Shop now Shop now Shop now Shop now Shop now Hier klicken Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Jetzt bestellen PrimeMusic Fußball longss17

Kundenrezension

TOP 1000 REZENSENTam 12. Februar 2014
Wolf Schneider, der langjährige Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule, steht für einen schnörkellosen und verständlichen Ausdruck. Er plädiert dafür, daß die Autoren sich selber anstrengen und nicht einen Teil ihrer Arbeit auf die Leser abwälzen. Wer mißverständlich formuliert, spart sich die Zeit, die auf der Seite der Leser multipliziert mit ihrer womöglich großen Zahl zigfach wieder aufgewendet werden muß. So vernünftig diese Sichtweise ist, läßt es Schneider am Ende selber an Konsequenz vermissen. Aber der Reihe nach und erst einmal zu den positiven Seiten.

► SPRACHWISSEN
Kaum ein Feld ist so von Vorurteilen, Mißverständnissen und Halbwissen geprägt wie das der Sprache. Jeder der Millionen ihrer Praktiker hat seine eigene Vorstellung von der Sprache und über die Sprache: Über gutes und schlechtes Deutsch, über das Deutsche in der Welt, über das Englische, über beider Verhältnis, über die Rolle des Duden, etc.
Schneider gebührt großes Lob für seinen Versuch, in diesem Sammelsurium von Meinungen und Fehlinformationen mit Fakten und allgemeinverständlichen Erläuterungen etwas Ordnung zu schaffen. Ein paar überraschende Fakten seien aufgeführt:

■ Der Führer schützt das Fremdwort
Eine hartnäckiger Irrtum ist, daß Sprachschützer, die die Flut von Anglizismen eindämmen und so weit wie möglich durch allgemein verständliche deutsche Ausdrücke ersetzen wollen, ihre Vorläufer in der NS-Zeit hätten. Schneider schafft das polemische Vorurteil, daß Sprachschützer den Deutschtümeleien der Nazis nahestehen, mit einem Wort des "Führers" hoffentlich ein für allemal aus der Welt ;-). Im Dezember 1940 erließ nämlich Hitler eine Weisung, die im Jahr darauf unter dem Betreff „Unschöne Verdeutschung von Fremdwörtern“ allen amtlichen Stellen per Runderlaß bekanntgegeben wurde:
"[Es] ist dem Führer in letzter Zeit mehrfach aufgefallen, daß – auch von amtlichen Stellen – seit langem in die deutsche Sprache übernommene Fremdwörter durch Ausdrücke ersetzt werden, die meist im Wege der Übersetzung des Ursprungswortes gefunden und daher in der Regel unschön sind. Der Führer wünscht nicht derartige gewaltsame Einschränkungen“ (Kirkness 1975: Zur Sprachreinigung im Deutschen 1789-1871. Eine historische Dokumentation, S. 396). "Beispielsweise erwähnte der Führer, daß amtlich jetzt an Stelle von Souffleuse die Bezeichnung Einsagerin gebraucht werde. Der Führer hat angeordnet, die zuständigen Stellen davon zu unterrichten, daß er derartige gewaltsame Eindeutschungen nicht wünscht und die künstliche Ersetzung längst ins Deutsche eingebürgerter Fremdwörter durch nicht aus dem Geiste der deutschen Sprache geborene und den Sinn der Fremdwörter meist nur unvollkommen wiedergebende Wörter nicht billigt.“

■ Das Deutsche in der Welt:
Schneider zitiert den britischen Economist: «Das Deutsche siecht zum Teil nur deshalb dahin, weil Deutschland beim Werben für seine Sprache zaghaft gewesen ist.» («German has languished partly because Germany has been shy about promoting its language.») Und in der Tat gibt es keinen Grund zur Unterwürfigkeit, zu der selbst Churchill bemerkte, daß man die Deutschen entweder an der Gurgel oder an der Füßen hat. Schneider stellt fest: "Deutsch Ist eine der tiefsten, ausdrucksstärksten Sprachen auf Erden. Deutsch ist die Sprache des Protestantismus, des Marxismus und der Psychoanalyse. Im 19. Jahrhundert war es die Weltsprache der Philosophie und der Naturwissenschaften. Es ist die meistgesprochene Sprache der Europäischen Union und sei immer noch das Esperanto Osteuropas. Im Weltmaßstab nimmt Deutsch folgende Ränge ein (ergänzte Angaben):

Fremdsprachen in der EU (zusätzlich zur Muttersprache gebraucht, nach Angaben der Kommission der EU):
1. Platz: englisch von 38%
2. Platz: deutsch von 14%
2. Platz: französisch von 14%

Mutter- und Fremdsprache in der EU zusammengenommen, die von EU-Bürger gesprochen werden
1. Platz: Englisch von 51%
2. Platz: Deutsch von 32%
3. Platz: Französisch von 26%

Internetseiten:
1. Platz: 66% aller Seiten auf englisch
2. Platz: 7% auf deutsch
3. Platz: 3% jeweils auf franz., jap. und span.

Weltweit verlegte Bücher (Angabe Goethe Institut)
18% aller Bücher auf deutsch

Sprachen, aus denen übersetzt wird
1. Platz: Englisch
2. Platz: Französisch
3. Platz: Deutsch

Sprachen, in die übersetzt wird
1. Platz: Deutsch

■ Viele deutsche Wörter sind kürzer und saftiger als englische
Lieschen Müller begründet gerne mit der Kürze des Englischen dessen Überlegenheit und die Verwendung von Anglizismen im Deutschen. Das ist weithin falsch. Schneiders Gegenbeispiele sind:
• Einsilber vs. Zweisilber:
Rat, Mut, weil, vor, Front, Berg | advice, courage, because, in front of, frontline, mountain
• Einsilber vs. Dreisilber:
Trotz, trotz, echt, Glück, Schutz, Trost | defiance, genuine, in spite of, happiness, protection, consolation
• Zweisilber vs. Vier- und Fünfsilber:
Neugier, Mangel, erblich, alles, Umwelt, Nachteil, peinlich, Beitrag, Fluchtpunkt, Bahnhof, Trödler |
curiosity, deficiency, hereditary, everything, environment, disadvantage, embarassing, contribution, vanishing point, railway station, second-hand dealer
• Dreisilber vs. Fünf- bis Achtsilber:
Jahrestag, irrtümlich, vielsilbig, Erwägung, Notausgang, Verarmung, Kundendienst, vorgestern, Umweltschutz |
anniversary, erroneously, polysyllabic, consideration, emergency exit, impoverishment, the day before yesterday, environmental protection

■ Deutsche täuschen sich bei ihren Englischkenntnissen
Schneider behauptet, daß 60% der Deutschen gar kein Englisch können. Viele, die den Werbespruch von Douglas: "Come in and find out!" tatsächlich richtig verstanden haben und sich auf der sicheren Seite wähnen, freuen sich vielleicht zu früh, wenn sie folgende Liste literarisch beliebter englischer Wörter vorgelegt bekommen:
niminy-pimininess | Zimperlichkeit, das Etepetete-Sein
discombombulate | durcheinanderbringen
rejuvenescence | Verjüngung
circumlocution | Weitschweifigkeit, Herumrederei
tatterdemalion | zerlumpt
rambanctious | wild, lärmend
flabbergasted |verwirrt, verblüfft
preposterous |absurd
highfaluting | hochtrabend
curmudgeon | Griesgram, Geizhals
exuberance | Überschwang
conundrum | Rätsel, Scherzfrage
cornucopia | Füllhorn, Fülle, Überfluß

► PHANTASIE und KLARHEIT
Der Autor appelliert an die Phantasie der Sprachgemeinschaft, die sich bereits vieles Gute einfallen ließ. Hier einige Beispiele:
Blackout | Aussetzer
Blockbuster | Straßenfeger
Benchmark | Meßlatte, Orientierungswert
briefen | einweisen
Checkliste | Prüfliste
Count-down | Startuhr
Cursor | Blinker
Deadline | Termin
Display | Sichtfeld
Event | Hingeher
Factory Outlet | Werkverkauf
No-go-area | Meidezone
Public Viewing | Schauarena (in den USA ist public viewing die öffentliche Aufbahrung eines Toten ;-)
Spam |E-Müll
Timing | Zeitwahl
Nicht alle Vorschläge sind gleichermaßen überzeugend, man muß es ja auch nicht über's Knie brechen, aber man erkennt etwa am Beispiel des in der Geschäftswelt gebrauchten "benchmark", daß sich aus dem englischen Wort der Sinn überhaupt nicht erschließen läßt, aus der deutschen Übersetzung aber unmittelbar. Diese Klarheit und Eindeutigkeit ist überhaupt eine der großen Stärken des Deutschen. Werden in einem Gespräch auf deutsch viele Angliszmen oder Fremdwörter gebraucht, bleibt ungewiß, wer von den Gesprächsteilnehmern was wirklich verstanden hat.
Der Lego-Charakter der deutschen Sprache, schnell zusammengesetzte neue Begriffe zu bilden, machen sie auch in den USA immer beliebter, wie nachfolgende kleine Auswahl dort gebrauchter deutscher Wörter zeigt:
über-sexual, überboomer, ding an sich, leitmotiv, doppelgänger, ersatz, fingerspitzengefühl, gemeinwohl, quatsch,
Gemütlichkeit, götterdämmerung, sprachvergnügen, kindergarten, weltpolitik, volkscomputer, Volkswagen, weltschmerz, wahlverwandtschaft, wunderkind, wanderjahre, wanderlust, weltanschauung, weltgeist, weltliteratur, zeitnot, zeitgeist.

► WIRRUNGEN
■ Absage an den Feministen-Sprech
Auf die Sprachverhunzungs Aktivitäten, die Alice Schwarzer und die Liga der Feministen im Schilde führen, kommt der Autor nur kurz zu sprechen, indem er sich über die sprachlichen Ungetüme möglicher feministischer Umbenennungen wie "Einwohnerinnen- und Einwohnermeldeamt" und "Vor Taschendiebinnen und Taschendieben wird gewarnt" lustig macht.
■ Mißgriff amtliche Orthographie
Es würde den Rahmen sprengen, die Gründe anzuführen, warum die amtliche Orthographie, Sätze unklarer und mißverständlicher macht. Schade ist jedenfalls, daß Schneider hier an seine Grenzen kommt und sein Sensorium für diese Fehlentwicklung aus politischen Motiven unterdrückt hat.
Folgendes muß man ihm aber auf jeden Fall vorhalten: Er hat ausführlich über die Anbiederung der Deutschen gegenüber der EU-Bürokratie in Sprachangelegenheiten geklagt, ist aber selber im Hinblick auf die deutsche Bürokratie kein bißchen besser. Der Gegensatz zu Helmut Schmidt könnte nicht größer sein, der in (Außer Dienst: Eine Bilanz) das amtliche Regelwerk sowohl angreift, als auch sich ihm widersetzt. Schneider geht in seiner Übereifrigkeit sogar soweit, Heinrich Heine in die amtsdeutsche Rechtschreibung zu übertragen. Das ist dreist. Richtig lauten Heines Verse, die er am Schluß zitiert, so:

Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft.
Es war ein Traum.
Das küßte mich auf deutsch, und sprach auf deutsch
(Man glaubt es kaum
Wie gut es klang) das Wort: „Ich liebe dich!“
Es war ein Traum.

FAZIT
Schneider liefert ein engagiertes und weithin gut begründetes Plädoyer für klar verständliche und phantasievolle Ausdrucksweisen auf deutsch. Das Deutsche habe die Kraft dazu, die Deutschen vielleicht auch.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden| Permalink
Was ist das?

Was sind Produktlinks?

Im Text Ihrer Bewertung können Sie mit einem Link direkt zu einem beliebigen auf Amazon.com angebotenen Produkt leiten. Befolgen Sie diese Schritte, um einen Produktlink einzufügen:
1. Das Produkt, zu dem der Link führen soll, auf Amazon.com suchen
2. Internetadresse des Produkts kopieren
3. Klicken Produktlink einfügen
4. Die Internetadresse in das Kästchen einfügen
5. Klicken Auswählen
6. Wenn Sie den angezeigten Artikel auswählen, erscheint ein Text wie dieser: [[ASIN:014312854XHamlet (The Pelican Shakespeare)]]
7. Sobald Ihre Bewertung auf Amazon.com erscheint, wird dieser Text in einen solchen Hyperlink umgewandelt:Hamlet (The Pelican Shakespeare)

Ihre Bewertung ist auf 10 Produktlinks beschränkt, und der Linktext darf maximal 256 Zeichen betragen.