flip flip Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren Xmas Shop 2017 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle MusicUnlimited Fußball wint17

Kundenrezension

am 19. Juli 2009
"Gran Torino", der im letzten Jahr eher still in die Kinos Einzug hielt, jedoch sowohl unter Kritikern als auch Kinogängern große Beliebtheit erlangte, ist eigentlich als Clints Abschied von seinem Wirken vor der Kamera gedacht. Von nun an will sich Eastwood nur noch als Regisseur betätigen.

Dies ist eigentlich jammerschade, denn Clint Eastwood war immer einer meiner unangefochtenen Lieblingsschauspieler. Nicht nur hat er mit Dirty Harry und dem oft namenlosen Westernhelden eine unnachahmliche Kultfigur geschaffen, sondern es ist ihm auch gelungen, im Laufe der Zeit diese von ihm geschaffene Figur selbstironisch zu dekonstruieren, ohne dabei parodistisch-lächerlich zu werden oder seine Vergangenheit zu verleugnen.

In "Gran Torino" spielt Clint den verbitterten, eigenbrödlerischen Witwer und Koreakriegsveteran Walt Kowalksi, der sich mit seiner - zugegebenermaßen eher unsympathischen - Familie überworfen hat und nun als einziger Weißer in einer früher von Fordarbeitern bewohnten Straße in Detroit übriggeblieben ist. Zu seinen Nachbarn, meist Angehörigen des Volkes der Hmong, hat der Rassist ein unverhohlen feindseliges Verhältnis. Als der stille und zurückhaltende Nachbarsjunge Thao, von Walt beharrlich "Toad" genannt, versucht, den Gran Torino seines Nachbarn zu stehlen, um in eine Straßengang aufgenommen zu werden, wird er von Walt dabei erwischt und muss - so will es die Ehre seiner Familie - bei Walt zur Buße Arbeit verrichten. Da es Walt gewohnt ist, sein eigenes Hab und Gut selbst in Schuss zu halten, setzt er ihn kurzerhand dazu ein, die heruntergekommenen Häuser in der Nachbarschaft wieder instand zu setzen. Nach und nach entwickelt sich eine Freundschaft zwischen Walt und Thao sowie dessen Schwester Sue.

Thaos Weg zu mehr Selbstbewusstsein und der Erkenntnis, mit ein wenig Eigeninitiative seine Träume vielleicht verwirklichen zu können, wird jedoch von der Straßengang seines Cousins "Spider" durchkreuzt, und Walt wird klar, dass er für seinen Schützling noch einen entscheidenden Kampf auszufechten hat.

Man sollte sich nicht von dem Cover der DVD täuschen lassen und etwa einen Film erwarten, in dem mit der Waffe in der Hand für Gerechtigkeit gesorgt wird, denn einen glaubwürdigen Actionhelden hätte der 78jährige Eastwood sicher nicht abgeben können. Anders als manch andere Ikone umschifft Eastwood die Klippen der Lächerlichkeit, die darin besteht, entgegen dem Fortgang der Zeit am alten Selbstbild festhalten zu wollen - dies nur als Kommentar auf die ewig Junggebliebenen. Eastwood spielt hier allenfalls mit Elementen seiner alten Filmfigur, etwa wenn sein Griff zur Waffe von der Kamera typischerweise aus der Froschperspektive festgehalten wird - interessanterweise gibt Walt in dem Film allerdings keinen einzigen Schuss ab.

Eastwoods Film vermittelt die Botschaft, dass jeder noch so stark unterdrückte Mensch die Chance ergreifen kann, etwas aus seinem Leben zu machen, wenn dabei auch manch ein Strauß ausgefochten werden muss. Man mag diesen Glaubenssatz teilen oder auch nicht, in "Gran Torino" wird er auf eine zu Tränen rührende Art und Weise ausgebreitet. Auch die Problematik im Zusammenleben verschiedener Kulturen wird überzeugend beleuchtet.

Eastwood gleitet bei aller Eindringlichkeit seiner Botschaft keinesfalls in simple Schwarz-Weiß-Malerei ab, denn sein Held ist niemand, mit dem man sich ohne weiteres gern auf ein Bier zusammensetzen würde - auch hier also kein Zugeständnis an Eastwoods beharrlichste Kritikerin Pauline Kael. Zwar werden Walts rassistische Bemerkungen im Mittelteil des Films, wenn er sich mit seinem Friseur unterhält, relativiert, aber er ist durchaus seinen Vorurteilen verhaftet und - was für viele PC-Saubermänner und -frauen noch schlimmer sein dürfte - er raucht mit Genuss; mit so etwas käme heute ja nicht einmal mehr Sherlock Holmes auf der Leinwand davon. Im Verlaufe des Filmes, etwa während der Beichte, wird außerdem deutlich, dass das schlechte Verhältnis, das er zu seinen Söhnen hat, teilweise auch eine Folge seiner Erziehung ist. Diese stetige Ambivalenz macht Walt zu einem interessanten, realistischen Charakter und läßt seine zaghafte Annäherung an die Nachbarsfamilie glaubwürdiger erscheinen. Interessant, aber nicht beantwortbar, ist in diesem Zusammenhang noch die Frage, woher die Anziehungskraft solch rauhbeiniger, grantliger alter Männer - Dr. House ist dafür auch ein Beispiel - auf uns heute rührt.

Empfehlenswert ist es vor allem, den Film im englischen Original zu sehen, denn nach dem Tode Klaus Kindlers, der altbekannten Synchronstimme Eastwoods, kann man sich, so finde ich, nur schwer an andere Stimmen gewöhnen.

Ein besonderer Leckerbissen erwartet den Zuschauer am Ende des Films, wenn Clint selbst das Intro zu dem Song "Gran Torino" intoniert. Fazit also: Bahn frei für den "Gran Torino"!
33 Kommentare| 24 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden| Permalink
Was ist das?

Was sind Produktlinks?

Im Text Ihrer Bewertung können Sie mit einem Link direkt zu einem beliebigen auf Amazon.com angebotenen Produkt leiten. Befolgen Sie diese Schritte, um einen Produktlink einzufügen:
1. Das Produkt, zu dem der Link führen soll, auf Amazon.com suchen
2. Internetadresse des Produkts kopieren
3. Klicken Produktlink einfügen
4. Die Internetadresse in das Kästchen einfügen
5. Klicken Auswählen
6. Wenn Sie den angezeigten Artikel auswählen, erscheint ein Text wie dieser: [[ASIN:014312854XHamlet (The Pelican Shakespeare)]]
7. Sobald Ihre Bewertung auf Amazon.com erscheint, wird dieser Text in einen solchen Hyperlink umgewandelt:Hamlet (The Pelican Shakespeare)

Ihre Bewertung ist auf 10 Produktlinks beschränkt, und der Linktext darf maximal 256 Zeichen betragen.


Produktdetails

4,8 von 5 Sternen
639
4,8 von 5 Sternen
4,97 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime