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Kundenrezension

VINE-PRODUKTTESTERam 13. März 2008
Die Autorin, die 1958 geborene Naturwissenschaftlerin Hiromi Kawakami, erzählt in diesem wunderbaren Buch eine rührende Liebesgeschichte. Warum in der Deutschen Übersetzung dieser Titel gewählt wurde kann ich nicht verstehen, denn im Japanischen heißt er im Hinblick auf die Geschichte viel passender"Die Mappe des Lehrers".

Protagonistin und Erzählerin ist die achtunddreißigjährige Tsukiko. Sie arbeitet in einem Büro, oft auch an Wochenenden, lebt allein in ihrer kleinen Wohnung, kommt mit keinem Mann zu Recht, glaubt für die Liebe nicht geboren zu sein. Kurzum, sie kriegt ihr Leben und die Liebe nicht in den Griff. Abends geht sie oft in ihre Stammkneipe, ersäuft ihren Kummer im Alkohol. Dort trifft sie eines Tages ihren alten Japanisch-Lehrer. Die Schulzeit liegt lange zurück, aber beide erkennen sich wieder.

Nun erzählt die Autorin in eindringlicher, behutsamer und doch auch wieder subtiler Form, auf ungefähr 180 Seiten, wie die beiden sich langsam annähern. Sehr langsam, sehr umständlich, mal aufeinander zugehend, mal voreinander fliehend erlebt der Leser wie zwei Menschen sich langsam öffnen. Einer sucht die Nähe des anderen, der Altersunterschied von dreißig Jahren spielt nie eine Rolle. Beide möchten wieder ins Leben zurück, möchten Halt im Leben finden. Die Treffen werden häufiger. Sie entdecken ihre gemeinsame Freude an den unterschiedlichsten Dingen, an ausgefallenem Essen und Trinken, am Kirschblütenfest, am Pilze sammeln, am Haiku Dichten (kürzeste Gedichtform der Welt). Sie kommen sich näher, freunden sich zunehmend an, gewöhnen sich aneinander. Sie nennt ihn zärtlich Sensei. Beide bleiben aber beim Förmlichen Sie. Hier erinnert mich die Geschichte an die mittelalterliche Art die Gefühle auszudrücken, wie Yasushi Inoue es in seinem Roman "Das Jagdgewehr" (Siehe auch meine Rezension für das entsprechende Hörbuch 18.11.2005) zeigt.

In rührender Verklemmtheit bleiben sie auf Distanz wie man es aus dem alten, traditionellen Japan kennt und doch wird das Band zwischen der jungen Frau, die sich bisher so gar nicht im Leben zurechtfinden konnte und dem in der Vergangenheit lebenden älteren Mann spürbar zunehmend enger. Tsukiko merkt sehr deutlich, dass sie sich an Sensei gewöhnt hat, an seine Wärme und Güte und sie fängt an ihn zu lieben. Eines Tages besucht sie ihn in seiner etwas verwahrlosten Wohnung. Von seiner inzwischen verstorbenen Frau wurde er vor einiger Zeit verlassen. Sie hat einmal den Satz gesagt:"Leben heißt anderen Schwierigkeiten bereiten", aber die kann man minimieren, indem man entsprechende Distanz einhält. Und dieses Distanzierte findet in dieser ganzen zarten Liebesgeschichte durchgehend statt, so wie beispielsweise auch in der ganzen japanischen Kultur und Ästhetik.

In der Konstellation ist Tsukiko die treibende, drängende Kraft, sie will viel unternehmen, gemeinsam mit ihm verreisen. Es ist eine Wohltat, wie sich in diesem Buch, mit einer beeindruckenden Genauigkeit und einer erfrischenden Langsamkeit die Seelen der beiden Protagonisten annähern, irgendwann dann auch ihre Körper, sinngemäß nicht vergleichbar mit westlichem Liebesleben. Nachdem sie eines Tages:"Ich liebe Sie" gesagt hat, geht man zum "Du" über. Es folgen vier Seiten die uns ihr gemeinsames Leben zeigen, dann kommt das Ende.

Die Autorin schenkt den kleinsten Dingen ihre Aufmerksamkeit und sie verbindet das Rituelle des alten Japan mit dem ganz Modernen Großstadtleben im industriellen Zeitalter. Eine denkenswerte Metapher ist die "Mappe des Lehrers", die er immer bei sich trägt und die Tsukiko andächtig verehrt. Nach dem Tod des Sensei erhält sie die Mappe, öffnet sie vor den Augen des Lesers und es ist eine große Leere darin. Doch wir haben durch die Lektüre dieses Buches gelernt, dass diese Leere in Wahrheit prall gefülltes harmonisches Leben ist.

Das Buch kommt daher, wie aus einer anderen Zeit, die Rituale sind höflich und liebenswürdig, eine Wohltat. Ein wunderbares, zartes, ausgesprochen atmosphärisch arbeitendes Buch zunächst über die quälende Einsamkeit und dann über die filigrane Pflanze Liebe. Das Buch zeigt Geduld in Vollendung und es erfordert Geduld und es hat nur einen Makel, es ist leider zu schmal, man möchte immer weiter lesen, denn es stimmt so versöhnlich das doch noch Leben drin ist. Ich hoffe, es kommen noch mehr Bücher von dieser großartigen Autorin auf den deutschen Markt.
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