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Kundenrezension

am 26. November 2012
Was ist eigentlich beunruhigend an der genetischen Zurichtung von Menschen nach unseren Wünschen? Warum sollen wir uns nicht biotechnisch optimieren lassen, wenn wir unser irdisches Schicksal dadurch erleichtern können? Machen Mediziner, Trainer und Pädagogen mit anderen Mitteln nicht immer schon dasselbe?

Mit solchen Fragen setzt sich Sandels „Plädoyer gegen die Perfektion“ auseinander. Dabei sieht er die Sorge um eine Spaltung der Menschheit durch privilegierten Zugang zu Gentechnologien noch als sekundär an gegenüber der „eigentliche[n] Frage über den moralischen Status der Optimierung als solcher“ (36). Denn, was durch Perfektionierung von Menschen bedroht ist, sei „unsere Fähigkeit, frei zu handeln“ (47), weil der Schritt in die genetische Beherrschung Eifer und Begabung unterwandere und die „Wertschätzung der geschenkten Natur menschlicher Fähigkeiten und Erfolge“ (48) zerstöre (Kapitel 1: „Die Ethik des Optimierens“).

Für den Sport wären die Folgen fatal: Genetisch veränderte Athleten ruinierten nicht nur die Ausbildung und Präsentation natürlicher Talente, auch der Spielgedanke würde korrumpiert, sofern nicht mehr die Klasse der besten Spieler, sondern optimierende Technologien und deren Entwickler belohnt werden (Kapitel 2: „Bionische Athleten“).

Wenn Eltern ihre Kinder entwerfen (Kapitel 3: „Entworfene Kinder, entwerfende Eltern“), heißt das nach Sandel, Kinder nicht mehr „als Gabe zu schätzen“ und „sie zu akzeptieren, wie sie sind“ (67). Verloren gehen dabei die elterliche Demut und ihre „Offenheit für das Unerbetene“ (68). Außerdem widerspreche das überambitionierte Streben nach Designer-Kindern „der Norm voraussetzungsloser Liebe“ (71).

Genmanipulationen zum Zweck der Ausmerzung geschädigten Protoplasmas erinnern selbst dann, wenn sie ohne Zwang und auf dem freien Markt erfolgen, an Methoden der Nazis. Doch letztlich nicht deswegen, sondern vielmehr, weil sie die soziale Praxis voraussetzungsloser Elternliebe aushebeln und eine dauerhaft freie „Auseinandersetzung mit dem Gegebenen“ (103) verhindern, sind sie für Sandel inakzeptabel (Kap. 4: „Die alte und die neue Eugenik“).

Das 5. Kapitel („Beherrschung und Gabe“) kümmert sich um die moralischen Folgen einer bedingungslos eingesetzten Eugenik: Demut, Verantwortung und Solidarität sei der zu hohe Preis für die autonome Beherrschung und Kontrolle des Erbguts. Mit der Möglichkeit, über die Eigenschaften unserer Kinder selber bestimmen zu können, schwinde unser sozialer Sinn für die Menschheit als Schicksalsgemeinschaft.

In einem Epilog reflektiert Sandel den moralischen Status eines Embryos, aus dem Stammzellen gewonnen werden. Dieser sei weder eine menschliche Person noch ein Fötus, sondern ein Zellhaufen, der als potentielles menschliches Leben gleichwohl eine gewisse Wertschätzung verdiene. Daraus könne jedoch kein Verbot der embryonalen Stammzellforschung im Dienste der Gesundheit abgeleitet werden. Entscheidend dabei sei die ethische Bedingung der Ehrfurcht vor dem Leben als Gabe.

Dieses sehr verständlich geschriebene Buch liefert ebenso wichtige wie überzeugende Argumente in einer schwierigen und unübersichtlich geführten Debatte über Gentechnologie und PID.

Dr. Ulrich Müller (Berlin)
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