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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Sei, der du bist, denn du lerntest: schön gilt bei Kindern der Affe." (Pindar, 2.Pythische Ode, IIIc), 5. Oktober 2013
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Rezension bezieht sich auf: Ein Bericht für eine Akademie (Fischer Klassik Plus 354) (Kindle Edition)
"Bei einem, der sie recht versteht,
ist auch die größte Kunstfertigkeit ohne Arg."
(Pindar, 7. Olympische Ode)

Kafkas Konfliktbericht aus dem Käfig ist im Jahre 1917 erschienen, just in dem Jahr, als er seiner Verlobten gestand, "... dass zwei in mir kämpfen, ... diese zwei sind ein Guter und ein Böser". Ein in Gefangenschaft geratener Affe namens Rotpeter entscheidet im Käfig Mensch zu werden, um sich aus dem Käfig zu befreien. Aus dem äußeren Käfig in die "menschliche Anpassung" werden Orte der Bindung und Fesselung getauscht. Innen oder außen, so scheint es, sind Bindungs- und Gefangen-Sein Bedingungen jeden Lebens, auch wenn die Bereitschaft hoch ist, sich der Erinnerung an die wirkliche Freiheit zu entledigen.

Kafka lässt den zum Menschen gebildeten Affen nicht sein "äffisches Vorleben" einreichen, ihm ist die Erinnerung bereits genommen, nicht konvertiert, sondern assimiliert in eine neue Welt der Menschen, kann er nur seinen Bericht halten. Sein Stand ist bereits derjenige einen gebildeten Mitteleuropäers, daher kann man nicht von Dressur sprechen, wohl aber annehmen, dass große Freiwilligkeit in der Veränderung lag. Denn "Ich, freier Affe, fügte mich diesem Joch" und es "verschlossen sich die Erinnerungen immer mehr".

Chronologisch berichtet nun Rotpeter seinen Lebensweg, stellt seinen Bericht für eine Akademie zusammen. Wie Benjamins Engel der Geschichte fühlte auch Rotpeter den "Sturm, der mir aus meiner Vergangenheit nachblies" und letztendlich den finalen Rückweg verschloss. Verschlossen war auch der Käfig, der sein erstes Zuhause war und "zum ersten Mal in meinem Leben [war ich] ohne Ausweg". Damit war Affe-sein passé, Mensch-sein war sein Ziel, wo es Auswege gab und man doch auf Freiheit verzichten konnte. Freiheit in dem großen Sinn; sich innerhalb der anerkannten Grenzen zu bewegen, schafft Auswege und eine praktische Freiheit (vgl. Bieri). Diese Freiheit entspricht dem Aspekt der Besonnenheit, "alles, was ich geworden bin, verdanke ich der Ruhe" und die wiederum schafften die Menschen während der Überfahrt. Sie waren alle wie einer, ununterscheidbar offensichtlich und ließen sich deshalb gut nachahmen, auch wenn "die meiste Mühe die Schnapsflasche machte". Diese Imitation hatte nur einen Grund: die Suche nach einem Ausweg. Und in Hamburg angekommen, blieben die zwei Möglichkeiten: Zoo oder Varieté. Varieté ist der Ausweg. Der Schein dominiert das Sein. Das Lernen war grandios, die Fortschritte groß, die Zukunft leuchtend, mit dem Wissen strahlte das erwachende Hirn. Wie ein Europäer reich an Durchschnittsbildung war der Ausweg gefunden, dieser Menschenausweg führte aus dem äußeren Gefängnis, hinein in die neue Möglichkeit. Welche Ironie, wenn der Ausweg des Affen über die Menschwerdung kommt und er nichts anderes sich wünscht, als "sich in die Büsche zu schlagen". Kein anderer Weg war möglich, weil die Freiheit keine Option war.

Gesundes Mittelmaß, so seine Devise, durch Nachahmung als Selbstdressur errungen, wie der Handschlag, der die Offenheit auf dem Schiff zeigt, um das Duell zu vermeiden. So wie es nicht ein Gefecht sein kann, wenn es eines Menschen Urteils bedarf. Denn ein Urteil ist immer eine Tendenz. Dieser Tendenz bedarf es nicht, es ist nur "Ein Bericht für eine Akademie". So habe er, Rotpeter, nur berichtet. Urteilen? Nein! Das erfolgt beim Leser. Vielleicht auch in Zusammenhang der Frage Sloterdijks: Warum der Mensch am Ende seiner Entwicklung zoologische Gärten oder Varietés einrichtet? Zumindest ist für Kafkas Rotpeter das Varieté der Ausweg. Das Flasche werfen begriff er früh, allerdings nicht aus Verzweifelung, sondern vorausschauend als Imitations-Künstler. Vielleicht ist so mit Pindar in der "Kunstfertigkeit ohne Arg" die Antwort gegeben

Kafka verweigert zu Anfang die Erinnerung für Rotpeter und doch ist der gesamte Bericht Erinnerung bis zur möglichen wahren Freiheit, die aber nicht einmal mehr debattiert(Sprache), geschweige erreicht werden kann. Der Schein bestimmt das Sein, die abstrakte Gesellschaft gilt als Maßstab und Spiegel jeden Einzelnen zur Klärung seines Verhaltens im Sinne einer Ordnung. Die Freiheit in anerkannter Vorgabe ist Imitations-Bestimmung des Ichs, die Kopie wird zum Initiationszeichen zur Einschreibung ins Menschsein. "Ein Zeichen sind wir, deutungslos / Schmerzlos sind wir und haben fast / Die Sprache in der Fremde verloren", so Hölderlin in "Mnemosyne". Hölderlins Idee vom "Werden im Vergehen" kann nicht besser vermittelt werden.
J. J. Rousseaus Aperçu, "dass [er] nicht über die Kunst verfüge, für jene verständlich zu schreiben [...], denen es an Aufmerksamkeit fehle" kann auch für Kafka gelten. Denn Kafka schreibt aus dunklen Perspektiven und hell wird es, wenn ein anderer ihn aufmerksam liest und sich bemühend versteht.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.10.2013 18:28:25 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Wenns nix zu berichten gibt, dann kramen wir eben die alten Rezensionen hervor und posten sie wahllos zu irgendeinem anderen Buch. Toll! Passt zu ihren sonstigen "Leistungen".

Kriegen sie dafür eigentlich irgendwas oder kompensiert das für sie das Bewusstsein schriftstellerischer und essayistischer Unzulänglichkeit?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.10.2013 22:28:54 GMT+02:00
kpoac meint:
lol, du witzbold

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.10.2013 09:54:14 GMT+02:00
Polystyrol meint:
Naja irgendeinen Grund muss es ja geben, dass Sie das tun. Sie verwechseln ja permanent das Feld der Rezension mit schwülstigen und in iher Existenz schon überheblichen Aufsätzchen.
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