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Kundenrezension

am 6. Juni 2008
Lakonien war ein Landstrich der Peloponnes im antiken Griechenland, der von den Spartanern beherrscht wurde. Man traf dort auf Wortkargheit. Soweit das Lexikon... Warum ich das nachgeschlagen habe? Weil "lakonisch" das erste Worte war, was mir zum neuen Film der Coen-Brüder einfiel. Lakonisch bezeichnet eine knappe und kurze Ausdrucksweise ohne schmückende Elemente und genau das bekommen wir hier geboten, in den unendlichen Weiten von Texas. Alles Überflüssige fällt weg und was bleibt, ist die reine, formvollendete Kunst von Joel und Ethan Coen, die hier nach ihrem lahmen "Ladykillers" endlich wieder zu ihren "O Brother, where art thou?", "The Big Lebowski" und "Fargo"-Wurzeln zurückfinden.

Vierfach oscarprämiert, und das zu Recht, liefern sie hier ein wundervoll lakonisches Paradebeispiel dafür ab, was nur Wenige in dieser Branche wirklich beherrschen: zu wissen, welche Zutaten ein guter Film braucht und aus vermeintlich wenig ganz viel zu machen.

Irgendwann in den 80ern, als die Bierdosen noch vollständig abziehbare Aluschnippel hatten: Llewelyn Moss (der von Film zu Film besser werdende Josh Brolin), findet beim erfolglosen Jagen in der texanischen Wüste den berüchtigten Koffer voller Geld, zwei Millionen Dollar Drogengeld, um genau zu sein. Neben dem Koffer sind wahllos diverse Autos, Leichen und Waffen verstreut. Moss nimmt das Geld und in Kauf, von nun an auf der Flucht zu sein, denn logischerweise wird irgend jemand dieses Geld vermissen und alles daran setzen, es zurückzubekommen. "Alles" ist in diesem Fall der ebenso psychopathische wie pragmatische Killer Anton Chigurh (Javier Bardem, "Das Meer in mir", "Liebe in den Zeiten der Cholera"), dessen fast mädchenhafte Mireille-Mathieu-Gedächtnisfrisur in krassem Gegensatz zu seinen eiskalten Tötungsmethoden via Bolzenschussgerät und phallusartigen Schusswaffen steht. Chigurh wiederum sitzt Carson Wells (Woody Harrelson) im Nacken, dessen Auftraggeber gerne ihr Geld zurückhaben wollen. Und über der ganzen Szenerie thront Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones), den eigentlich nichts mehr aus dem Sattel werfen kann und der selbst in der makabersten Situation immer noch Zeit für ein Gläschen Milch hat. Fortan häufen sich Leichen, skurrile One-Liner und absurde Situationen.

Erster Pluspunkt dieses großartigen Films ist die Buchvorlage von Cormac McCarthy und das darauf basierende Drehbuch der Coens. Die Figur des Anton Chigurh ist das Beste, was ich seit Langem im Kino gesehen habe. Natürlich furchtbar skrupellos und brutal, dennoch kann man sich einer gewissen Faszination für Chigurh nicht entziehen. Die Story wird stringent und chronologisch erzählt, verzichtet auf unnötigen Firlefanz, wozu auch übertriebene Darstellungen der Schauspieler zählen. Rau, ehrlich, brutal und nicht hoffnungs- aber mitleidlos, so sieht die Welt in Ed Tom Bells Augen aus, und genauso zeigen sie die Coen-Brüder. Angereichert wird das Ganze mit dem unvergleichlichen schwarzen Humor, der alle Coen-Filme, mal mehr, mal weniger, auszeichnet. Darin sind sie einfach unschlagbar.

Zweiter Pluspunkt ist der grandiose Cast. Javier Bardem, dieser großartige spanische Schauspieler, ist ein wahrer Meister seines Fachs. In jeder Minute nimmt man ihm diesen eiskalten, völlig durchgeknallten Profikiller ab, der nicht immer nur des Geldes wegen tötet, und auch nicht nur dann, wenn es zwingend erforderlich ist. Je nach Tagesform lässt er einfach mal eine Münze entscheiden, ob jemand ein Treffen mit ihm überlebt oder nicht. Er ist klug, er ist schnell und er ist mehr als effizient. Er ist gemein, böse und sarkastisch. Und jede einzelne Nuance spielt Bardem aus. Es sei ihm zu wünschen, dass er nun endlich einem breiteren Publikum als das bekannt wird, was er in meinen Augen schon längst ist: ein Ausnahmetalent. Josh Brolin, der Sohn von James Brolin ("Hotel"), tritt in die nicht allzu großen Fußstapfen seines Vaters und macht diese locker ein paar Nummern größer. Nach "Planet Terror" und "American Gangster" stellt er auch hier wieder unter Beweis, wie wandlungsfähig er ist. Lange kann es bis zu den richtig großen Hauptrollen also nicht mehr dauern. Verdient hat er's allemal. Und dann natürlich Scarface Tommy Lee Jones, der alte Haudegen. Seit "Man in Black II" entwickelt er sich immer weiter weg vom Hollywood-Allerweltsfilm-Kino hin zum Independent-Film, wo er vorzugsweise den kauzigen, wortkargen, aber immer ehrlichen Kerl gibt. Ein großer Schauspieler mit einem unnachahmlichen traurigen Hundeblick... oder eben einfach nur lakonisch. Ebenso sind die Nebenrollen außerordentlich gut und stimmig besetzt.

Der dritte Pluspunkt sind die Coens selbst. Die gekonnte Regie steht dem exzellenten Drehbuch in nichts nach. Sowas kann man nicht lernen, dafür muss man einfach ein Gefühl haben. Sie haben's einfach drauf, sie machen eigenwillige, spezielle und meist nicht massentaugliche Filme, aber das so gut, dass es schon wieder verwundert, warum ihren Werke nicht eine weitaus größere Fangemeinde angehört. Sie führen ihre Schauspieler mit so schlafwandlerischer Sicherheit durch ihr Story-Konstrukt, dass es eine wahre Freude ist. Die 122 Minuten vergehen wie im Flug und das Ende kommt abrupt und wird den an amerikanische Kino-Massenware gewöhnten Zuschauer ratlos zurücklassen, aber so sind sie eben, die Coens, immer ein bisschen dagegen und dabei sehr, sehr gut. Goodie on top: In der (wie immer vorzuziehenden) Originalversion kann man dem herrlich genuschelten Texas-Singsang, der die Sprache der Texaner auszeichnet, lauschen... so was kann man einfach nicht übersetzen. Also, wer's gut und böse, schwarz und weiß, spannend und ruhig, lustig und sarkastisch, ironisch und ehrlich, eben einfach coen-like mag, nichts wie rein in das Land, das keins für alte Männer ist.
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