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Kundenrezension

34 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein pfiffiger Beitrag zu einer modernen Allgemeinbildung, 7. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Denken - Nach-Denken - Handeln: Triviale Einsichten, die niemand befolgt (Taschenbuch)
Der Hamburger Literaturprofessor Dietrich Schwanitz meinte in seinem Bildungs-Bestseller, dass naturwissenschaftliches Wissen nicht zur Bildung gehöre. Ihm wurde von kompetenter Seite mit guten Gründen widersprochen. Aber nicht nur Wissen über die Wirklichkeit sondern vor allem die Art und Weise, wie dieses Wissen zustande kommt und wie es für den Menschen nutzbar gemacht wird, gehören meines Erachtens zu den Grundlagen einer modernen Allgemeinbildung.

Was tun? Das Buch von Jürgen Beetz ist eine hervorragende Antwort auf die Frage, wie sich und wo sich Denken und Nach-Denken, logisches und vernünftiges Handeln im Alltag zeigen sollten. Das eigentliche Thema des Buches ist im Untertitel verborgen: "Triviale Einsichten, die niemand befolgt". Das Buch zeigt uns auf, was menschlicher Verstand für unser tägliches Leben zu leisten imstande ist und illustriert zugleich, wie wir diese unglaublich kreative Ressource für ein gesünderes, erfüllteres und friedlicheres Leben zu großen Teilen ungenutzt lassen. Warum? Weil wir offenbar denkunlustig sind und lieber instinktiven Mustern folgen, die in Urzeiten ihre Berechtigung gehabt haben mögen, heute jedoch kontraproduktiv wirken.

Der Inhalt des Buches verarbeitet Erkenntnisse der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Hirnforschung und der Psychologie und präsentiert sich in einem sehr lockeren und amüsanten Schreibstil, fast könnte man ihn feuilletonistisch nennen, mit vielen interessanten kleinen Nebenbemerkungen, die das Lesen insgesamt zu einer kleinen Allgemeinbildungsreise machen. Es ist eine einsichtsreiche und kurzweilige, manchmal auch selbstironische Lektüre mit oft überraschenden Einsichten, wie der, dass das Unwissen schneller anwächst als das Wissen oder Begründungen, dass z.B. unsere Wirtschaftsweisen alles andere sind bloß nicht weise.

Es geht um die typischen Denkfallen, in die wir täglich laufen, um unzulässige Verallgemeinerungen, um unsere selektive und damit verfälschende Wahrnehmung, um unseren Umgang mit Zahlen und Wahrscheinlichkeiten und dergleichen mehr. Das zentrale Anliegen dürfte das Kapitel 6 "Erst das Ei oder erst die Henne?" sein. Dort behandelt der Autor offensichtlich sein Lieblingsthema, die "Aufhebung der linearen Kausalität" durch (in der Sprache beginnende) zyklische Sprüche und (sich in allen Gebieten fortsetzende) zyklische Prozesse. Es geht um die jedermann geläufige aber kaum in ihrer Tragweite bewusst gewordene Einsicht, dass unsere Gesellschaft mit all ihren Gliederungen und Verästelungen ein vernetztes, hochkomplexes System darstellt, in dem einfache, monokausale Beziehungen kaum Erklärungskraft haben. Dasselbe gilt für unsere Umwelt, also die gesamte Erde. An dieser Stelle wird dem Rezensenten wieder einmal bewusst, wie wenig gerade unsere Politiker in Systemzusammenhängen zu denken bereit sind. Kein Wunder - die meisten sind ja Juristen. Diese denken in Fächern und Unterfächern: Von welcher juristischen Qualität ist das vorliegende Problem? Verfassungsrechtlich, verwaltungsrechtlich, strafrechtlich ... ? Querverbindungen, Langzeitfolgen, Rückkopplungen odgl. geraten meist nicht in den Horizont der Überlegungen. Apropos Rückkopplung: Fällt dieser Begriff, wird er meistens durch das eindrucksvoller klingende neudeutsche Wort "Feedback" ersetzt. Was es aber bedeutet und dass es negative und positive Rückkopplungen gibt, was ja einen enormen qualitativen Unterschied ausmacht - meist Fehlanzeige!

Beim Lesen des Textes und seiner "trivialen Einsichten" hatte ich fast immer konkrete Menschen aus meiner Umgebung vor Augen, was die Ausführungen beispielhaft unterlegte. In Kapitel 9 "Ausflüge ins Faselland" präsentiert der Autor ein köstliches Beispiel einer - von ihm keineswegs erfundenen - Heilslehre, die - wenn mit der nötigen Überredungskunst und guruhaften Charismatik vorgetragen - schnell Millionen Anhänger finden könnte. Schwammige Begriffe, unzulässige Analogien und Vergleiche, verborgene Widersprüche, falsch verstandene naturwissenschaftliche Erkenntnisse, missbräuchliche Inanspruchnahme von Autoritäten - wie schnell lässt sich ein scheinbar überzeugendes Gedankengebäude konstruieren, ohne jede Wirklichkeitsverankerung und doch in das Leben in fataler Weise eingreifend.

Die sich durch das faktenreiche Buch ziehende Quintessenz scheint mir die Sinn- und Zukunftsfrage zu sein. Der Rezensent hat das in einem anderem Zusammenhang mal so ausgedrückt: "Werden die kleinen Inseln der Vernunft, die aus dem riesigen Meer der Irrationalitäten aufgetaucht sind, einst wieder 'Land unter' melden? Wird der nur mühsam gebändigte Drang des Menschen, sich der Fesseln der Logik und Rationalität zu entledigen, sich wieder Bahn brechen, und werden die Menschen in ihrer übergroßen Mehrheit sich mit dem Unbedachten und nicht zu Ende Gedachten zufrieden geben und weiter dem tradierten Gefühl folgen, dass das Unerklärliche und das Verheißene die eigentliche Wirklichkeit darstellen?" Oder wie der Autor formuliert: "Haben wir noch Hoffnung? Sind wir noch zu retten?" Leider wird es so sein, dass gerade die Leute, die das Buch dringend bräuchten, dieses gerade nicht lesen werden.

So finden wir zusammengefasst hier ein Buch vor, das eine populärwissenschaftliche Einführung in das wissenschaftliche, in das "begründete" Denken darstellt, ein Buch, das der Vernunft den Weg ebnet und eigentlich das Attribut "wissenschaftstheoretisch" verdient. Aber keine Sorge: Wissenschaftstheoretisch und verständlich sowie wissenschaftstheoretisch und alltagspraktisch müssen sich nicht ausschließen, sie ergänzen sich hier vielmehr in eindrucksvoller Weise. Der Autor will zum kritischen Denken und Handeln anregen - eine Absicht, die er in hervorragender Weise umgesetzt hat. Es ist ein Buch, das man gar nicht auslesen kann, weil es beim erneuten Hineinschauen immer wieder neu anregt - zum Denken, Nach-Denken und Handeln.
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