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Kundenrezension

am 22. November 2009
"Believe In Nothing" dürfte wohl noch umstrittener sein als "Host". Vor allem, da es weder das "Host"-Klientel, noch die Freunde alter Tage eindeutig bedient. Als einer der wenigen, die die stetige Weiterentwicklung dieser Band immer geschätzt haben, da ich ein zweites "Shades of God" oder "Draconian Times" als unnötig empfinde (ich hab ja das Original schon, wozu noch eine Kopie?), versuche hier nun, das Album mal Song für Song zu bewerten:

1) I Am Nothing:
Der Semi-Titelsong startet mit verzerrtem Schlagzeug, um dann in eine Art Heavy Pop-Rock umzusteigen. Ein Ohrwurm ist der Song zweifelsohne. Schlecht ist er auch nicht, nur irgendwie unoriginel. Die Atmosphäre ist zwar weiterhin unverkennbar die selbe, für die Paradise Lost berühmt wurden, aber irgendwie mangelt der Song an dem zündenden Etwas, dass einen guten Song zu einem erstklassigen Song macht. Wie gesagt, schlecht ist er nicht, aber irgendwas fehlt. Der Text reißt das ganze dafür wieder raus. Der stammt unverkennbar von Nick Holmes und handelt von Typen, die sich für was besonderes halten, aber eigentlich niemand sind. Das ganze natürlich mit einer gesunden Portion Ironie. (7,5/10)

2) Mouth:
Eine fast schon Hardrock-artige Gitarre eröffnet den Song. In der Strophe wird dann eine minimalistische atmosphärische Melodie von Greg präsentiert, die das Ganze in ein düster-melancholisches Gewand hüllt. Nick Holmes liefert hier passend eine seiner ohrwurmhaftigsten Melodien ab. Das ganze funktioniert super, "Mouth" sticht auf dem Album wahrlich positiv hervor. Vor allem die Steigerung der Dramatik geling wahnsinnig gut. (9/10)

3) Fader:
Dieser Song wird unter Oldschool-Fans wohl das Hassobjekt schlechthin sein. Der Song ist Pop-Rock pur. Allerdings geht die Melodie sofort ins Ohr und haftet dort fest und lässt einen nicht mehr los. Ungewöhnlich für Paradise Lost ist dieser Song schon, doch kann er sich locker mit "Mouth" messen. (9,5/10)

4) "Look At Me Now":
Zu Beginn ertönen die Elektro-Klänge von Host, nur um von einer heftigen Gitarre unterbrochen zu werden. Dies zieht sich wie in Faden durch das ganze Lied. Teilweise Elektropop vermischt mit (ziemlich eindeuig) Metal-Gitarren. Das klingt wahnsinnig sperrig, funktioniert aber sehr gut. Meiner Meinung wäre dies ein besserer Opener als "I Am Nothing" gewesen. (8,5/10)

5) "Illumination":
Sehr melancholisch der Song. Leider bietet er zu wenig Abwechslung und plätschert eintönig vor sich hin. Lediglich Nick Holmes kann im Refrain wirklich herausstechen. (6/10)

6) "Something Real":
Nach dem Absturz kommt nun wieder ein gelungener Song. "Something Real" mag zwar ebenfalls sehr poppig geworden sein, aber überzeugt gerade durch seine Einfachheit. Der Refrain ist ohnedies der Hammer schlechthin. Greg darf auch erstmals in größerem Umfang seine Gitarrenarbeit präsentieren, allerdings ohne dabei groß auf Komplexität zu setzen. (9/10)

7) "Divided":
Eine wahnsinnig traurige Ballade über die Unfähigkeit der Menschen vernünftig zu kommunizieren. Die Keyboards sind hier das tragende Element. Gitarrenmäßig hält sich die Band allerdings hier sehr zurück. Insgesamt der wohl "Host"-ähnlichste Song auf "Believe In Nothing".(8/10)

8) "Sell It To The World":
Ein eher vorantreibender Song, den man am ehesten als eine Mischung aus "Look At Me Now" und "Mouth" beschreiben könnte. Allerdings fehlt hier die Gesangsmelodie, die einen mitreißt. (7,5/10)

9) "Never Again":
Die zweite und letzte Ballade auf dem Album. Im Gegensatz zu "Divided" setzt sie aber auf konstante Steigerung, anstatt auf unbeschreibliche Melancholie, die unüberwindbar scheint. Das gelingt nur teilweise, da der vor allem gegen Ende irgendwie der Zusammenhang abhanden gekommen ist. Außerdem fehlt jeder Ohrwurmcharakter, sodass der Song fast unbemerkt vorbeiläuft. Positiv muss aber hervorgehoben werden, dass der Song im Mittelteil über einen sehr gelungen orchestralen Keyboardpart verfügt, der doch zumindest ein bisschen Aufmerksamkeit auf sich zieht. (7/10)

10) "Control":
Trotz Gregs markanter Gitarre, die hier wieder mehr in den Vordergrund darf, kann der Song nicht wirklich überzeugen. Irgendwie fehlt der Gesang, der in diesem Musikstil die vordergründige Rolle spielen soll. Ein wahrer Mittelmaß-Song. (4/10)

11) "No Reason":
Der wohl härteste Song auf dem Album und als solcher funktioniert er wunderbar. Es stimmt hier alles, die (verhältnismäßig) heavy Gitarren, der Gesang, einfach alles. Passend dazu treten die Keyboards in den Hintergrund. Gelungen. (9/10)

12 "World Pretending":
Ein sehr langsamer, schleppender Song, der, wäre er etwas härter ausgefallen, fast schon als doomig bezeichnet werden könnte. Er überzeugt durch Nick Holmes, der hier wohl eine seiner besten Gesangsleistungen seiner ganzen Karriere abliefert. Die Gitarren bauen Spannung auf, und auch Greg darf ein paar seiner markanten Melodien aus dem Ärmel zaubern. Der perfekte Abschluss. (9/10)

Fazit: Das Album hat seine Höhen und Tiefen. Es zeigt eine Band, die gerade nicht genau weiß, in welche Richtung sie gehen soll. Back to the roots? "One Second"-, "Host"-Ära? Oder was ganz neues? Von all dem findet man etwas, auf dem Album. Wer sich dieses Album kauft, muss sich klar sein, dass dies nicht die Paradise Lost sind, die "Gothic" aufgenommen haben. Auch nicht die, die "Draconian Times", "One Second" oder "Host" aufgenommen haben. Und auch nicht die, die später "Symbol of Life" aufnehmen würden. Diese Band ist eine, die auf der Suche nach ständiger Weiterentwicklung sind, und dabei kurz in's Straucheln gekommen sind.
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