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Kundenrezension

am 13. August 2013
Marcus Goldman ist gerade mal dreißig und schon ein gefeierter Literaturstar. Gleich von seinem ersten Roman hat er eine Millionen Exemplare verkauft. Er zieht in ein New Yorker Loft, datet ein TV-Sternchen, flaniert über rote Teppiche und wird auf der Straße erkannt. Als sein Verlag jedoch noch einen Nachfolge-Hit erwartet, erwischt Marcus eiskalt die Schriftstellerkrankheit: Er bringt keinen vernünftigen Satz mehr auf’s Papier. Verzweifelt wendet er sich an seinen alten Mentor Harry Quebert. Der eremitierte Uniprofessor hat selbst in jungen Jahren einen modernen Klassiker verfasst und wird seitdem als „Die Feder Amerikas“ verehrt.

Doch bevor er Marcus aus seiner Krise helfen kann, sitzt Harry plötzlich selbst in der Patsche. Auf seinem Anwesen Goose Crove in der neuenglischen Kleinstadt Aurora wurden die sterblichen Überreste von Nola Kellergan gefunden. Ein 15-jähriges Mädchen, das im Sommer 1975 verschwunden ist. Als dann auch noch rauskommt, dass Harry damals eine Affäre mit dem blutjungen Teenager hatte, ist der Skandal perfekt. Harry droht die Todesstrafe. Aber was ist vor 33 Jahren wirklich geschehen? Marcus macht sich auf Spurensuche in dem verschlafenen Nest Aurora, um die Wahrheit im Fall Harry Quebert herauszufinden. Ein Fall, der den perfekten Erzählstoff für seinen neuen Bestseller liefert.

“Harry Quebert” ist eine gewitzte Buch-im-Buch-im-Buch-Inszenierung, die ganz wunderbar ineinander greift. Auf dem Rückumschlag steht in großen Lettern: “Niemand kannte ihn, und dann schrieb er das erfolgreichste Buch des Jahres”. Bewusst wird dabei offen gelassen, ob sich diese Aussage nun auf Joël Dicker, Marcus Goldman oder Harry Quebert bezieht. Das geschickte Spiel mit den Metaebenen wird auch auf dem Buchcover fortgesetzt. Eine weiße Fläche hinter deren Riss sich eine zweite Welt auftut, die einen Ausschnitt aus dem Gemälde “Portrait of Orleans” von Edward Hopper zeigt. Jener Künstler, der berühmt für seine Darstellungen amerikanischer Alltagsszenen ist, in denen sich die Einsamkeit des modernen Menschen widerspiegelt. Auch in Dickers Roman sind die Figuren unglückliche Einzelgänger, allen voran Marcus und Harry, die besessen von Ruhm und Anerkennung vergessen haben, zu leben. Aber auch die anderen Bewohner von Aurora kämpfen mit ihren inneren Dämonen und verstecken ihre ganz eigenen Leichen im Keller. Mit dem Blick hinter die saubere Fassade wird aus dem Kleinstadtkrimi gleichzeitig ein satirisches Amerika-Portrait.

Man merkt, dass sich Joël Dicker mit jeder Faser seines Könnens der Zufriedenstellung seines Publikums verschrieben hat, ohne sich dabei anzubiedern. Dafür hat er seinen Schreibstil ganz bewusst an die Kritiken und Anregungen angepasst, die er von Lesern für seinen ersten Roman bekommen hat, schreibt er auf dem Verlagsblog. Auf diese Weise ist es ihm tatsächlich gelungen, einen flüssigen, locker-flockigen Erzählton zu treffen, der sowohl anspruchsvolle als auch weniger anspruchsvolle Leser zufrieden stellen sollte. Dadurch ist “Harry Quebert” im allerbesten Sinne ein Buch für die Massen geworden, das es sogar noch schafft, sich selbst aufs Korn zu nehmen, indem es immer wieder die Bestseller-Manie des Literaturbetriebs parodiert, vor allem in Marcus Telefonaten mit seinem New Yorker Verleger: “Schreiben heißt abhängig sein. Abhängig von denen, die Ihre Bücher lesen oder eben nicht. Freiheit ist gequirlter Schwachsinn! Niemand ist frei.” Durch so viel ironische Selbstreflexion hat Joël Dicker sein Werk beinahe unantastbar gemacht.

Beinahe. Denn auch wenn ich tief beeindruckt bin von so viel taktischem Geschick und Beschwingtheit, gibt es ein paar sehr unschöne Baustellen im Roman, wo Dicker vor den Augen der Leser an seine erzählerischen Grenzen stößt. Die Passagen, die sowohl aus Harrys als auch Marcus angeblich so brillanten Bestsellern zitieren, sind grottig. Zudem finden sich im Mittelteil so viele inhaltliche Redundanzen, wie man sie sonst nur aus Dan Brown-Büchern kennt. Dafür gibt's leider einen Stern Abzug! Das spannende Finale mit seinen blitzschnellen Drehungen und Wendungen, die ihre Wirkung nicht verfehlen, macht den Wehmutstropfen jedoch schnell wieder wett. Chapeau, Monsieur Decker!
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