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Kundenrezension

am 27. Januar 2015
Einer der Vorteile des Fantasy-Genres ist, dass darin Altersschranken aufgehoben werden. Bücher, die aus Kindersicht geschrieben sind, müssen keine reinen Kinderbücher sein, sondern können gegebenenfalls auch einen erwachsenen Leser in ihren Bann ziehen (vor allem, wenn dieser noch nicht vergessen hat wie es war, selbst ein Kind zu sein).
Tommy Krappweis Trilogie-Auftakt 'Mara und der Feuerbringer' ist ein ebensolches Werk, welches sich mit 14 Jahren genauso gut lesen lässt, wie mit 41.

Zum Inhalt:
Mara Lorbeer ist ein vierzehnjähriges Mädchen aus München. Ihre Eltern sind geschieden. Der Vater lebt weit weg in Berlin und meldet sich nicht mehr. Ihre Mutter hat einen galoppierenden Esoterik-Hau und droht, den Kontakt zu ihrer Tochter zu verlieren, während sie mit ihrer Frauen-Gruppe, den 'Wiccas von der Au', von einem schrägen (und gnadenlos überteuerten) Seminar zum nächsten eilt, wehrlosen Bäumen eine Klinke an die Borke quasselt oder sich auch mal, á la Engerling, in Rindenmulch verscharren lässt.

Mara selbst möchte eigentlich nur ganz normal sein. Insbesondere wäre sie gerne die seltsamen Tagträume los, welche sie immer wieder heimsuchen und alles um sich herum vergessen lassen, was ihr bei ihren Mitschülern - allen voran Biest Larissa - den Ruf der 'Spinnerin' eingebracht hat und sie zur Außenseiterin macht.
Doch gerade als Mara beschlossen hat, ab sofort nicht mehr tagzuträumen sondern das langweiligste Musterbeispiel eines durchschnittlichen Teenagers zu sein, welches sich in ganz Bayern finden lässt (inklusive Hello Kitty-Bettwäsche), überschlagen sich die Ereignisse.
Durch einen überaus ungewöhnlichen, dendrologischen Kurier wird ihr eröffnet, dass sie eine Spákona sei, also eine altnordische Seherin und Weissagerin. Wahrscheinlich die letzte auf Erden. Und damit dummerweise auch die einzige Kandidatin, um die heraufziehende Ragnarök - grob gesagt: das Ende der Welt - zu verhindern.
Als hätte sie mit ihrer verschrobenen Mama und der Schule nicht schon genug Probleme, bürsten ihr unbekannte Mächte nun also auch noch auf, dafür Sorge zu tragen, dass der gefangene Unheilsstifter Loki - seines Zeichens germanischer Gott und Vater einer höchst suspekten Sippschaft von Monstern und Totengöttinen - weiterhin in seiner Höhle gefesselt bleibt.

Hilfe findet sie, nach einigen Anlaufschwierigkeiten, bei Professor Reinhold Weissinger von der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität, welcher Mara nicht nur dabei hilft, ihre mittlerweile ausufernden Visionen zu deuten, sondern sie fortan auch begleitet, wenn es quer durch Edda, Nibelungenlied, Tolkien-Referenzen und wagnerianisches Operngeschwurbel gegen den so geheimnisvollen wie grausamen Feuerbringer ins Felde geht, wobei nicht nur halb München sondern auch Maras komplettes Leben wortwörtlich aus den Fugen gerissen werden.

Tommy Krappweis hat sich für seine Roman-Trilogie um 'Litilvölva' Mara in die germanisch-skandinavische Mythologie vertieft und geht mit dieser bewundernswert locker und spielerisch um, vermeidet pathetische Untiefen wie auch jedweden völkischen Beigeschmack, mit welchem diese Thematik immer noch allzu oft serviert wird.
Hilfreich zur Seite stand ihm hierbei Professor Rudolf Simek, der nicht nur ein anerkannter Experte für die vorchristliche Glaubensgeschichte Nordwesteuropas ist und dem Buche selbst einen detaillierten, dennoch leicht verständlichen Anhang zur altnordischen Mythologie und ihren Figuren beigesteuert hat, sondern dem auch Professor Weissinger einiges seiner äußeren Erscheinung zu verdanken haben dürfte.
Solcherart wohlberaten schafft es Krappweis eine spannende, verschachtelte und überraschende Handlung zu entwickeln, welche sich auf schelmische, jedoch niemals platte oder alberne Art an die Skaldendichtung der Sagas anhängt und diese in moderner Weise fortführt.

Titelheldin Mara bleibt dabei in ihrer Gestalt eher grob umrissen, bietet dem Leser aber umso mehr innere Reflektionsfläche, wenn sie sich mit trockenem, beinahe pragmatischem Humor den Gefahren einer ungeahnten Welt hinter der Realität stellt und an ihren kleinen Erfolgen wie auch Fehlern wächst und zur Persönlichkeit reift.

Gewiss, die Ausgangslage erfindet das Genre nicht neu: Junger Außenseiter wird unversehens zum Mittelpunkt so dramatischer wie fantastischer Ereignisse, muss unwillig die Welt retten und gleichzeitig sich selbst finden.
Wie dieses Geschehen jedoch dem Leser dargeboten wird steht auf einem anderen Blatt. Und das hat Tommy Krappweis in einer Sprache beschrieben, die einfach Spaß macht. Der Autor erzählt spannend, einfühlsam, manchmal unheimlich aber immer mit einem verschmitzten Humor, welcher das Herz wärmt und seine Charaktere liebevoll zu literarischem Leben erweckt. Man fiebert mit, kommt ins Grübeln - und lacht bisweilen unvermittelt auf, wenn beispielsweise der unerwartet treffende Vergleich eines Gesichtsausdrucks mit einem Sofakissen aus dem Text winkt.
Akademiker und Freunde der Living History amüsieren sich über 'Insider', wenn die Möglichkeit eines Suebenknotens im frühmittelalterlichen Skandinavien heiß debattiert wird.
Kritiker wie bodenständige Freunde des Esoterik-Booms und Neoheiden dürfen sich über Maras Mutter und ihre abstrusen Aktivitäten und Erwerbungen ins Fäustchen lachen.
Wagner-Geschädigte schließlich können sich mit einem Augenzwinkern darin bestätigt finden, dass bombastischer Operndonner, Walkürenritt und Stabreim einfach nichts anderes als Unglück bringen können.
Und Freunde alter Mythen und frischer Fantasy kommen ohnehin auf ihre Kosten.
Wie also eingangs erwähnt ist dieses Buch angetan, einem breiten Publikum jenseits aller Altersschranken spannende Unterhaltung zu bieten und macht Heißhunger auf die weiteren Teile.

Fazit: Es lohnt sich!
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