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Customer Review

TOP 1000 REVIEWERon October 11, 2013
Der Psychotherapeut, nicht Sozialwissenschaftler, Michael Winterhoff beklagt eine angeblich zu weiche Erziehung, bei der Eltern und Lehrer zu wenig Autorität zeigen würden. Die von ihm behauptete Tendenz kann er freilich nicht belegen, entsprechend hilflos und nichtssagend sind seine Lösungsvorschläge.

Um seine Behauptungen spannender zu machen, erklärt Winterhoff sie für unterdrückt durch angebliche Denkverbote. So dürfe man angeblich nicht sagen, dass Bildung Geld koste, dass Kinder sich nicht von selbst entwickelten oder dass sich Freiheit innerhalb sinnvoller Grenzen am besten entwickele (S. 50). Hallo? Im Internetzeitalter kann jeder jeden Unfug publizieren, und denken sowieso.

Winterhoff behauptet in seinem Buch, es hätten "seit den 1990er Jahren" in Deutschlands Kinderzimmern, Kindergärten und Klassenzimmern Veränderungen stattgefunden, die zu dramatischen Problemen bei der Erziehung führten. Als Beleg dafür führt er anekdotische Berichte an, ansonsten behauptet er sie einfach, am liebsten mit dem Ausdruck "immer mehr":

"...dass immer mehr Betriebe heute Schwierigkeiten haben, geeignete Auszubildende zu finden, weil diese den Ansprüchen der Unternehmen hinsichtlich solch grundlegender Dinge wie Pünktlichkeit, Genauigkeit oder Umgangsformen nicht annähernd entsprechen.“ (S. 101)
"Die Tatsache, dass es Erwachsenen heute immer schwerer fällt, eben diese Ruhe zu bewahren, ist dem Hamsterrad geschuldet, in dem sich immer mehr Menschen befinden.“ (S. 148)
"Fakt ist, dass es immer mehr Kinder gibt, die gravierende Störungen im Lern-, Leistungs- und Sozialverhalten zeigen." (S. 201)
"Immer mehr Erwachsene laufen ständig auf Hochtouren und leben nur noch im Moment." (S. 203)
"Immer mehr Kinder und Jugendliche haben somit keine Chance, sich in ihrer Psyche altersgemäß zu entwickeln." (S. 209)

Waren denn Erwachsene vor zwanzig Jahren ruhiger, oder vor vierzig Jahren? Ist nur Deutschland hektischer geworden oder die ganze Welt, und woran macht sich das fest? Oder dreht sich das Hamsterrad vielleicht nur in der Wahrnehmung des Autors?

Das Buch enthält auch vernünftige Gedanken. So sind etwa die Aussagen zum Thema Rechtschreibung völlig richtig - aber sie gehen auch nicht über das hinaus, was der Autor aus "Spiegel" und "Zeit" zitiert. Der Erkenntnisgewinn hält sich somit in Grenzen.

Mein Eindruck ist, dass der Autor in seiner persönlichen Praxis Eltern und Schülern durchaus gute Ratschläge geben kann. Wenn er sich jedoch als konservativer Polit-Autor versucht, dann wird er nur die eher schlichten Geister ansprechen. Im Niveau kein Vergleich etwa mit den Erfolgsautoren Manfred Spitzer oder Gerald Hüther.

Wer mehr über die Probleme von Kindern im Grundschulalter erfahren will, ist mit dem hervorragenden Buch Was wir unseren Kindern in der Schule antun: ... und wie wir das ändern können besser bedient.
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