Hier klicken Sale Salew Salem Hier klicken Sonderangebote studentsignup Cloud Drive Photos Alles für die Schule Learn More TDZ HI_PROJECT Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimitedEcho longss17
Kundenrezension

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Im Namen von Bohemia, 22. April 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sexbeat (Taschenbuch)
Kürzlich hörte ich einen Bericht über die neue Platte von Jan Delay, die angeblich eher eine Rock-Platte sein soll. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob und wie man Pop und Rock eindeutig voneinander trennen soll. Vielleicht ist es eine Frage der Haltung und Einstellung.

In seinem Buch Sexbeat aus dem Jahre 1985 setzt Diedrich Diederichsen das Gegensatzpaar Rock aus LA versus Pop aus London. Des weiteren gilt für ihn, vereinfacht gesagt: Rock ist eher dumpf, und Pop ist smart, obwohl doch gerade eine Punkrock-Band, nämlich der Gun Club, für ihn ein Schlüsselerlebnis darstellte. In dem Stück Sexbeat, das diesem Buch den Namen gab, singt Jeffrey Lee Pierce die schöne Zeile: We can f**** forever, but you will never get my soul.

Man redet ja zur Zeit wieder gerne über Pop-Musik und Pop-Theorie. Dem Wort Theorie entnehme ich: das muss wohl wichtig sein. Auch ich bin im Diederichsen-Fieber, lese allerdings erst einmal ein älteres Buch, Sexbeat, in der Neuausgabe aus dem Jahre 2002. Schon in der Einleitung, in der Diederichsen ausführt, eine Gegenposition zu seinen Gedanken um 1985 darzulegen, muss ich an vielen Stellen Fragezeichen setzen, da sich mir der Sinn nicht immer erschließt. Das liegt übrigens nicht so sehr am verschachtelten Satzbau. Meiner Meinung nach liegt das eher daran, dass einiges als bekannt vorausgesetzt wird, statt es dem Leser nahezubringen.

Die überzeugendsten und interessantesten Stellen des Buches sind für mich nicht diejenigen, wo akademisch theoretisiert wird, sondern die eher persönlich gefärbten, mit Leben gefüllten Darstellungen und sei es auch nur die Anteilnahme am HSV, der damals anders als heute ziemlich erfolgreich war. Das Theoretisieren halte ich angesichts des Gegenstandes, also der Pop-Kultur, die ich zu den schönen Nebensächlichkeiten zähle, für eher unangemessen. Ein Beispiel: Auf Seite 102 spricht der Autor im Zusammenhang mit der Pop-Kultur der 80er Jahre von der “offiziellen (Pop-) Geschichtsschreibung“. Die Jugendlichen, die sich über Äußerlichkeiten, wie Kleidung, Mode, Haarschnitt unterhalten, bzw. definieren, führen darüber einen “Diskurs“, die Beschäftigung mit Pop-Musik wird zu einer diskursiven Tätigkeit. Die bevorzugte Musik ist “referentiell“, also “Zitat-Pop“. Sie ist “so extrem referentiell … dass sie analog zur Sprache funktioniert.“ Was will der Autor damit sagen? Sprache funktioniert innerhalb einer Gemeinschaft, weil es eine Übereinkunft hinsichtlich eines Zeichensystems gibt. Gerne spricht der Autor auch von dem Kriterium der “Historizität“.

Zu meinen Lieblingsstellen gehören die Ausführungen zur “proletarischen Mode“: Zum Beispiel: „Je gefährdeter der Hauptschulabschluss, desto Princeton und Harvard das Sweatshirt.“ (S. 103)
Im Zusammenhang mit einer sogenannten “proletarischen Pop-Kultur“, die sich in der Kleidung im Tragen von Universitäts-Sweatshirts, in der Musik im Bevorzugen von Heavy Metal und in der Literatur in der Vorliebe für Perry Rhodan äußere, wird noch einmal die Sprachwissenschaft in Form von Saussure bemüht: Querverbindungen seien wichtiger als Inhalte (S. 103). Ähnlich erhält die sprachliche Form erst dadurch Bedeutung, dass sie in Beziehung zu anderen Formen steht.

Wie bereits oben erwähnt, werden manche Dinge in dem Buch Sexbeat meiner Meinung nach nicht hinreichend erklärt, sondern als bekannt vorausgesetzt oder in einem komplizierten Sprachgebrauch beschrieben.
Um es mit Saussure auszudrücken: die Schwierigkeiten des Textverständnisses liegen auf der Bedeutungsebene. Diederichsen neigt außerdem dazu, in seiner akademischen Ausdrucksweise Begriffe unterschiedlicher Wissenschaften zu vermischen, wobei er die Bereiche Philosophie, Soziologie und Kunst besonders schätzt. Wie er im Nachwort betont, spricht er “mit den Stimmen und Argumenten verschiedener … geschätzter Schulen“. Ein umfangreiches “name dropping“ ist eine natürliche Folge. Hut ab vor so viel Belesenheit.
Das alles macht die Lektüre nicht unbedingt zu einem angenehmen Zeitvertreib, sondern eher zu einem harten Stück Arbeit.
Druckfehler gibt es in der Neuausgabe übrigens auch noch einige. Es wäre sicherlich nicht schlecht gewesen, jemanden einmal Korrektur lesen zu lassen. Auf diese Weise hätte man auch noch einmal eine Rückmeldung bezüglich der Verständlichkeit der Sprache erhalten können. Aber vielleicht hat der Autor ja gar kein Interesse daran.

Auch wenn ich das Buch Sexbeat eher interessant als toll finde, so bewundere ich doch, was der Autor, mittlerweile Professor für Ästhetik an der Akademie der bildenden Künste in Wien, mit seinem Steckenpferd, der Pop-Musik und -Kultur, erreicht hat.
Allen Lesern wünsche ich viel Spaß und vor allem Durchhaltevermögen bei der Diederichsen-Lektüre.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
  [Abbrechen]

Kommentare

Kommentare per E-Mail verfolgen
Von 1 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.03.2015, 12:23:47 GMT+1
Pfeffermühle meint:
"Diederichsen neigt außerdem dazu, in seiner akademischen Ausdrucksweise Begriffe unterschiedlicher Wissenschaften zu vermischen, wobei er die Bereiche Philosophie, Soziologie und Kunst besonders schätzt. "
Meine Überzeugung: Er vermischt Dinge, die er selbst nicht versteht, und will dabei möglichst gebildet rüberkommen. DD's Erfolg bestaune ich mit Verwunderung, seit er vor Jahrzehnten die einmal lesenswerte "Sounds" mit entsprechenden regelmäßig unsäglichen Plattenkritiken, die kein Mensch lesen wollte, plattgemacht hat. Pseudowissenschaftlich, -gebildet oder wie auch immer man das nennen will, jedenfalls: Den Kauf und die Beschäftigung damit keinesfalls wert. Wenn er über "Sexbeat" schreibt, dann brauche ich nur, so polemisch das jetzt ist, ein Bild von ihm anzusehen und weiß, was ich davon zu halten habe. Es ist kein angenehmer Zeitvertreib, das Buch zu lesen, schreiben Sie, ein Buch über Beat bzw. Sexbeat ist also kein angenehmer Zeitvertreib, das muss man sich mal vorstellen. Und zum Korrekturlesen hat auch niemand Lust gehabt, verständlich. Übrigens gibt es die Verlagsgruppe Koch, die das Buch herausgegeben hat, nicht mehr. Darüber will ich jetzt keine Mutmaßungen anstellen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.03.2015, 11:44:13 GMT+2
Alba meint:
Danke für die ausführliche Stellungnahme. Über die Tätigkeit von Diederichsen in der Zeitschrift Sounds kann ich leider nichts sagen, da ich sie nur dem Namen nach kenne. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass sein Schreibstil ähnlich kompliziert war wie wenig später in der Spex und in seinen Büchern.

Musik ist ja vor allem dazu da, gehört zu werden. Wenn nun jemand darüber schreibt, dann sollte das meiner Meinung nach zwar anspruchsvoll, aber auch verständlich und möglichst interessant sein, damit das Lesen dazu anregt, sich die Musik anschließend anzuhören.

Ich sehe Diederichsen aber nicht ganz so negativ. Sein Artikel „Werke XXII, willkürlich und anlassfrei zusammengestellt" (Spex Januar/Februar 2015) liest sich z.B. gut und problemlos und weckt zumindest bei mir das Interesse, wieder einmal Jack Bruce zu hören.
Über die Wortwahl „willkürlich und anlassfrei" lässt sich natürlich im Fall des im letzten Jahr verstorbenen Jack Bruce streiten. Für mich geht das aber als Stilmittel der Ironie in Ordnung.
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

3.0 von 5 Sternen (1 Kundenrezension)
5 Sterne
0

4 Sterne
0


2 Sterne
0

1 Stern
0

EUR 9,95
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent


Top-Rezensenten Rang: 158.028