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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENTam 20. September 2013
Von der ersten Police LP "Outlandos d'Amour" (1978) an, bewies Sting 25 Jahre und zwölf Studio-Alben lang, dass ein hoher Kunstanspruch und Erfolg im Mainstream sich nicht zwingend ausschließen müssen. Er bediente sich bei Ideen und Elementen aus Jazz und Klassik, bekannte bei J.S.Bach ganze Passagen für eigene Kompositionen entnommen zu haben und garnierte diese zum Teil hochkomplexen, mit wechselnden Tempi und wilden Harmoniefolgen durchsetzten Stücke mit wahlweise recht rüdem Rock-Instrumentarium in prähistorischen Police-Zeiten und später dann mit feinsten Klängen aus dem großen Popmusik-Baukasten - bis 2003, bis zum Album "Sacred love".

In den vergangenen zehn Jahren aber betrieb er abwechselnd Legenden bildende Maßnahmen - 2008 eine großangelegte Reunion-Tour mit den alten Weggefährten von Police, die mit dem opulenten Live-Album "Certifiable" dokumentiert wurde, dann einem Recycling großer Songs seines Oeuvre mit freundlicher Unterstützung gleich dreier klassischer Orchester auf "Symphonicities" und dem Konzertmitschnitt "Live in Berlin" (beide 2010) und zuletzt 2011-2013 mit einer knackigen, ihn an seine musikalischen Wurzeln zurückführenden Club-Tournee rund um den Globus unter dem Titel "Back to Bass", der leider (bisher) kein Live-Album folgte - und zuweilen doch arg kopflastigen Kunstprojekten - auf "Songs from the Labyrinth" (2006) fahndete er nach vergessener Musik aus dem ausklingenden Mittelalter um das Jahr 1600 und versuchte sich daran unter Verwendung von Instrumenten jener Zeit, und 2009 widmete er sich mit ähnlich ungewöhnlichen Klängen winterlich-weihnachtlichen Themen auf "If on a winter's night" - und natürlich gab es auch die obligatorischen Best of Veröffentlichungen. Vom gestauchten Überblick auf die Spielzeit einer CD komprimiert, bis zur ausufernden 4CD-Box zum Preis eines Kleinwagens, war alles dabei.
All diese Experimente und rückblickenden Exkurse wurden von seinem Publikum sehr unterschiedlich und uneinheitlich aufgenommen, das soll hier nicht weiter Thema sein, nicht jedem gefiel alles. Einigkeit bestand mit den Jahren nur im Wunsch nach neuen Songs, nach Selbsterdachtem, nach einem neuen vorwärts gewandtem Sting-Album.

Dieses von vielen lang herbeigesehnte Album ist "The last ship" nicht. Jedenfalls nicht im Sinne eines Follow-ups zu (dem auch schon nicht gleichmäßig geliebten) "Sacred love", nicht im Sinne eines regulären Studio-Albums, was nicht mehr sein will, als die Sammlung einer Reihe neuer Songs.

"The last ship" ist ein Konzeptalbum. Es uneingeschränkt jedem zu empfehlen, der grundsätzlich mit der Musik von Sting in den letzten 35 Jahren in allen Ausprägungen sympathisiert hat, fällt einigermaßen schwer. Dafür ist es zu speziell, ganzheitlich zu kunstvoll und wird daher nicht auf ohne Ausnahme widerspruchslose Gegenliebe hoffen dürfen. Es ist in jedem Falle ein künstlerisch großes Album, in jeder Hinsicht: Songschreiberisch, wie konzeptionell und erst recht in der handwerklichen, spielerischen Umsetzung - es ist Sting! Egal auf welchem musikalischen Parkett er sich auch gerade bewegt, die erlesene Auswahl seiner musikalischen Mitstreiter, die Durchdachtheit bis in die letzte Note eines kaum wahrnehmbaren Instruments im Hintergrund, der insgesamt selten hohe Anspruch selbst bei kleinsten Feinheiten, eint jede Produktion für die Sting je verantwortlich war. "The last ship" bildet da keine Ausnahme, im Gegenteil, sein Perfektionismus, sein Drang ungewöhnliche Instrumente zu verwenden, wird immer exzessiver. Nur liegen objektiv hohe musikalische Qualität und persönlicher Geschmack der Hörer nicht zwingend stets übereinander. Musik soll auch unterhalten, die Seele berühren, nicht nur den Kopf. Ich persönlich bin jedenfalls nicht bereit von diesem Anspruch zu weichen, schimpft mich meinetwegen Kulturbanause, aber wenn ich intellektuellen Spagat über will, lese ich lieber ein geräuschloses Buch.

Das neue Werk - und Werk ist die trefflichste Bezeichnung, es ist nicht einfach nur ein Album - fährt in der delüxesten aller Ausgaben mit 20 neuen Liedern auf (Standard 12, Deluxe 17, Super Deluxe 20 Songs - noch Fragen?) und dient einem noch nicht uraufgeführten Musical als musikalische Grundlage. Und darin liegt vermutlich auch das große Problem. Mag sein, dass im Theater mit Handlung erlebt, jeder der Songs sitzt, seine volle Wirkung entfaltet und vor allem die Anordnung der Lieder einen Spannungsbogen erzeugt. Auf der Platte ohne Handlung misslingt das gründlich. Die zwanzig neuen Lieder lassen sich, Feinheiten ignorierend, grob in zwei Gruppen kategorisieren: schönste Balladen und deftige Shantys, etwa halbe halbe.

Man könnte sich auch in Superlativen überschlagen und sagen "aller schönste, berührendste, geradezu traumhafte anrührende Balladen" und es wäre nicht übertrieben. Was Sting hier zaubert, lässt sich am Besten, was er in dieser Kategorie bisher geschaffen hat, messen. Allein das macht das Album zwingend, zumindest für all jene, die frühere Songs wie "Shape of my heart", "Tomorrow we'll see", "It's proberply me" und natürlich "Fragile" für unverzichtbare Lebensbegleiter halten. Es ist einfach nur wunderbar, zumindest auf diesem Felde, von Sting nach so langer Zeit wieder eine ganze Reihe neuer Hochkaräter zu erleben. Er kann's noch.

Doch gerade bei der temporeichen, unsentimentalen Abteilung, wird es auf "The last ship" eigen, das Thema der Platte und des anstehenden Musicals gibt die Richtung vor. Hier hören wir Shantys satt. Zwar alles neue Songs von Sting geschrieben, aber ihn umgibt stets die Klangkulisse grölender Seeleute, beschwingtes und trotziges Gemeinschaftsgefühl deftiger Jungs in rauer Umgebung. Nun liebe ich geradezu die kraftvolle Hymne an die heimkehrenden und sich sämtlicher Benimmregeln entledigender Seeleute im Hafen von Amsterdam von Jacques Brel (auch die deutsche Version von Klaus Hoffmann ist phantastisch) - aber etwa jedes zweite Lied auf einem Album? Es mag zur Story passen, auch musikalisch ist jedes der Shanty-Stücke für sich stehend gelungen, aber die Dosis ist doch etwas arg hoch, zumal es nicht unbedingt das ist, womit man den Namen Sting bisher verband.

Die größte Schwierigkeit dabei ist, dass wenn man das Album im Ganzen hört, man ständig die Gefühle wechseln muss. Gerade wurde man von einer der neuen Balladen fast zu Tränen gerührt, schon wird man aus seiner Ergriffenheit von einem die Stimme verstellenden Sting nebst seines rauflustigen Gefolges heraus gerissen und darf sich den Gesang eines Chores grölgelaunter Hafenarbeiter über an die Wand gepisstes Bier anhören. Und dieses stilistische hin und her kommt nicht nur einmal vor, es ist geradezu prägend für das Album. Wie gesagt: Jacques Brels "Amsterdam" ist großartig, aber bitte nicht direkt nach "Ne me quitte pas" und schon doppelt nicht immer und immer wieder dieses Emotionen-Ping-Pong, ein ganzes Album lang.

Mit "The last ship" meldet sich Sting, ungeachtet der Kritik an stilistischer Ausprägung etlicher Songs und deren Verhältnismäßigkeit zu anderen Stücken auf dem Album und der Abfolge der emotional denkbar gegensätzliche Songs, überaus eindrucksvoll nach ziemlich genau zehn Jahren als Songwriter zurück. Unter den Balladen findet sich eine ganze Reihe wahrer Perlen, musikalisch auf höchstem Niveau. Neben einer feurig swingenden Jazz-Nummer und zwei, drei Stücken, die sich mit etwas Phantasie noch am ehesten als dynamische Popsongs im unorthodoxen Arrangement bezeichnen lassen, besteht etwa die knappe Hälfte des Albums aus Liedern, die völlig wertungsfrei als Shantys einzuordnen sind. Das muss man mögen. Doch selbst wenn man diese Seemanns- oder Hafenarbeiter-Romantik sehr mag, macht der ständige Wechsel der Stile ein Durchhören gelinde anstrengend. Darum keine Höchstwertung, auch wenn jedes Lied für sich höchsten Ansprüchen gerecht wird, die nötige Präferenz in den musikalischen Hörgewohnheiten vorausgesetzt.
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