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Kundenrezension

am 1. September 2008
1985 drehte Margarethe von Trotta diese Filmbio über die deutsch-polnische Sozialistin Rosa Luxemburg (1870-1919). Die Rahmenhandlung spielt im 1. Weltkrieg, in dem Luxemburg (Barbara Sukowa) überwiegend in Breslau inhaftiert ist. In Rückblenden erinnert sie sich an ihren politischen Kampf an der Seite ihres Mitstreiters und Geliebten Leo Jogiches (Daniel Olbrychski, "Die Blechtrommel"), an ihre Gefangenschaft in Warschau, an die Auseinandersetzungen mit führenden deutschen Sozialdemokraten über die Position der SPD zur Revolution (Hintergrund bildet die russische Revolution von 1905). Ihre radikal-pazifistische Haltung macht sie weit über die Grenzen der SPD bekannt - und zur Zielscheibe des Hasses rechtsgerichteter Kreise. Nach ihrer Haftentlassung im November 1918 bleiben ihr nur noch wenige Wochen, ihre Ziele voranzutreiben. Zusammen mit Karl Liebknecht (Otto Sander) wird sie am 15.1.1919 nach der Niederschlagung des Spartakusaufstandes von Freikorpssoldaten ermordet und anschließend in den Landwehrkanal geworfen.
Die unaufdringliche Regie von Trottas verlässt sich vollkommen auf die herausragende Darstellerin Barbara Sukowas. Dass sie der realen Luxemburg nicht besonders ähnlich sieht, hat man aufgrund ihres nuancierten Spiels bald vergessen. Sie zeigt nicht nur die politische Agitatorin, sondern auch eine humorvolle und leidenschaftliche Frau. Ihre Albereien mit ihrer besten Freundin Louise Kautzky gehören ebenso zu ihr wie ihre spätere Einsamkeit nach dem Zerwürfnis mit Jogiches und dem Tod mancher Mitstreiter. Die Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten untergräbt auch ihr vertrauensvolles Verhältnis zu ihrem ehemaligen Mentor Karl Kautzky.
Der Film ist weder chronologiosche Geschichtsstunde, noch "Heldinnenverehrung".
Die Filmhandlung ist sehr verschachtelt, so dass Zuschauer ohne ungefähre Kenntnisse der deutschen Geschichte sich mit dem Film schwertun könnten. Es gibt auch keine erklärenden Zwischentitel oder eingestreuten Jahreszahlen. Die Handlung spielt überwiegend von 1900 bis 1919. Durch ihre z.T. sehr poetischen Briefe erzeugt die Darstellung Luxemburgs zwar sehr viel Wärme, aber auch ihre Unduldsamkeit, ihr beißender Spott (in einer Szene erklärt sie dem entgeisterten Bebel, sie und Clara Zetkin seien die letzten Männer der deutschen Sozialdemokratie) und ihre manchmal fehlende Kompromissbereitschaft werden dargestellt.
Bis in die kleinsten Rollen ist der Film hervorragend besetzt: Jan-Paul Biczycki (Bebel), Doris Schade (Clara Zetkin), Jürgen Holtz (Kautzky) und Charles Brauer (in einer kleinen, aber feinen Rolle als Gefängniswärter in Breslau) um nur einige hervorzuheben.
Der Film ist überwiegend in gedeckten Farben gehalten. Rot taucht selten auf. Der Teppich, über den Luxemburg kurz vor ihrem Tod geführt wird, ist fast wie eine Blutspur, die das 20. Jahrhundert durchziehen wird, das eben nicht das Jahrhundert der Erfüllung werden würde, wie es Bebel in seiner Neujahrsansprache 1900 hoffte. Luxemburg glaubt, lediglich ins Gefängnis gebracht zu werden, als sie erschossen wird. Eine Umkehrung einer Anfangsszene, in der sie eine Scheinhinrichtung in Warschau durchlebt. In der letzen Einstellung ruht die Kamera lange auf dem Landwehrkanal. Die "rote" Rosa ist tot, die Geschichte geht weiter.

Dass der Film so authentisch wirkt, hängt mit der außerordentlich guten Quellenlage zusammen. Über 2300 Briefe sind von Luxemburg erhalten, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht alle veröffentlicht worden waren. Als einer der wenigen Westdeutschen war es von Trotta vergönnt, im Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED zu recherchieren. Glücklicherweise konnte sie eine von der DDR gewünschte Coproduktion vermeiden. Dann wäre es wohl ein ganz anderer Film geworden.

Der Film erhielt zwei Filmbänder in Gold (bester Film, beste Darstellerin), bei den Filmfestspielen in Cannes 1986 erhielt Sukowa den Preis für die beste Darstellerin.

Bild und Ton (deutsches Original mit optionalen Untertiteln) sind sehr gut. Als Extras gibt es ein paar Informationstafeln zu Regisseurin, Produzent und Darstellerin Karin Baal, einige Trailer, Bildgalerien zum Film und zu den Dreharbeiten, sowie zwei Interviews mit von Trotta und Sukowa (20 bzw. 5 min).

Sehr empfehlenswert!
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