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Kundenrezension

HALL OF FAMETOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 15. Juni 2007
Christoph Hein seinen neuen Roman "Frau Paula Trousseau" kann, wer will, als ganz individuelle, private Lebensgeschichte lesen, oder als Situationsschilderung über Kunst und Literatur, Leben und Arbeit in dem deutschen Staat, den die Geschichte nach nur vier Jahrzehnten wieder verabschiedet hat. Am Anfang waren Hoffnungen erlaubt, es sollte ein neuer Anfang werden, am Ende waren noch die letzten Illusionen zerstört worden.
Selbst lobende Kritiken sind oft nicht in der Lage die Handlung vernünftig nachzuerzählen. Obwohl das Buch keineswegs komplex, vielmehr sehr geradlinig erzählt ist, lässt es sich jedoch sehr schwer auf den Punkt bringen. Deshalb folgen meine Gedanken nicht dem strengen chronologischem Hergang des Buches, sondern es sind analytische Gedankenskizzen.

Es beginnt und endet mit einem Selbstmord. Der erste Selbstmordversuch war vor dem Fall der Mauer, der Selbstmord geschah 2002. Paula wird in einem Nebenarm der Loire gefunden. Nach der Wende fährt sie in den Westen, schaut sich Museen an, die interessieren sie mehr als der ganze Mauerfall und dann begeht sie diesen Selbstmord. Und darin liegt eigentlich die Botschaft dieses Buches, denn es ist ausschließlich die Privatheit in der sie leb, deshalb spielt für sie die Gesellschaft gar keine große Rolle, anders als wir es als Leser eigentlich von einem Roman in der DDR, oder aus der späten DDR erwarten. Und nach dem Selbstmord erzählen die Tagebuchaufzeichnungen ihre Sicht der Welt, der Geschlechterbeziehungen, der Kunst und der Verhüllung.

Ein Frauenschicksal, ein Frauenleben, wie wir es seit Fontane, seit Effi Briest, in der deutschen Literatur nicht mehr gelesen haben. In einer Kritik wurde auch Flauberts "Madame Bovary" genannt. Die Autoren des 19. Jahrhunderts haben Frauengeschichten geschrieben, wie sie damals nicht anderes ablaufen konnten, das heißt, die Frauen konnten ihren Ehrgeiz nur über den Mann realisieren. Im 20. Jahrhundert braucht die Frau nicht mehr unbedingt einen Mann, sie braucht auch keine Ehe einzugehen, kann ohne den Mann ein Leben bestehen und sie kann, wie man so sagt, sich selber verwirklichen und dennoch scheitert Paula Trousseau, obwohl sie das alles kann, genau so wie die anderen Figuren. Die Tochter wird ihr nach der Scheidung weggenommen, übrigens auch hier eine Parallele zu Effie Briest. Und überhaupt kommen ähnlich wie bei Fontane, die Männer nicht gut weg. Jedenfalls ist es sehr selten, dass ein männlicher Autor in dieser Weise ein Frauenleben erzählt.

Die Kraft dieses Buches liegt darin, dass es fast ohne Abstriche auf andere Verhältnisse übertragbar ist. Es ist kein politisches Buch, eher eine nachgetragene DDR Geschichte. Diese Biographie könnte an vielen Stellen spielen, nur die eine Stelle mit dem "weißen Bild" ist ein Hinweis auf die DDR, wo moderne, abstrakte Kunst nicht gern gesehen wurde.
So besticht das Buch weniger durch atmosphärische Schilderungen des Lebens in der DDR, als durch Dialoge. Es ist eine Art von Prosa, wo der Autor nicht sichtbar ist, so dass der Leser sich zwischendurch immer fragt, was denkt eigentlich der Autor? Aber er hält keine Antwort darauf. Es gibt eine zweite Spannung, die in der Struktur dieses Romans liegt und in der ganzen Methode des Schriftstellers Christoph Hein, dadurch das der Autor nicht kommentiert hat der Leser ständig selbst das Bedürfnis irgendwie zu verstehen. Das Schöne an dem Buch ist eben, dass die ganze Gestalt bis zum Ende etwas Rätselhaftes hat.

Und es ist schwer zu sagen, und das ist eine Qualität dieses Buches, ob dieses Scheitern jetzt nur den äußeren Umständen anzulasten ist, also den Beschränkungen des Lebens in der DDR, dem Unverständnis der Behörden, die sich mit der "Verwaltung der Kunst" befassen und natürlich auch der Männer, mit denen sie zusammen lebt. Da ist der linientreue Kunstprofessor als Ehemann, da sind wechselnde Geliebte, aber die Beziehungen scheitern immer wieder und ihre Glücksmomente sind eigentlich nur die beständigeren Beziehungen zu Frauen, auf die sie sich aber auch nicht einlässt: Sie ist nicht lesbisch, vielleicht ein bisschen bisexuell.
Es ist fast ein verkapptes Theaterstück und es erzählt vom Scheitern dieser Frau Paula Trousseau, Scheitern auf vielen Ebenen, als Mutter, als Geliebte, als Ehefrau, als Künstlerin letztlich, obwohl sie alles der Kunst unterordnet und so nur für die Kunst leben will. Paula scheitert auch, weil sie seelisch liebesunfähig ist. Sie kann zwar in der Schmerzverhüllung leben, sie kann aber nicht lieben, weil sie den erlittenen Schmerz niemand zeigt. Dann legt dieses weiße Bild", die Winterlandschaft, so weit es beschrieben ist, den Gedanken nah, dass es ein Bild der Schmerzverhüllung ist.
Die Frau leidet unter einer ursprünglichen Liebesverletzung. Es ist einerseits der Vater, dessen Autorität auch dazu führt, dass die Mutter Alkoholikerin wird und die Kinder zu fliehen versuchen.
Und dann lernt diese junge Frau einen Mann kennen, Sebastian, der am Anfang des Romans ihren Nachlass bekommen soll. Er bekommt ihre Bilder und er soll sich um diese Bilder kümmern.
Es war ihre erste und einzige wahre Liebe. Paula war damals erst siebzehn Jahre alt. Sebastian war mit einer anderen Frau liiert und hat sich nicht von dieser Frau getrennt. Und diesem Muster folgt Paula, um es jetzt vielleicht ein bisschen massiv zu psychologisieren als Gegenmodell. Diesem Muster folgt sie eigentlich den Rest ihres Lebens, das sie versucht andere Männer zu bewegen ihre Frauen um ihrer Willen zu verlassen. Diese Frau praktiziert die kleinen Verweigerungen" konsequent, aus dieser Verletzung heraus und das ist das Spannende daran, dass sie nicht mit dem Anspruch daher geht, die Gesellschaft zu ändern oder eine Anklage gegen die Politik oder den Staat zu erheben, sondern nach Innen geht der geheimnisvolle Weg, mit vielen kleinen Nein" da wo sich ihr Chancen bieten. Und an dieser Konsequenz zerbricht sie dann.

Auch als Künstlerin ist sie konsequent, das zeigt sich an dem weißen Bild. Sie fühlte sich dieses eine Mal glücklich, denn sie hatte ein Bild gemalt, das eigentlich aus einem Paradox besteht. Es zeigt nichts und soll doch alles zeigen, eine Winterlandschaft auf der durchaus etwas erkennbar ist, aber das durch und durch weiß ist. Das ist ja eines der großen Paradoxe der Moderne. Sie will aus der Abstraktion wieder heraus, ohne sie eigentlich zu verlassen, das kann als künstlerischer Motor begriffen werden. Das künstlerische Wollen war ein ganz zentraler Antrieb für diese Frau.

Und eigentlich ist diese Biographie der Versuch, irgendwo eine unbedingte Form der Liebe herzubekommen, was ganz zum Schluss auch geschieht, als sie, nachdem sie den reichen Kunstprofessor verlässt, gezwungen ist nach der Wende sich Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Da malt sie kleine Bilder und schreibt darauf Die ist ein Schrei".

Es ist die Geschichte einer fortschreitenden Isolation, es ist die Chronik einer angekündigten Selbsttötung, die Chronik einer Frau, deren Schicksal von der Einsamkeit, die von Anfang an da war, die durch die autoriale Erzählung über diese Kindheit auch plausibel gemacht wird. Also es ist die Chronik eines Schicksals, was von der Einsamkeit, über die Verlassenheit bis zur Verlorenheit geht. Am Ende der Verlorenheit passiert dann der Selbstmord.

Die Überzeugungskraft des Buches besteht darin, dass Paula eine so komplexe Person ist, von der man annimmt, man hätte sie persönlich gekannt. Sie wird einem so nahe gebracht, auch durch die seltsame Konstruktion die der Autor gewählt hat, sie selbst erzählen zu lassen. Das bringt Nähe und Distanz gleichzeitig, zwingt einem aber auch eine Person auf, mit der man sich mehr oder weniger intensiv beschäftigen muss. Man gerät einfach zunehmend in Konflikt, weil man alles durch die Brille von Paula sieht, durchaus mit dieser Figur sympathisiert, im Lauf der Lektüre aber denkt, was leistet die Frau sich noch? Sie verläst ihr Kind, sie macht "Samenraub", das heißt sie bekommt von einem anderen Mann ein Kind und verrät dem nicht das er der Vater ist, sie ist immer nur so lange mit jemand zusammen wie es ihr nutzt und trotzdem, und das ist das Faszinierende, durch den Blick dieser Frau wird vermittelt, dass diese Männer recht sympathisch sind. Für das Scheitern von Paula gibt es in dem Buch keine Verantwortlichen.
Kein klassischer Bildungsroman, sondern der Roman einer gehemmten Entwicklung.
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