Freiheit - allein schon deshalb, weil es die Befreiung vom Bisherigen ist." Und es "bleibt der große Auftrag der Kirche, daß sie Glaube und Vernunft, das Hinausschauen über das Greifbare hinaus und zugleich die rationale Verantwortung miteinander verbindet." (S. 101) "Wir sind keine Moralisten, aber wir tragen vom Fundament des Glaubens her eine ethische Botschaft, die den Menschen Orientierung gibt." (S. 113)

Unmißverständlich nimmt der Papst gegen Sexualitätsformen Stellung, die dem in der Schöpfungsordnung grundgelegten menschlichen Naturgesetz widersprechen: "Wenn man Sexualität und Fruchtbarkeit grundsätzlich voneinander trennt, wie es durch die Anwendung der Pille geschieht, dann wird Sexualität beliebig. Dann sind in der Folge auch alle Arten von Sexualität gleichwertig. Dieser Auffassung ... ist ja auch sehr schnell die Gleichbewertung der Homosexualität gefolgt." (S. 175) "Der Sinn der Sexualität ist, Mann und Frau zueinander zu führen und damit der Menschheit Nachkommenschaft, Kinder, Zukunft zu geben. Das ist die innere Determination, die in ihrem Wesen liegt. Alles andere ist gegen den inneren Sinn von Sexualität." (S. 180) "Homosexualität ist mit dem Priesterberuf nicht vereinbar. Denn dann hat ja auch der Zölibat als Verzicht keinen Sinn ... Hier muß größte Aufmerksamkeit walten, damit eine solche Verwechslung nicht einbricht und am Schluß die Ehelosigkeit der Priester sozusagen mit der Tendenz zur Homosexualität identifiziert würde." (S. 181)

Was den kurzen Dokumentenanhang Seewalds betrifft, so hätte die Regensburger Rede (S. 220) nicht nur auf das 2006 weltweit beachtete Zitat beschränkt werden sollen. Auch diesbezüglich ist der Papst radikal ehrlich und gibt damit auch indirekt den Hinweis, daß ihn damals offenbar kein Mitarbeiter gewarnt hatte: "Ich hatte die Rede als streng akademische Rede konzipiert und gehalten, ohne mir bewußt zu sein, daß man eine Papstrede nicht akademisch, sondern politisch liest." (S. 123)

Seewald und der Papst decken also sehr viele Themenbereiche ab, und daß zum Abschluß auch noch die sogar einigen Christen durchaus unangenehmen "Letzten Dinge" ausführlich durchgesprochen werden, ist ein Hinweis auf die durchaus gelungene Systematik des ganzen Interviewbandes. So meine ich mehr denn je: das Buch ist ein ideales Weihnachtsgeschenk. Es läßt besser verstehen, warum Jesus Christus gekommen ist: "Er ist in der Tat gekommen, damit wir die Wahrheit kennenlernen. Damit wir Gott berühren können. Damit uns die Tür offen steht. Damit wir das Leben finden, das wirkliche Leben, das nicht mehr dem Tod unterworfen ist." (S. 214)
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