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Kundenrezension

am 20. Dezember 2009
Stanley Kubrick schuf mit seinem Kriegsfilm "Wege zum Ruhm" ein Jahrhundertwerk, dessen eindringliches Plädoyer für Menschlichkeit und Mitgefühl nichts an Aktualität verloren hat.

Wie Jean Renoirs Klassiker "Die große Illusion" zeigt auch "Wege zum Ruhm" die eklatante Kluft zwischen der Welt der höheren Offiziere und der der Frontsoldaten. Doch während Renoir sich darauf beschränkt, diesen Unterschied lediglich darzustellen, geht Kubrick erheblich weiter: Er klagt ihn rigoros an. Opferte in "Die große Illusion" der adelige Capitain de Boeldieu noch das eigene Leben, um die Flucht seiner Unteroffiziere Maréchal (Proletariat) und Rosenthal (jüdisches Bürgertum) aus deutscher Gefangenschaft zu decken, führt uns Kubrick in "Wege zum Ruhm" schonungslos vor Augen, daß es schon 1914 kein einig Vaterland gab - auch an der französischen Front nicht.

Schon äußerlich könnten die beiden Welten nicht verschiedener sein: Die Offiziere wohnen im Schloß, die Frontsoldaten im Schützengraben. Die einen genießen edlen Cognac zu hervorragendem Essen und schwadronieren von Ruhm, Ehre und Patriotismus - die anderen kauern zitternd im Dreck und betäuben ihre Angst und Verzweiflung in Alkohol, wenn sie nicht gerade miteinander darüber philosophieren, welche Todesart wohl noch die schnellste sei.

Die Offiziere tun stets das Gegenteil dessen, was sie behaupten. Ergo sucht man sie auf dem Schlachtfeld vergebens. Es sind die Frontsoldaten, die dort massakriert werden. General Mireau erlebt den Krieg lediglich aus sicherer Entfernung und durch ein Scheren-Fernrohr. Was ihn keineswegs daran hindert, seine kämpfende Truppe als "Feiglinge" zu beschimpfen, als der von ihm befohlene, von vornherein völlig aussichtslose Angriff auf "Höhe 19" schliesslich steckenbleibt.

Doch nicht das Regiment 701 ist eine Schande, wie General Mireau wiederholt behauptet. Nein! Er, sein eigener widerlicher Dünkel, sein maßloser Ehrgeiz, seine Rücksichtslosigkeit, seine hinterhältigen Intrigen, seine penetrante Heuchelei und der von ihm und General Broulard angezettelte Schauprozess sind es! Und zwar nicht für Frankreich, sondern für sich selbst und ihre ganze selbstgerechte, von ekelhafter Eitelkeit nur so strotzende Offizierskaste.

Und wer angesichts der ergreifenden Szenen, die sich nach der Urteilsverkündung abspielen, nicht von Wut und Trauer gepackt wird, der sitzt innerlich mit den beiden Generälen zu Tisch und hat vermutlich das gleiche Gefühlsdefizit wie sie. Tiefer kann man menschlich nicht sinken, als die zynischen Militär-Dandys Mireau und Broulard, wie sie - genüßlich miteinander tafelnd - den Ablauf der Exekution kommentieren.

Doch Kubrick legt sogar noch einmal nach, und wie! Die Schlußszene mit dem Husarenlied schrieb Filmgeschichte. Es ist weder eine Schande für Frankreich, noch für den Zuschauer, wenn man spätestens jetzt ein dickes Taschentuch braucht. Sondern einfach nur menschlich!

"Wege zum Ruhm" ist ein Meisterwerk der absoluten Spitzenklasse und verdient volle 5 Punkte. Seine Kernaussagen sind so zeitlos, daß der Film in Frankreich bis 1975 zwar nicht offiziell verboten war, aber auch keinen Verleiher fand. Was eine weitere Schande ist. Denn hier geht es nicht um Kritik am französischen Militär im Besonderen, sondern um ein universelles Plädoyer für Humanität, Vernunft und Empathie, weit über die Grenzen der Grande Nation hinaus.

Allerdings hat "Wege zum Ruhm" sehr viel Ähnlichkeit mit einer wahren Begebenheit. Die "Affaire der Korporale von Souain" ist in Deutschland bis heute kaum bekannt. Französischsprachige Webseiten dazu lassen sich unter "Affaire des caporaux de Souain" ergooglen. 2007 wurde für die hingerichteten Korporale Théophile Maupas, Louis Lefoulon, Louis Girard und Lucien Lechat in Suippes (ca. 90 km westlich von Verdun) ein Monument errichtet. Auch auf dem Friedhof von Sartilly (Normandie) erinnert über dem Grab von Théophile Maupas ein Denkmal an sie.

General Géraud François Gustave Réveilhac, dem sie ihre Exekution zu verdanken hatten, ist 1937 im Alter von 86 Jahren friedlich in seinem Bett verstorben. Weder für die Hinrichtungen, noch für das von ihm befohlene Artilleriefeuer auf die eigenen Truppen mußte er sich je gerichtlich verantworten. Die Witwen der füsilierten Männer wurden übrigens mit 1 Franc (!) "Entschädigung" abgespeist und haben jahrelang äusserst couragiert für deren Rehabilitation gekämpft.
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