flip flip Hier klicken Jetzt informieren Xmas Shop 2017 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusic Fußball wint17

Kundenrezension

am 26. Juni 2013
Der Käufer dieses Buchs sollte sich schon darüber im Klaren sein, mit welchem Autor er sich da einlässt: Klaus Berger ist der streng traditionalistischen Richtung unter den Theologen zuzurechnen, der sämtliche Wundertaten und Wunderpersonen der Bibel - zumindest des Neuen Testaments - für unanfechtbar real, also wahr hält. Leser, die mit Engeln, Teufel(n), Dämonen und Exorzismen nichts anzufangen wissen, werden das Buch, das zudem noch streckenweise in einem schwer geniesbaren, wissenschaftlichen Jargon gehalten ist, schnell wieder beiseite legen.
Auch inhaltlich krankt das Buch an der geradezu mittelalterlichen Sichtweise, aus der der Autor auch keinen Hehl macht, will er doch die Aufklärung auf "fünf Minuten vor Lessing" (S.81) zurückdrehen. Als Träger der schon im Mittelalter von dem Zisterzienser Abt Joachim von Fiore postulierten Menschenwürde gilt ihm entsprechend dessen Lehre der "erleuchtete Mensch, dessen Gottesebenbildlichkeit wiederhergestellt ist" (S.82)- im Gegensatz zu den durch den Sündenfall unähnlich gewordenen Menschen. Das ist aber genau nicht die Menschenwürde der Aufklärung, denn diese gilt für alle Menschen und eben nicht nur für Erleuchtete oder sonstwie Hervorgehobene. Man kann getrost sagen, dass dieser Autor der Ratio der Aufklärung - und letztlich auch jeder Rationalität - ablehnend gegenüber steht.
Zu welchen grotesken Auswüchsen diese Sicht der Dinge führen kann, zeigt Bergers Kommentierung zu Luk 24,42 (der auferstandene Jesus verzehrt zusammen mit seinen Jüngern einen Bratfisch):
"Für die Zeugen einer Erscheinung ist es lebenswichtig, zu wissen, dass der Erscheinende kein Totengeist ist, sondern ein von den Toten auferweckter Mensch. Ein Totengeist aber könnte - wie alle Engel und Dämonen - nicht essen oder trinken. Die Begegnung mit einem Totengeist dagegen könnte nur Unheil bringen, denn von ihr ginge nur Fluch und Tod, nicht aber Segen und Heil aus. Daher handelt es sich hier nicht um ein apologetisches Mätzchen, sondern um Leben oder Tod.... Deshalb ist es verfehlt, hier von sekundärer frühkatholischer und abwegig-dummer Apologetik zu reden (S.103f)."
Mitnichten wird hier irgendeine unterschlagene Wahrheit erhellt, sondern - und das ist symptomatisch - es wird nur einen unglaubwürdigen Geschehen eine unglaubwürdige Begründung unterlegt, getreu dem bewährten Motto: alles was in der Bibel steht, ist zweifelsfrei wahr, warum? - weil es in der Bibel steht.
Konsequenterweise verlangt Berger in seinem Schlußwort auch "strikten und reinen Gehorsam gegenüber dem Text"(S.345), allein - strikter Gehorsam mag Aufgabe des frommen Exegeten sein, er ist sicherlich nicht Aufgabe des ergebnisoffen forschenden Wissenschaftlers.
Gegen Ende des Buchs sucht Berger, - nach einem Hinweis auf die gemeinsamen Wurzeln von Bibel, Talmud und Koran -, noch einen positiven, ja rettenden Ausblick auf die von ihm geläuterte Bibel zu geben ("Vielleicht letzte Chance!"- S.310f):
"Die Bibel war Anlass für sehr viel Streit und Blutvergießen....Damit hat man sie gegen Gottes Willen schändlich mißbraucht, während sie uns vielmehr den Weg zum Frieden zeigt. Keiner ist ihn so eindeutig gegangen wie der wehrlose Jesus Christus am Kreuz."
Da scheint mir allerdings die gegenteilige Sicht wesentlich realistischer und auch wahrscheinlicher: die nächste kriegerische Auseinandersetzung könnte durchaus einen religionsbedingten Hintergrund haben, das gemeinsame monotheistische Erbe von Talmud, Bibel und Koran liefert weiterhin genug Anlass zu jedem mörderischen Streit. Vielleicht ist ja gerade das ewige Gerede von gnadenvoller Erlösung der Gläubigen und - als Konsequenz - gnadenloser Verdammung aller Ungläubigen und Nicht-Konformen die Ursünde des Monotheismus, die friedlichen Lösungen im Wege steht (S.281). Wenn überhaupt, dann könnte wohl nur eine "liberale" Interpretation der heiligen Schriften im Sinne der Aufklärung - und nicht ein gehorsames Festklammern am oft erbarmungslosen Text - einen Friedensbeitrag leisten.
33 Kommentare| 29 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden| Permalink
Was ist das?

Was sind Produktlinks?

Im Text Ihrer Bewertung können Sie mit einem Link direkt zu einem beliebigen auf Amazon.com angebotenen Produkt leiten. Befolgen Sie diese Schritte, um einen Produktlink einzufügen:
1. Das Produkt, zu dem der Link führen soll, auf Amazon.com suchen
2. Internetadresse des Produkts kopieren
3. Klicken Produktlink einfügen
4. Die Internetadresse in das Kästchen einfügen
5. Klicken Auswählen
6. Wenn Sie den angezeigten Artikel auswählen, erscheint ein Text wie dieser: [[ASIN:014312854XHamlet (The Pelican Shakespeare)]]
7. Sobald Ihre Bewertung auf Amazon.com erscheint, wird dieser Text in einen solchen Hyperlink umgewandelt:Hamlet (The Pelican Shakespeare)

Ihre Bewertung ist auf 10 Produktlinks beschränkt, und der Linktext darf maximal 256 Zeichen betragen.