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Kundenrezension

am 5. August 2012
Unter allen Tragödien Shakespeares ist Coriolanus diejenige, in der wir am wenigsten vom Innenleben des Helden erfahren. Es gibt in diesem Stück keinen der großen Monologe, wie wir sie aus den anderen großen Tragödien Shakespeares kennen, die uns das Innere des Helden näher bringen, seine Motivation für uns transparenter macht. Die Bruchstellen dieses Charakters bleiben uns verschlossen. "Coriolanus" ist ein kahler Gipfel, unwirtlich und düster, aber ohne Zweifel ist diese Tragödie die erhabenste, die Shakespeare je geschrieben hat. "Erhaben" - wer jemals eine gute Inszenierung dieser Tragödie gesehen (ich selbst habe das Stuck siebenmal gesehen - davon waren 5 Inszenierungen Musterbeispiele dafür, wie man auch die Dramen Shakespeares restlos vernichten kann; angerichtet von Regiekleinkünstlern, die einen Schweinebauch nicht von einem Dramentext Shakespeares unterscheiden konnten) hat, wird verstehen, was ich meine. Diese Tragödie ist eine so gewaltige Meditation über die Krise der Macht, wie ich sie sonst so tief und so großartig eigentlich nur noch in Büchners "Dantons Tod" wiederfinde.

Diesen sperrigen Granitblock von Tragödie hat Fiennes nun verfilmt. Er hat es großartig gemacht, denn es ist ihm gelungen, die Zeitlosigkeit des Stücks durch ein geschicktes Versetzen in eine andere Epoche herauszustreichen. Sein "Coriolanus" ist nicht nur ein Peter Pan des Krieges, nicht nur ein im Grunde kleiner Junge der übermenschlich nur im Töten ist, sondern auch ein Mensch, der durch eine bestimmte Begabung seine Mitbürger überragt und eben auch daran scheitert, weil er eben NUR diese Begabung besitzt, er nur diese Begabung IST. Es ist wundervoll zu sehen, wie Fiennes die Unfähigkeit zum Kompromiss darstellt. Das macht er großartig, und er ist ein würdiger Erbe der beiden Schauspieler, die diese Figur nach 1945 mit Genie belebt haben: Alan Howard in den späten 70er und in den 90er Toby Stephens. Wie zerrissen und unsicher ist Coriolanus in Fiennes Darstellung, wenn er das Feld des Tötens und des Mordens verläßt, wenn er nicht Soldat sein kann! Eine ultramoderne Inszenierung, die einen Grundfehler des modernen Regietheaters nicht wiederholt: Der Text wird nicht verändert. Das Ensemble, das Fiennes um ich versammelt hat, ist hervorragend. Aber das ist eigentlich keine Überraschung, wenn man Darsteller wie Redgrave, Kani, Cox oder Jesson um sich schart. Allein diese vier Schauspieler haben zusammen fast 200 Jahre Bühnenerfahrung mit Shakespeares Dramen. Butler gibt eine gute Darstellung, doch vielleicht fehlt seinem Aufidius das Verschlagene und Zweifelhafte.

Dennoch hat diese Verfilmung auch etwas problematisches: Es sind dies die Kürzungen. Aus meiner Sicht wurden in der Verfilmung Text an entscheidenden Stellen zu stark gekürzt; die Fabel, die Menenius am Anfang des Dramas erzählt, kommt in der Verfilmung überhaupt nicht vor - gerade diese Szene weist ihn aber als Mittler zwischen Volk und Senat aus. Der Kontrast zu Sicinus ist ohne diese Szene nicht mehr so akzentuiert. Und ganz falsch finde ich, wenn die 1. Szene im dritten Akt, wo es zur direkten Konfrontation zwischen Coriolanus und Sicinus kommt, im Text nicht voll ausgespielt wird. Das halte ich für einen schweren dramaturgischen Fehler, hier kann ich nicht verstehen, warum diese Szene im Film nicht richtig ausgespielt wird, und in einer schnellen Abfolgen von Bilder und Schreien untergeht. Aber diese Kürzungen müssen nicht für jeden Zuschauer so ins Gewicht fallen wie für mich. Diese Verfilmungen trifft den Geist der Vorlage ganz.
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