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Kundenrezension

am 11. Oktober 2010
In dieser interdisziplinär breit angelegten naturalistischen Studie erforscht Mithen die Evolution des menschlichen Geistes. Diesen müssen wir uns als aus "geistigen Modulen" bzw. "Fähigkeiten" oder "Intelligenzen" bestehend vorstellen, die jeweils spezifische Probleme lösen: Module für Gesichtererkennung, Raumverhältnisse, Werkzeuggebrauch, sozialen Austausch, Grammatikerwerb, Theorie des Geistes usw. In der Phylogenese wie in der Ontogenese steht am Anfang eine "allgemeine Intelligenz", auf der sich Modulbündel für spezifische Verhaltensweisen aufbauen: soziale Intelligenz > intuitive Psychologie; naturgeschichtliche Intelligenz > intuitive Biologie; technische Intelligenz > intuitive Physik; dazu: sprachliche Intelligenz. Die einzelnen Module sind "eingekapselt" und können nicht aufeinander zugreifen. In einem abschließenden Entwicklungsschritt kann das in den einzelnen Modulen isolierte Wissen integriert werden und "kognitive Fluidität", die grenzenlose Fähigkeit zu Vorstellungen und Phantasien, entsteht.

Die Evolution der Module begann vor ca. 35 Millionen Jahren mit der sozialen Intelligenz, gefolgt von naturgeschichtlicher und technischer Intelligenz. Mithen entwickelt akribisch die komplexen Korrelationen zwischen Bipedalität, Ernährungsverhalten, Gruppengröße und Cerebralisation. Die "Frühen Menschen" (homo erectus, sapiens, heidelbergensis usw.) fertigten in der Zeit vor 1,8 Millionen bis 100.000 Jahren technisch wie ästhetisch anspruchsvolle Handäxte an, allerdings mit nur geringen Variationen und nur aus Stein. Kompositwerkzeuge kannten sie nicht. Ihre naturgeschichtliche Intelligenz war weit fortgeschritten, doch Gedanken über Steinwerkzeuge waren für Gedanken über Naturgeschichte unerreichbar. Trotz hoher sozialer Intelligenz lebten diese Menschen nur in sehr kleinen Gruppen. Zwischen ihren sozialen, technischen und naturhistorischen Intelligenzen existierten unübersteigbare Barrieren. Nichts weist auf Körperschmuck hin. Sie verwendeten lediglich Ocker, was sich mit der allgemeinen Intelligenz bewerkstelligen ließ. Den Frühen Menschen fehlte kognitive Fluidität.

Diese entstand erst in den "Modernen Menschen" mit der 'kulturellen Explosion' vor ca. 40.000 Jahren. Die spezialisierten "Intelligenzen" konnten aufeinander zugreifen bzw. es formte sich ein Modul für Metarepräsentation. Soziale + naturgeschichtliche Intelligenz ermöglichten Anthropomorphismus und Totemismus. Soziale + technische Intelligenz ermöglichten Menschen als Artefakte (z.B. Statuetten) und Artefakte für soziale Interaktionen (z.B. Perlenketten). Naturgeschichtliche + technische Intelligenz ermöglichten spezialisierte Jagdtechnologien sowie Tiere und Pflanzen als 'Artefakte'. Soziale + technische + naturgeschichtliche Intelligenz ermöglichen Kunst, Religion und Wissenschaft.

Sprache war ursprünglich Sprechen über die soziale Welt. Ihre metaphorische Ausweitung auf physikalische Objekte stellte einen Überlebensvorteil dar. Das "Modul für Metarepräsentation" diente als Integrationsmechanismus modularer Prozesse und war die Voraussetzung unseres reflexiven Bewußtseins. Die menschliche Neotenie, die durch das Gehirnwachstum verursachte Vergrößerung des Zeitraumes zwischen Geburt und Reifung, erzeugte einen Selektionsdruck in Richtung Entwicklung einer propositionalen Sprache, was die Initialzündung für die Entstehung der menschlichen Kultur war: Kunst - die Fähigkeit, visuelle Symbole erschaffen und verstehen zu können; Wissenschaft - die Fähigkeit, Hypothesen zu erzeugen und zu testen und Werkzeugen, Metaphern und Analogien zu gebrauchen; Religion - Mythen zur Welterklärung, Rituale zur Einflußnahme auf die Welt, Glaube an kontraintuitive übernatürliche Akteure und an ein Weiterleben nach dem Tode. Alle singulär menschlichen Phänomene sind die Folge kognitiver Fluidität, beispielsweise: Rassismus - Gedanken über Menschen, Tiere und Gegenstände werden durcheinandergebracht, der Essentialismus der 'intuitiven Biologie' wird auf den sozialen Bereich übertragen. Humor - die Fähigkeit, nicht miteinander vereinbare Ideen originell zu verbinden. Landwirtschaft - die Fähigkeit, Pflanzen und Tiere technisch zu manipulieren, zu ihnen soziale Beziehungen zu entwickeln und sie als Mittel zu benutzen, um Macht und Ansehen zu erlangen.

Das Werk stellt eine geniale Integration und kreative Weiterentwicklung der Forschungsergebnisse vieler Disziplinen zu den Bereichen Anthropogenese, Evolutionspsychologie, Philosophie des Geistes und Kulturanthropologie dar. Trotz höchsten wissenschaftlichen Niveaus ist es ausgezeichnet verständlich, ja von literarischer Qualität. Ich kann seine Anschaffung vorbehaltlos empfehlen!
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