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Kundenrezension

106 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... und plötzlich macht sie Musik für Musikliebhaber und Hinhörer, 23. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lieber So (Audio CD)
Die recht unerwartete 180 Grad Wende unternahm sie bereits vor drei Jahren mit ihrem bisher letzten Album "Blau in blau". Vom harmlosen und auch weitgehend belanglosen Mädchen-Pop, mit dem sie außerordentlich erfolgreich war (und der u.a. Dieter Bohlen wieder mal ein paar goldene Schallplatten mehr an die Wand hängte) war nach vierjähriger Musikpause nichts übrig. Verwandelt meldete sie sich damals zurück und balancierte irgendwo zwischen Jazz und Songwriter-Pop, wo auch Norah Jones oder Katie Melua anzutreffen sind. Zart, introvertiert und wunderschön war das Album - und natürlich bei weitem kommerziell nicht so erfolgreich, wie seine einfacher gestrickten Vorgänger.

Nun war von mit "Lieber so" zwar nicht zwingend eine einfache Verlängerung des melancholisch stillen Vorgängers zu erwarten, dennoch richtete ich mich auf eine zurückgelehnte Dreiviertelstunde auf dem Musiksessel ein. Dass mich das Album samt des erwähnten Sessels quer durch den Raum pustet, hatte ich nicht erwartet.

Kraftvoll und dynamisch steigt sie mit "Pendel" in die Platte ein und gibt die Richtung der nächsten 45 Minuten vor. Keine Computer-Drums, sondern ein herrlich offenes Schlagzeug treibt fernab des braven Pop-Gleichtakts die Musiker durch den Großteil der 13 Songs des neuen Albums, verfeinert mit originellen Percussion-Zusätzen. Ausnahmslos alle Songs, auch die eher balladesken, sind nicht nur ihrer Substanz, ihrer Komposition wegen gut, sondern durchweg pfiffig arrangiert. Ständig schaut eine klangliche Überraschung um die Ecke und streckt den mit Plastik-Effekten aus der Computer-Trickkiste überladenen Zeitgeist-Produktionen die Zunge raus. Es geht auch ohne synthetischen Sound-Schnickschnack, es geht besser! Vorausgesetzt man hat spielfreudige und einfallsreiche Musiker und einen Produzenten, der bei Noten zuerst an Töne denkt und nicht an Banknoten. Hat sie.

Egal ob das bereits erwähnte "Pendel" oder "Ganz großes Kino", "Vielleicht ist keine Antwort", "Nicht drüber reden" oder "Perfekt" - jeder dieser Songs nimmt den Hörer ein wie ein Sturzbach, der alles einfach mit sich reißt was in seine Fluten gerät.
Auch sich den ruhigeren Stücken zu entziehen ist kaum möglich, denn gerade bei den leiseren Nummern wie "Phantomschmerz", "Kein Blick zurück" oder auch beim Titelsong "Lieber so" fällt deutlich auf, dass Yvonne Catterfeld stimmlich einen qualitativen Quantensprung vollbracht hat. Ihre Phrasierung ist ausdrucksstark, lebendig, hier und da angenehm dreckig und kilometerweit entfernt vom "kleine Mädchen Schönsingen" ihrer frühen Aufnahmen, kurz: besser als je zuvor, Aufmerksamkeit einfordernd, absolut fesselnd.

Nicht nur ihre Art zu singen, sondern auch was sie singt, die Texte, verdienen Aufmerksamkeit, wie auch schon auf "Blau in blau". Wenn sich auch inhaltlich alles um zwischenmenschliche Befindlichkeiten dreht, wird es thematisch nicht monoton. Das emotionale Spektrum ist bekanntlich breiter als das der Farben, man muss es nur nutzen. Sie tut es. Das ganze Album lang verunglückt keine Formulierung zugunsten der Singbarkeit. Und im Gegensatz zu vielen deutschen Pop-Produktionen jüngeren Datums, wo zwar vielleicht recht hübsche freistehende Zeilen formuliert werden, die dann aber leider keinen erkennbaren Sinnzusammenhang mit den ihnen folgenden Zeilen aufweisen, erzählen die Lieder auf "Lieber so" kleine verständliche Geschichten und lassen Bilder im Kopf entstehen. Auch hier wurde sich, wie insgesamt in allen Details des Albums, sehr viel Mühe gegeben.

Bemerkenswert ist auch, dass sich Yvonne Catterfeld in das Schreiben der Songs erheblich mehr eingebracht hat als noch auf dem 2010er Album. Aus einer harmlosen netten kleinen Sängerin, wurde eine sehr ernstzunehmende, auffällig talentierte Musikerin. Sie klingt selbstbewusst, ohne feminine Sinnlichkeit einzubüßen, stark und verletzlich.

Man könnte nun resümierend Phrasen dreschen wie "erwachsen geworden" oder "Lebenserfahrung gesammelt und in die Musik einfließen lassen", und vielleicht wäre da sogar was dran. Letztlich zählt aber nur: "Lieber so" ist eine ungewöhnlich hingebungsvolle Produktion, wie sie in der Popmusik leider selten geworden ist, und bewegt sich musikalisch und textlich auf höchstem Niveau.

Da die Hörer der frühen Hits von Yvonne Catterfeld inzwischen vermutlich mehrheitlich zu Helene Fischer abgewandert sind - was okay ist, die junge Dame macht, was sie macht, ebenfalls mit hohem perfektionistischen Anspruch, wenn es auch musikalisch alles in allem eher etwas sehr simpel gedacht ist, doch wäre Schlager immer so, dann wäre es nie ein Schimpfwort geworden - und diejenigen, die kraftvollen, organischen und dynamischen Ladies-Pop wie von meinetwegen Adele oder Emeli Sandé bevorzugen, vermutlich kaum beim stöbern auf dieses neue Album von Yvonne Catterfeld stoßen werden, bedarf es keiner prophetischen Gaben, um vorherzusagen, dass "Lieber so" wohl kommerziell nicht an die frühen Erfolge wird anknüpfen können. Doch, dass es ihr darum gar nicht mehr geht, zumindest nicht vorrangig, hat Yvonne Catterfeld bereits mit ihrem letzten Album vor drei Jahren gezeigt - und das ist ein Erfolg, ein kreativer! Und ein Gewinn für ihre Hörer, wenn es heute wohl auch weniger sind als vor zehn Jahren.
Ihr und dem Album ist eine Plattenfirma zu wünschen, die sich mächtig ins Zeug legt, um möglichst viele Menschen da draußen mit dem Album in Kontakt zu bringen. Verdient hat es jede Aufmerksamkeit.
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.11.2013, 07:37:28 GMT+1
Zuletzt vom Autor geändert am 25.11.2013, 07:42:19 GMT+1
Sunflower meint:
Zitat: "Ihr und dem Album ist eine Plattenfirma zu wünschen, die sich mächtig ins Zeug legt, um möglichst viele Menschen da draußen mit dem Album in Kontakt zu bringen."

Genau DAS können Sie sich jetzt auf die Fahne schreiben, lieber Christian. Ich wäre NIE im Leben auf die Idee gekommen, ein Album von Fräulein Catterfield auch nur in die nähere Auswahl zu ziehen. Im Gegenteil... Ein verächtliches Schnaufen wäre meinen Nasenflügeln entwichen (genauso wie ich bei gleichfalls erwähnter Frau Fischer pruste, wenn sie in Endlosschleifen im Autoradio meines Bruders trällert).
Und nun so etwas!
Was mache ich denn jetzt mit meinem so sorgsam gepflegten Vorurteil? Wohin mit dem überheblichen "Solche Namen nehme ich nicht mal in den Mund", geschweige denn lasse ich sie durch meine Indie-geölten Ohren streifen...

Wären Sie mit einem Kompromiss zufrieden?
Ich höre einfach mal rein :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.11.2013, 14:01:35 GMT+1
Zuletzt vom Autor geändert am 25.11.2013, 14:03:01 GMT+1
Soweit ich Ihre musikalischen Präferenzen einzuschätzen vermag, liebe Heike, glaube ich zwar nicht, dass Sie das Album zu Ihrer liebsten Platte des Jahres küren, aber das durch Schnaufen verursachte Flattern der Nasenflügel dürfte verschwinden. Und die Vorurteile lassen sich künftig bestimmt an anderer Stelle weiter verwenden ;-)
Mal die Ohren ranhalten lohnt, Sie werden eine ernstzunehmende junge Frau hören.

Als ständig nach interessanter Musik Suchender, fiel mir jedenfalls bereits Y.C. letztes Album auf (was auf eine völlig andere Weise sehr schön ist als nun das neue), alles davor landete auch bei mir in der Kategorie: freundliches Wesen, attraktiv, musikalisch aber reichlich belanglos. Ich würde jedenfalls mit Ihrem Bruder einstweilen auch nicht über längere Strecken mitfahren wollen, traue aber auch Frau Fischer zu, dass sie irgendwann eine Platte vorlegt, die fernab kalkulierter Schlager-Harmonien stattfindet - ob ihr Bruder das dann noch gut findet? Und schon wieder ein Vorurteil... ;-)

Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.11.2013, 17:01:57 GMT+1
Sunflower meint:
Apropos Vorurteil: Den von mir höchst verehrten Steven Wilson im Duett mit Yvonne könnte ich mir schon deshalb nicht vorstellen, da er bei seinen öffentlichen Auftreten ohne Schuhe und Strümpfe aufzutreten pflegt. Ich weiß nicht, ob das dem Mädel gefallen würde... :-D
Nichts für ungut.... Ich höre lieber gleich als "Lieber So" in die Scheibe hinein... Versprochen

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.05.2015, 22:08:50 GMT+2
[Von Amazon gelöscht am 04.03.2017, 14:01:21 GMT+1]

Veröffentlicht am 25.10.2015, 09:49:49 GMT+1
Sehr gut geschrieben, Kompliment.

Veröffentlicht am 13.06.2016, 16:05:56 GMT+2
Thomas Maurer meint:
Toll geschriebene Rezension - ganz meine Meinung
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